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Ernst Jandl
Ernst Jandl: Briefe aus dem Krieg, 1943-1946
Klappentext
Herausgegeben von Klaus Siblewski. Mit 30 Abbildungen. Am 30. Juli 1943 schickte Ernst Jandl den ersten Brief an seine "Lieben Eltern, Brüder und Großeltern". Diesem Brief folgten viele weitere, den letzten sandte er Anfang August 1946 aus einem Lager in Stockbridge, kurz bevor er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. In dem vorliegenden Buch kann zum ersten Mal in Jandls privater Korrespondenz nachgelesen werden, wie er den Krieg erlebt und überstanden hat, jene Zeit, die wie keine andere tiefe Spuren in seinem Werk hinterließ.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.04.2006
Für Sven Hanuschek erbringt dieser "erste" nach Ernst Jandls Tod erscheinende Briefband den Beweis, dass die "Kanonisierung" des österreichischen Lyrikers "voran schreitet", was Hanuschek offenbar begrüßt. Einzelne der Briefe, die Jandl zwischen 1943 und 1946 als Soldat schrieb, sind bereits anderswo zu lesen gewesen, aber erst in ihrer "Gesamtheit" würden sie ihre "Wirkung entfalten", freut sich der Rezensent. Neben manchen Details aus dem Alltag der Soldaten wird bei der Lektüre vor allem das von "existentieller Unsicherheit" geprägte "Lebensgefühl" Jandls deutlich, meint Hanuschek, der aus den Briefen zudem bereits den "Lyriker am Anfang seiner Laufbahn" herausliest. Die Illustrationen des Bandes, die neben Fotos auch faksimilierte Gedichte, Familiendokumente und ähnliches zeigen, findet der Rezensent "anrührend". Das ist aber schon das einzige Positive, das er über die Editionsarbeit von Klaus Siblewski zu sagen hat. Hanuschek klagt über die geringe Leserfreundlichkeit der Kommentare und moniert darin enthaltene sachliche Fehler und Widersprüche. Als "dickste philologische Kröte" aber erstaunt ihn der fehlende Nachweis, woher die Briefe denn eigentlich stammen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2006
Das ist nicht der Ernst Jandl, den wir kennen, warnt Walter Hinck den Leser und erklärt die mit den vorliegenden Briefen aus Krieg und Gefangenschaft zu entdeckenden Jahre des Autors von 1943-1946 zur "Inkubationszeit des Sprachoperateurs". Der Band zeige den jungen Jandl noch "ganz im Bann des Deutschunterrichts", beeinflusst von Autoren wie Mörike und Hölderlin und getrieben von eher konventionellem Poetisierungs- und Bekenntnisdrang. Dass es aber auch schon anders geht, will Hinck uns nicht vorenthalten und veranschaulicht das an einem früh-rebellischen Antikriegsgedicht, mit dessen Vortrag in der Offiziersmesse Jandl Kopf und Kragen riskierte. "Prophetisch" nennt das der Rezensent, "kühn" trotz geregelter Vers- und Reimform und einen Vorgriff auf spätere Demontagen hehrer Kriegsbilder.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2005
Karl-Markus Gauss gibt unumwunden zu, dass er diese Edition von Briefen, die der junge Ernst Jandl zwischen 1943 und 1946 aus dem Kriegsdienst an seinen Vater schrieb, für fast gänzlich "belanglos" hält. Die Meinung des Herausgebers Klaus Siblewski, dass es sich hier um ein "einzigartig erschütterndes Dokument" handle, kann er nicht teilen. Geht es in den Briefen doch vor allem um die Bitten nach Marmelade, Büchern, Zigaretten und Alkohol. Damit unterschieden sie sich durch nichts von den Briefen unbekannter Zeitgenossen und nirgends ließen sich auch nur Andeutungen der "künstlerischen Signatur" des späteren Dichters erkennen, ärgert sich Gauss, der das aber keineswegs Jandl vorwerfen will, sondern es seinem Publizisten anlastet, derlei Banales in einem Briefband zu versammeln. "Nur einmal" wird es in dieser Korrespondenz "interessant", stellt der Rezensent fest, dann nämlich, wenn von Jandls intimer Beziehung zu einem Dienstmädchen die Rede ist, die einen Sohn von ihm bekommt. Und dass das Nachwort nicht nur das weitere Schicksal von Mutter und Sohn aus dem Blick verliert, sondern nicht einmal deren Namen für erwähnenswert hält, trägt nicht gerade zur Abmilderung des harschen Urteils bei.
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