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Ryszard Kapuscinski
Meine Reisen mit Herodot
Klappentext
Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Auf den Schultern eines Riesen: Ryszard Kapuscinski reist mit dem ersten Reporter der Menschheitsgeschichte um die Welt. Schon immer war er von ihm fasziniert. Und bis heute ist er für ihn der Größte. Wann und wohin auch immer Ryszard Kapuscinski unterwegs war, Herodot war dabei. Dabei war es anfangs gar nicht so leicht, an ein Exemplar von dessen Historien zu kommen, denn in Polen gab es keine Übersetzung davon. Und als die fertig vorlag, durfte sie nicht gedruckt werden: Stalin lag im Sterben und das jahrtausendealte Buch erzählt mindestens ebenso viel vom Zerfall wie von der Schaffung riesiger Reiche, ebenso erschütternd vom Sturz der Mächtigen wie von ihrem Aufstieg. Erst 1954 kam der junge Ryszard Kapuscinski mit dem Buch in Berührung, und es erwies sich als Erleuchtung. Da war einer, von Neugier und Wissensdurst getrieben, aufgebrochen, die Grenzen der bekannten Welt auszuloten, mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören, oder sich wenigstens von Augenzeugen berichten zu lassen, was sich auf der Welt zugetragen hat. Herodot war kein Händler, Spion, Diplomat oder Tourist, sondern, wie später auch Ryszard Kapuscinski, Reporter, Anthropologe, Ethnograph und Schriftsteller.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.01.2006
Nach Meinung des Rezensenten Jan Wagner ist das neuen Buch von Ryszard Kapuscinski, dem polnischen Ausnahme-Reporter und Reisejournalisten eine durch und durch erfreuliche Angelegenheit. Kapuscinski verbindet darin seine Reisen und eigenen Erfahrungen mit den Schriften des griechischen geschichtsschreibers Herodot, dessen Schriften ihn überall hin begleiten und als Inspiration - schließlich war Herodot seiner Meinung nach der erste Reporter - dienen. Nach Meinung des Rezensenten erweist sich Kapuscinski als der "legitime Urenkel Herodots", weil auch er "auf das Wort des Einzelnen vertraut, um zu erfahren, was den geschichtlichen Ereignissen, den spektakulären Eruptionen zugrunde liegt". Nach Wagners Meinung ist es ein interessantes Spannungsfeld, das Kapuscinski in seinem Buch aufmacht: "Er versteht es, diese beiden Ebenen, die Reisen durch Schrift und Welt immer wieder miteinander zu verknüpfen."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2005
Rezensent Nico Bleutge ist tief beeindruckt von diesem Buch des polnischen Reporters Ryszard Kapuscinski über seinen Helden, den griechischen Geschichtsschreiber Herodot. Auf all seinen Reisen hatte Kapuscinski seinen Herodot immer dabei, erfahren wir. Er schätzte die Offenheit Herodots und seinen Sinn für die Flüchtigkeit der Erinnerung. In Kapuscinski gibt es eine große Sehnsucht nach einer "umfassenden Sprache", die nicht nur Wörter, sondern auch das Minenspiel, die Gestik und die Bewegungen des Körpers umfasst, meint Bleutge. "Diese winzigen Regungen versucht Kapuscinski in seinen Reportagen einzuholen. Und sie sind es auch, die sein Schreiben über Herodot bestimmen." Im Gegensatz zu Herodot scheut sich Kapuscinski allerdings nicht, Grausamkeiten auch zu kommentieren. Ein "wirklich großes Buch", erklärt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005
Als junger Reporter der "Jugendfahne" im sozialistischen Polen bekommt Ryszard Kapuscinski vor seiner ersten Auslandsreise von der Chefin ein Büchlein in die Hand gedrückt, das ihn seither immer begleitet hat: Herodots "Historien". Wer diese heute verstehen will, meint Thomas Steinfeld, der ziehe am besten einen historischen Weltatlas zu Hilfe und - noch besser - konsultiere dazu Kapuscinskis "Reisen mit Herodot". "Es ist, als lägen zwei Karten beieinander", schreibt Steinfeld, "und zwei, die vom selben Schlag sind, beugten sich darüber und erzählten": von fremden Völkern, von Reisen in fremde Länder, von nicht vertrauten Sitten und unbekannten Sprachen. Kapuscinski bezeichnet sich und Herodot als Reporter; Steinfeld findet diese Zuschreibung nicht zutreffend - für beide nicht, für Kapuscinski nicht und auch nicht für Herodot. Man müsse sie eher als Historiker, als Geografen und als talentierte Erzähler betrachten, meint Steinfeld, die stets ein Gleichgewicht zwischen Erzählung und Nachricht herstellen könnten. Richtig gut sei Kapuscinski nur dort, wo er selbst vor Ort sei: als Augenzeuge, der in seiner Erzählung die Wirklichkeit an einem fremden, fernen Ort neu entstehen lassen kann.
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