Gertrude Steins langes Erzählgedicht von 1931 steht formal zwischen den Prosastücken «Tender Buttons» und den «Stanzas in Meditation», zu denen es unmittelbare Vorarbeit ist. Erst ein Mal posthum 1956 in Amerika veröffentlicht, ist diese zweisprachige Ausgabe die erste Wiederveröffentlichung des Originaltextes. Die Übersetzung durch Ulf Stolterfoht ist eine ebenso genaue wie poetisch durchgearbeitete Reverenz an die Steinsche Welt ganz aus Wörtern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2006
Sehr zufrieden zeigt sich der Rezensent Florian Vetsch mit dem vorliegenden Bändchen. Da sei zunächst einmal das Langgedicht von Gertrude Stein, das sich über mehr als 50 Seiten erstrecke und auf für Stein "typisch experimentelle" Weise (nämlich "jenseits aller Gefälligkeit im Steinbruch von Wortschatz und Syntax 'zur geräuscherzeugung'") erforscht, wie sich Dichtung und Ruhm zueinander verhalten. Dabei, so der Rezensent, ist ein sehr schöner, "in sich ruhender und schwingender" Text entstanden. Und dann, so der Rezensent, ist da noch Ulf Stolterfohts Übersetzung ins Deutsche. Man könnte ihm zweierlei vorwerfen: seine konsequente Kleinschreibung und auch das "Nichteinhalten der Zeilenbrüche", das die Verse zur Prosa glätte. Doch dies wäre in den Augen des Rezensenten ungerecht, leiste doch Stolterfohts Übersetzung etwas viel Wertvolleres als formale Treue. In der "innovativen Freiheit" und der "frischen Erfindungskraft", die seine Übersetzung auszeichnet, bleibt einerseits Steins "blühender Garten der Zeichen", ihre "dissoziative Weite", und ihre "unverkrampfte Textatmosphäre" erhalten, und gleichzeitig entsteht ein regelrechter "intellektueller Konterpart" zu Steins Original, so das verzückte Fazit des Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.11.2005
Gertrude Steins Werk ist bis auf ihren berühmten Ausspruch über die Rose eigentlich wenig bekannt, glaubt Jan Wagner, der diese zweisprachige Publikation des langen Gedichts der Lyrikerin deshalb sehr begrüßt. Die deutsche Fassung von "Winning His Way", das selbst englischsprachigen Lesern "kaum bekannt" ist, hat Ulf Stolterfoht angefertigt, und er zeigt sich den Schwierigkeiten, die "assoziative, sich vom Klang leiten lassende" experimentelle Lyrik ins Deutsche zu übertragen, mehr als gewachsen, lobt der Rezensent. Viele "überraschende" oder gar "glückliche Lösungen" hat der Übersetzer für knifflige Übersetzungsprobleme gefunden und er macht dabei "aus der Not eine Tugend", wenn er die Konstruktionsprinzipien Gertrude Steins in seiner Nachdichtung anwendet und dabei etwa ein Steinsches "strangeness" beherzt zu "merkwürde" umdichtet, so der Rezensent begeistert. Er räumt ein, dass das "poetische Verfahren" der Lyrikerin selbst bei den in diesem Langgedicht vorhandenen "stark narrativen Elementen" "ermüdend" sein kann. Nichtsdestotrotz kann Wagner nicht umhin, die "Virtuosität" Steins zu bewundern und sich über "herrlich absurde, ja alberne Einfälle, reizvolle Reflexionen" und viele schöne, durchaus sinnlich Zeilen zu freuen.
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