Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Hans-Christian Oeser. Henry Townsend gehört zu den Schwarzen, die es geschafft haben. Als junger Mann von seinem Vater freigekauft, ist er mit dreißig Jahren Besitzer einer Plantage und der dazugehörigen Sklaven. Er hat sich damit arrangiert, auf der Seite derjenigen zu stehen, für die der Wert eines Schwarzen sich lediglich in Arbeitskraft und Dollars bemisst. Rund um das Schicksal von Henry Townsend erzählt Jones Geschichten über Weiße und Schwarze, über Gewalt und Widerstand, über Realität und Magie.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.07.2006
Rezensent Eberhard Falke ist außerordentlich beeindruckt von Edward Jones erstem und gleich Pulitzerpreis-gekröntem Roman. Verhandelt wird Falkes Inhaltsskizze zufolge die Geschichte eines Schwarzen zur Zeit der Sklaverei, der freigekauft selbst zum sklavenhaltenden Plantagenbesitzer aufsteigt und zwar ganz nach dem Muster der Weißen, also den Normen der "bekannten Welt". Den Rezensenten fasziniert, wie Jones sein "aufregendes Gedankenspiel von Schwarz und Weiß, Gut und Böse" konkret am Stoff entlang erzählt: an der Geschichte seines schwarzen Protagonisten und dessen ehemaligem weißen Herrn. Denn das macht für ihn die Stärke des Buches aus, das aus Sicht des Rezensenten wohltuend unbeleckt von aller Theorie und politischer Korrektheit daher kommt: dass es sich nur für die konkrete Geschichte interessiert, und so unter "gründlichster, facettenreichster Betrachtung" aller vorstellbaren menschlichen Verhaltensweisen ein eben so dichtes wie widersprüchliches Bild vermittelt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2006
Edward P. Jones gelingt in seinem 2004 mit dem Pulitzerpreis für Literatur ausgezeichneten Roman "manches", räumt Thomas Leuchtenmüller ein. Die psychologische Durchdringung der verworrenen Verhältnisse rund um einen Schwarzen, der sich schwarze Sklaven hält, fällt "plausibel" aus, so der Rezensent. Auch werde der Alltag im sklavenhalterischen (und fiktionalen) Manchester County in Virginia plastisch dargestellt. Doch im Ganzen, so der gestrenge Rezensent, "missfällt 'Die bekannte Welt'. Leuchtenmüller stört sich an zu viel "Onkel Toms Hütte" und zu viel "Vom Winde verweht", auch haben ihm die eingestreuten Vorausblicke in die Zukunft der Erzählung die Spannung verdorben. Gewisse Klischees mag Leuchtenmüller ebenfalls nicht mehr lesen, gerade wenn sie von der Forschung längst überholt seien - Sklavinnen, die wesentlichen Einfluss und "mannigfaltige Aufgaben" hätten, die habe es schlicht nicht gegeben. Und das menschliche Panorama des Romans, notiert der Rezensent säuerlich, biete "Karikaturen, keine Kreaturen". Dann aber gerät er richtig in Rage. Die Verleihung des Pulitzerpreises identifiziert Leuchtenmüller als strategisch eingesetztes "falsches Lob": "Wundert es, dass von Weißen dominierte Organe eine schwache Publikation eines schwarzen Schriftstellers über schwarze Sklavenherrschaft als Glanzstück apostrophieren?" Deutlich bessere Autoren, so Leuchtmüller, gingen leer aus.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2006
Geradezu kühn findet Rezensent Christoph Haas dieses Buch, in dem Edward P. Jones' radikal gegen eine Sicht verstoße, die Schwarzen einen quasi angeborenen Opferstatus zukommen zu lasse. Noch größere Bewunderung verdiene allerdings der moralfreie "Tonfall", mit dem der Autor unmenschliches Handeln auch seines schwarzen Helden Henry schildere. Dieser habe sich, nachdem sein Vater ihn frei gekauft hatte, in jungen Jahren vom Schuhmacher zum Großgrundbesitzer hochgearbeitet und sei nach und nach in die Rolle des Sklavenhalters hineingewachsen. Schließlich, referiert der Rezensent, habe er die Wertemaßstäbe der weißen Herrschaftsschicht und seines früheren Besitzers so weit internalisiert, dass es bei der Bestrafung von entlaufenen Sklaven nur noch darum gehe, wie viel Ohr man solchen Selbstdieben abschneide. Jones' Roman schildere neben Henrys auch die Schicksale seiner Verwandten oder das Duo von "magenkrankem Sheriff" und seinem "skrupellosem Cousin". Selbst von Nebenfiguren erzähle der Autor so allerhand, wobei der Rezensent allerdings die Technik der Vorausblende für "ein wenig inflationär" eingesetzt hält.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2005
Ein Gefühl der Beklemmung hat Edward P. Jones' Roman bei Rezensent Harald Fricke hinterlassen. Der Autor legt in seinem Buch über die Sklaverei in Amerika ein dunkles, bisher kaum erforschtes Kapitel der Geschichte frei: Einigen Sklaven gelang es, sich kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs von ihren Herren freizukaufen - um dann selbst Sklaven zu halten. Jones bringt dem Leser die "Logik der Sklaverei" und des Rassismus an fiktiven Lebensgeschichten nahe. Dass Zahlen und Daten erfunden sind, stört den Kritiker kaum. Im Gegenteil, er vermutet das "große Talent" des Schriftstellers gerade darin, Unbekanntes freizulegen, ohne die beschriebene Epoche "mit wissenschaftlicher Akribie" abzuhandeln. Vor dem "skizzenhaften" historischen Hintergrund hebe sich die "soziale Tragik" umso deutlicher ab. Verstärkt wird dieser Effekt, so schreibt der Rezensent, durch den Tonfall des Autors, der von "sprödem Realismus" durchdrungen ist.
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