Aus dem Englischen von Gerd Meue. Wole Soyinka, der erste afrikanische Nobelpreisträger, hat sich seit jeher in die Politik eingemischt. Er tritt unerschrocken ein für Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte, klagt gegen Korruption und Manipulation und fordert die Mächtigen dieser Welt auf, sich für die Achtung der Würde des Menschen einzusetzen. Als Gastdozent eingeladen, seine Sicht auf den Zustand der Welt darzustellen und neue Perspektiven daraus zu entwickeln, hielt Soyinka 2004 die in der angelsächsischen Welt mit hohem Ansehen belegten Reith-Lectures der BBC, deren erster Dozent kein Geringerer als Betrand Russell war. "Ich habe recht, du bist tot!" - Diese offensichtlich weltweit verbreitete Formel verabscheuungswürdiger Machthaber, mit denen immer noch Geschäfte und Politik gemacht werden, stellt Soyinka in seiner Vortragsreihe schonungslos an den Pranger. Das Gute und das Böse, sie gehen an politischen Scharnierstellen unselige Bündnisse miteinander ein, und wenn dies so ist, wie soll dann die Welt an ihrem Wesen genesen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.07.2005
Gaby Mayr findet die fünf Vorträge des nigerianischen Autors Wole Soyinka, die dieser 2004 für die BBC gehalten hat und die nun in Buchform erschienen sind, zumindest zwiespältig. Unter dem Titel "Klima der Angst" wendet sich Soyinka, selbst "bekennender Atheist", gegen die Gewalt, die von christlichen und islamischen Fanatikern ausgeht. Dabei prangert er insbesondere die "medial viel weniger beachteten" Terrorakte im Süden Nigerias an, die von islamistischen Fanatikern verübt werden, erklärt die Rezensentin. Mit "Volksweisheiten" seiner Heimat bringt Soyinka manchmal seine Ansichten auf den Punkt, allerdings lässt er sich auch von der "Wucht der eigenen Worte" mitunter allzu sehr mitreißen, bedauert Mayr. Der Autor verwende "vielfach reproduzierte politische Schlüsselvokabeln", die zwar ungewohnte Perspektiven böten, häufig aber einfach nur "ungenau" wirkten. Dabei entsteht nach Mayr der "Eindruck mangelnder Recherche", zum Teil findet sie die Äußerungen des Autors gar unhaltbar, beispielsweise wenn er von den für ihre Drangsalierung der Bevölkerung bekannten südsudanesischen Rebellen als "schwarzen Freiheitskämpfern" schreibt. Zudem kritisiert sie, dass Soyinka seinen Gewaltbegriff mitunter allzu beliebig aufspannt und dann auch schon mal über einen "offenbar unangenehmen" Steuerbescheid schreibt, dass sich hier "Macht in seiner banalsten Form" zeige. Die enttäuschte Rezensentin beklagt, dass "viele Fragen" zu religiös motivierter Gewalt in diesen Vorträgen nicht gestellt werden und hätte sich mehr "analytische Schärfe" und mehr "inspirierende Denkanstöße" von diesem Autor, Literaturnobelpreisträger und Menschenrechtler, gewünscht.
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