In diesem Gedichtband stehen zarte Liebeserklärungen neben Kalauern und ätzenden Versen über allerhand peinliche Persönlichkeiten deutschen Gemeinwesens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2005
Mit gemischten Gefühle hat Rezensent Burkhard Müller diesen Band mit Gedichten von Wiglaf Droste gelesen. Die Gedichte aus den letzten zwanzig Jahren wiesen alle Vor- und Nachteile der mündlichen Improvisation zu später Stunde auf, befindet Müller, die am nächsten Morgen nach dem Erbarmen einer Aspirin-Tablette schreie. Zu den Nachteilen zählt er neben der penetranten Endreimerei vor allem die bei Altlinken typische "spät-gemütliche Fokussierung auf eine erotisch überhauchte Kulinarik". Gedichte, in denen das lyrische Ich aus dem Nabel der Geliebten Linsen speist, was nächtlichen Meteorismus nach sich zieht, sollten nach Ansicht Müllers besser privat bleiben. Und Reime wie "Von Krankenschwesternengeln, träumend vom Analfick. - / Die Landserscheiße läuft, frohlockte Heinz Konsalik" wertet er in mehrfacher Hinsicht als "unrein". Zur Freude Müllers bietet der Band auch einige gelungene Gedichte, etwa die Spottverse über den damaligen Kardinal Ratzinger. Im Allgemeinen scheinen ihm die Gedichte desto besser, je knapper sie ausfallen. Bei vielen Gedichten lobt er die guten Überschriften trefflich, welche die ausführenden Verse eigentlich als überflüssig erscheinen lassen. Insgesamt sieht er in dem Band den rheinischen Karneval walten: "Büttenreden, Endreimterror, angekündigte Pointen", resümiert der Rezensent, "es ist der seltene, aber klare Fall unfreiwilliger Selbstkritik".
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