Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Koreanischen von Kang Seung-hee, Oh Dong-sik und Torsten Zaiak. Ein politischer Häftling wird 1999 nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und von den lange verdrängten Erinnerungen eingeholt: an seine große Liebe, die Zeit der regimekritischen Aufstände und das Leben im Untergrund. "Zuerst vergessen sie die Worte, dann die Gefühle, zuletzt verblassen die Erinnerungen."
Nach 17 Jahren politischer Gefangenschaft wird Hyunuh Oh 1999 in die Freiheit entlassen und muss sich nun in einem neuen, modernen und für ihn fremden Südkorea zurechtfinden. Er lebt zunächst eine Weile bei seiner Schwester, die über all die Jahre die Briefe seiner ehemaligen Geliebten, der Malerin Yunhi Han, für ihn aufbewahrt hat. Über die Erinnerung an sie mit den so lange zurückliegenden Ereignissen der 80er Jahre konfrontiert, begibt er sich schließlich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2005
Jörg Drews zählt erst einmal auf, was dieser Roman des südkoreanischen Schriftstellers Hwang Sok-yong alles nicht ist: es handelt sich nicht um ein "weltstürzendes" Werk, zeigt keine besondere "psychologische Raffinesse" und scheint, wenn man der Übersetzung trauen kann, sprachlich eher "ruhig und unauffällig". Trotzdem vermittelt die Lektüre der Geschichte eines politischen Häftlings, der nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, ein "ernsthaft-zufriedenes Gefühl", wundert sich der Rezensent. Geschildert wird das Leben der Hauptfigur Oh Hyunuh vor der Inhaftierung mit seiner Geliebten Han Yunki, seine bitteren Jahre im Gefängnis und - vermittelt durch Tagebuchaufzeichnungen und Briefe Han Yunkis, die vor seiner Entlassung an Krebs stirbt - auch das Leben der Geliebten, die von ihm eine Tochter bekommt. Obwohl der Autor die "grausamen Details" des Gefängnislebens allenfalls andeutet und eher lakonisch vom Gefängnisalltag berichtet, macht es die "große Kunst" Sok-yongs aus, trotzdem die ganze "Kälte und Härte" der Inhaftierung darstellen zu können. Besonders bewegend findet der Rezensent auch die vergebliche Liebe des Paares, das sich trotz der Trennung die "Treue zueinander" bewahrt. Am Ende teilt Drews noch mit, dass Sok-yong "weiß, wovon er redet", da er selbst fünf Jahre in einem südkoreanischen Gefängnis zugebracht hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005
Auch in Hwang Sok-yongs 2003 in Korea erschienenem Roman "Der ferne Garten?, so Rezensentin Maike Albath, gehe es dem Autor um Schicksale politischer Unterdrückung unter der Diktatur. Bis 1998 habe er selbst im Gefängnis gesessen, weil er illegal nach Nordkorea gereist sei, und so könne er in "Der ferne Garten? gewissermaßen aus eigener Erfahrung von einem Mann erzählen, der 1999 nach 17-jähriger Haft entlassen wird. Neben einer Reise durch das moderne Südkorea blicke der Roman mit dem Helden Hyunuh zurück auf dessen Jugend und wie es zu seiner Verhaftung kam. In einem Dorf findet er die Aufzeichnungen der verstorbenen Geliebten, die ihn nicht davon abhalten konnte, seinem "politischen Pflichtgefühl? zu folgen. Als überaus "reich an gelebtem Leben? beschreibt die Rezensentin Hwangs Roman, voll "einprägsamer Szenen?. Allein, schränkt Albath ein, die "ungelenke? bis stellenweise "einfältige? Sprache verhindere, dass "Der ferne Garten? auch ein literarisches Erlebnis für den Leser werde. Aber "vielleicht? sei dies auch nur der unzureichenden Übertragung der "koreanischen Bildlichkeit" geschuldet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005
Der Stil hat sich geändert, die Aussage bleibt dieselbe. Es geht, so Dorothea Dieckmann, bei Hwang Sok-yong um "Übriggebliebene einer vaterlosen Gesellschaft", die im 20. Jahrhundert unbeschreibliche, immer wieder neue Leiden erdulden musste. Vor Jahrzehnten, unter den Bedingungen von Diktatur und Zensur, hatte Hwang in einem "fast dokumentarischen Realismus" geschrieben. Dieser Roman, 2000 in Korea erschienen, weist zwar "wechselnde Ich-Perspektiven, eingeschobene Briefe und Aufzeichnungen, Träume, Assoziationen und schwebende Leitmotive" auf, trotzdem geht es um die Folgen von Krieg, Teilung und Diktatur. Es ist 1998; der Held kommt nach 18 Jahren aus dem Gefängnis und irrt, "orientierungslos wie Franz Biberkopf, im brodelnden Seoul" umher, bevor er sich auf die Reise seine Vergangenheit begibt, von der nicht viel geblieben ist. Fazit: Eine eindrucksvolle literarische Abwägung der Last eines Überlebens aus einer Zeit vor der Gegenwart.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2005
Siebzehn Jahre Einzelhaft hat Oh Hyunuh hinter sich, als er 1999 in Korea aus dem Gefängnis entlassen wird. Was ihm von seinem früheren Leben bleibt, sind die Tagebücher seiner an Gebärmutterkrebs gestorbenen Geliebten. Diese hat fern in Europa gelebt, in Berlin, zur Zeit der Wiedervereinigung, die ein - allerdings gemildertes - Symbol ist auch für das koreanische Dilemma. In dem Roman "Der ferne Garten" - der Titel ist ein schwacher, desillusionierter Anklang an Voltaires "Candide", stellt Ludger Lütkehaus fest - reflektiert Hwang Sok-yong auch das eigene Schicksal. 1993 war er wegen eines Aufenthalts in Nordkorea zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Rezensent zeigt sich beeindruckt von des Autors Fähigkeit, die vereisten Verhältnisse in dem geteilten Land fühlbar zu machen; die Intensität dieses Fühlbarmachens, die allgemeine Tristesse des Realismus beinhalte für den Leser freilich die Gefahr einer "gewissen Bedrückung". Den einzigen Lichtblick in der zerstörten Welt des Oh stellt seine Tochter dar - sie allein repräsentiere, so Lütkehaus, "hoffnungsvollere Perspektiven" - mit der Einschränkung freilich: "wie weit auch immer sie tragen mögen".
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