Bücherschau der Woche
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Klappentext
Verband wie Vereine, Funktionäre wie Mäzene, Trainer wie Spieler ließen sich von den bombastisch aufgezogenen Massenveranstaltungen und der Atmosphäre in den Stadien faszinieren. Die Beibehaltung und Vermehrung ihrer materiellen Privilegien war für viele wichtiger als der Widerstand gegen ein verbrecherisches Regime. Obwohl nur wenige von ihnen der menschenverachtenden NS-Ideologie anhingen, trugen die meisten Mitglieder des DFB zur Stabilität der NS-Herrschaft bei und machten sich dadurch mitschuldig. Nils Havemann schildert nicht nur die Geschichte des DFB, sondern zeigt an diesem Beispiel, mit welchen Mitteln es den Nationalsozialisten gelang, an sich unpolitische Vereine und Verbände für ihre Zwecke zu vereinnahmen und wie leicht sich viele Menschen verführen ließen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2005
Eine "Pionierstudie" sieht Rezensent Wolfram Pyta in Nils Havemanns Arbeit über den Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Dritten Reich. Der Autor entziehe denjenigen Anklägern den Boden, die den DFB pauschal einer nationalsozialistisch-freundlichen Haltung zeihen, wende sich aber auch klar gegen eine billige Exkulpation, indem er mit schonungsloser Offenheit moralisches Versagen in den Reihen damaliger DFB-Verantwortlicher zur Sprache bringe. Beeindruckend findet Pyta die breite archivalische Quellenbasis, auf die Havemann seine Resultate stützt. Dass dieser die DFB-Spitze der Anonymität entreißt, würdigt Pyta als "herausragendes Verdienst" der Studie. Allerdings hätte sich Pyta verstärkt die Anwendung von "kulturhistorische Analysekategorien" gewünscht. Insgesamt lobt er das Buch als "instruktive Studie", die "tiefe Einblicke in die kulturschöpferische Kraft des Fußballs" erlaube.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2005
Es hat lange gedauert, bis der DFB sich dazu durchringen konnte, einen unabhängigen Forscher die Geschichte des Verbandes unter dem Nationalsozialismus aufarbeiten zu lassen, informiert Jürgen Kaube. Aber "das Warten hat sich gelohnt". Nils Havemann habe eine "ebenso lesbare wie informationsreiche und durchdachte" Studie zur Organisationsgeschichte des DFB von 1933 bis 1945 erstellt. Er komme dabei zu dem Ergebnis, dass sich der Verband wie viele anderen grundsätzlich opportunistisch verhalten habe, um sein Fortbestehen unter totalitären Umständen zu sichern. Havemann lasse kein Beispiel der "Niedrigkeiten" aus, bleibe dabei aber immer "nüchtern" genug, das Verhalten in die damalige Situation einzuordnen. Somit werde laut dem zufriedenen Rezensenten deutlich, dass der DFB weder den Nationalsozialismus enthusiastisch begrüßt noch sich gegen die Vereinnahmung des Sports durch die Politik verwahrt hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Für Ludger Heid ist dieses Buch, das die Rolle des Deutschen Fußball-Bundes im Nationalsozialismus untersucht, "längst überfällig". Obwohl der DFB selbst der Auftraggeber ist, wahrt der Autor Nils Havemann stets seine "wissenschaftliche Unabhängigkeit", versichert der Rezensent, der das Ergebnis dieser "engagierten" Studie zwar nicht überraschend, aber recht "ernüchternd" findet. Der Autor komme zu dem Schluss, der DFB habe sich als "Nutznießer" und seine Funktionäre als "willfährige Gefolgsleute" der Nationalsozialisten erwiesen und letztlich durch die Unterstützung des verbrecherischen Systems Mitschuld an dessen "Vernichtungs- und Vertreibungspolitik", referiert der Rezensent. Er findet, es ist hohe Zeit, dass der dunklen Seite des Fußball-Bundes endlich die "gebührende kritische Aufmerksamkeit" zuteil wird, insbesondere indem sie "unverzeihliche und beschämende" Einträge der DFB-Geschichte der 50er Jahre richtig stellt, so Heid zufrieden. Und dass Havemann "viel Neues" bringt und darüber hinaus noch angenehm "unprätentiös" schreibt, kann seine Zufriedenheit mit dem Buch nur steigern.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2005
"Entlastungszeugnisse klingen anders." Rezensent "sos." zeigt sich nicht nur mit der Durchführung von Nils Havemanns Studie, sondern auch mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Beim DFB habe es sich um einen "Schmarotzer" gehandelt, der die Ideologie zu seinem Fortkommen eingesetzt hat. Havemann laste dem Verband an, resümiert der Rezensent, keinen Ausweg aus der Wirtschaftskrise gesucht zu haben, sondern auf einen "Konkurrenz-Antisemitismus" verfallen zu sein, um sich bei den Oberen anzudienen. Beispielhaft findet "sos." dagegen die Bedingungen, unter denen Havemann seine Arbeit anfertigen konnte. Durch den Zugang zu allen Archiven, von dem ein "imponierendes" Quellenverzeichnis zeugt, eine ausreichende Finanzierung und keine Störungen durch den DFB sei eine Arbeit entstanden, "die nun dem Thema tatsächlich gerecht wird".
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