Die bedeutendsten psychologischen Experimente des 20. Jahrhunderts haben die tiefsten Fragen des menschlichen Lebens unserer Zeit berührt und Lauren Slater erweckt sie in ihrem Buch zu neuem Leben. Ob es sich um Grausamkeit oder Genozid handelt, um Mitleid oder Liebe, um Erinnerung, Gerechtigkeit oder Autonomie - brillant erzählt und nicht selten auf humorvolle Weise leuchtet Lauren Slater die Experimente und die an ihnen beteiligten Personen aus und legt dabei auch Abgründe der menschlichen Seele frei. Aufs Neue begegnen wir Stanley Milgram, der seine Versuchspersonen erfolgreich anwies, fremden Menschen Elektroschocks zu versetzen, bis diese sich vor Schmerzen krümmten; David Rosenhan, der Patienten mit erfundenen psychischen Problemen reihenweise in die Psychiatrie einweisen ließ; Harlows Affenmüttern aus Stacheldraht und Metall; Skinners gelehrigen Ratten, für die Alexander in seinem Suchtexperiment einen Vergnügungspark bauen ließ.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005
Nur Lob hat Wolfgang U. Eckart für Lauren Slaters "sensible, gelehrte und amüsante" Darstellung von zehn klassischen psychologischen und psychiatrischen Experimenten übrig. Zwar kennt der Rezensent einige der Beispiele schon, wie die Untersuchungen von Milgram oder Frederic Skinners Rattenversuche, aber die Erfahrung, wie mitleidslos Menschen sein können oder wie wirksam Belohnungen sind, scheinen ihn wieder aufs Neue zu faszinieren. Das liegt wohl daran, vermutet Eckart, dass Slater in ihrer "treffsicher" erstellten Auswahl Grundsätzliches diskutiert und "bewegende Fragen des menschlichen Lebens" neu stellt. In den USA wurde in der wissenschaftlichen Gemeinde der laxe Umgang mit Fußnoten bemängelt, wie Eckart berichtet. Für ihn wiegt die "essayistische, humorvolle Schreibweise" aber diese formalen Nachlässigkeiten voll und ganz auf.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 13.10.2005
Durchaus kritisch betrachtet Rezensentin Sabine Etzold dieses Buch über zehn berühmte Experimente der Psychologie, das Lauren Slater vorgelegt hat. Sie hält der Psychologin zwar zu Gute, redlich zu vermerken, dass keines der Experimente - von Milgrams Gehorsamkeitsexperiment bis zu Harlows Vergewaltigungsmaschinen für Rhesusaffen - ohne begründeten Widerspruch geblieben ist. Auch beschreibe Slater die Gegenpositionen und demontiere so die Ergebnisse. Am eigentlichen Skandal der Tierversuche aber übt die Autorin zur Enttäuschung Etzolds keine Kritik. Sie erwähnt, dass das Buch in den USA für einigen Wirbel sorgte, nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Art und Weise, wie sie einige der heute noch lebenden Experimentatoren darstellt. In diesem Zusammenhang tadelt Etzold die Autorin für ihre "blauäugige Psychologisierung". Grundsätzlich fragwürdig erscheint ihr indes, dass Slater nie den geringsten Zweifel äußere, dass die Psychologie "im 'biologischen Grenzbereich' in die Irre" gelaufen sein könnte.
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