Renatus Karl von Senckenberg

Charlotte Gorday oder die Ermordungs Marats dramatisiert

Cover: Charlotte Gorday oder die Ermordungs Marats dramatisiert
Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2000
ISBN 9783861102120
broschiert, 87 Seiten, 11,25 EUR

Klappentext

Neudruck der Erstausgaben von 1794 und 1796. Renatus Karl von Senckenberg (1751-1800) ist eher als Jurist und Historiker bekannt denn als Dichter. Die Nachrichten von der Ermordung des führenden jakobinischen Revolutionärs Jean Paul Marat durch die ebenso junge wie schöne Charlotte Corday im Jahre 1793 enthusiasmierten ihn jedoch derart, dass er nicht eher ruhte, "bis die dramatisirte Charlotte Gorday fertig auf dem Papier stand". Wie alle Welt war er von der "außerordentlichen Kaltblütigkeit" der Attentäterin fasziniert. Ohne Rücksicht auf die theatralischen Konventionen seiner Zeit entwarf er einen dramatischen Bilderbogen, in dem er die Wirkung einer provozierend unabhängigen Frau ("lch selbst will mir Alles seyn") auf ihre - männliche - Umgebung vorführt. Noch ein "seinem Amt sowohl als den Jahren nach der Welt abgestorbener" Priester kann sich dem Sexappeal dieser frühen Femme fatale kaum entziehen. Dabei hält sich Senckenberg in seinem Stück erstaunlich eng an die ihm vorliegenden Berichte, so daß man sein Drama als frühes "Dokumentarstück" ansehen kann. Der Neudruck des Dramas wird ergänzt durch Senckenbergs wenig später entstandenes Kurzepos Carolina Cordaea, ein seltenes Beispiel für neulateinische Gelehrtendichtung des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.06.2000

Das Stück gehöre zu den frühen "Doku-Dramen", meint Benedikt Erenz, so "exakt" habe Senckenberg, ein großer Bewunderer Cordays, die Szenen seines Stücks nach den Berichten aus Paris montiert. Selbst das falsche G im Namen der "holden Mörderin" habe Senckenberg absichtlich nicht korrigiert, weil die französischen Zeitungen nach der Ermordung Marats von Charlotte Gorday (statt Corday) berichteten, und Senckenberg den "geschichtlichen Moment" nicht verfälschen wollte. Das Stück sei zwar "wahrlich kein Kleist", aber "voller leidenschaftlicher Dialoge über Mord, Gesetz, Freiheit und Bestimmung". Erenz würde es jedenfalls gern mal auf der Bühne sehen.

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