Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Hamburg. An einem regnerischen Oktobertag sitzt ein alter Mann im Schlafsack auf einem nassen Boulevard. "Es ist Kunst!" erklärt er seine Aktion den Vorübergehenden. Gerade dieser ungewöhnlichen Beobachterposition gewinnt Hermann Kant überraschende, amüsante und geistvolle Einsichten über zeitgenössische Befindlichkeiten ab.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2006
Sabine Brandt spielt gleich zu Beginn ihrer Besprechung auf Herrmann Kants Rolle als "eiserner" Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes an und spekuliert, ob Kant bei der Erstellung seines "Sicherheitsdramoletts" um den Erzähler und die Personenschützer der Polizei seine "lange Ost-Erfahrung" geholfen hat. Wie dem auch sei, meint die Rezensentin, das Buch veranlasst zumindest sie stellenweise zu "freundlichem Applaus". Allerdings bleibt sie oft "ratlos", und manchmal fordert Kant den ganzen Langmut Brandts heraus, da er sie und die Leser "erbarmungslos an die Wand schwatzt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.07.2005
Ulrich Sonnenschein hat den jüngsten Roman von Hermann Kant als "Offenbarungseid eines Schriftstellers" gelesen, der sich nach dem Zusammenbruch der DDR, wo er der "1. Staatsschriftsteller" war, nur noch nach innen wenden kann. Der Roman stellt einen Autor vor, der sich in einem Schlafsack in die Hamburger Innenstadt legt um sich ganz der intensiven Selbstwahrnehmung hinzugeben. Dieses Kino im Kopf, bei dem sich "lamentierende Beobachtungen" und "endloses Nachdenken" über das bundesdeutsche Leben in höchst "kunstvolle sprachliche Gebilde" kleiden, sind allerdings allzu "selbstbezüglich", als dass sich die Leser darin einbezogen fühlen könnten, kritisiert Sonnenschein. Zwar räumt der Rezensent ein, dass die Wahrnehmungen des Protagonisten wirklich gekonnt in Sprache übersetzt werden, doch bleibt für ihn das Bild dieses "pointillistischen" Romans "verschwommen". Darüber hinaus leidet er unter den "Wortklaubereien" und "Bandwurmwörtern" Sonnenscheins. "Einlassen könnte man sich auf dieses "manierierte Wortkino" ohnehin nur, wenn man Kants eskapistische Anwandlungen teilt, meckert der Rezensent, dem das Ganze zu "formal und ziellos" ist, als dass er damit etwas anfangen könnte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.06.2005
Dieter Hildebrandt hat den Eindruck, dass Hermann Kant mehr denn je ars gratia artis betreibt, paranoische Übertreibungskunst um ihrer selbst willen. Dem "Chef-Ironiker des Honecker-Regimes", vermutet der Rezensent, sind mit der DDR die gesellschaftlichen Widerstände weggebrochen, an denen sein Witz sich entzünden, gegen die sein Witz anrennen konnte wie Don Quichotte gegen die Windmühlen. Was bleibt, ist "zeremoniöse Wortklauberei", so der Rezensent. Worum geht es? Kant will seine "Vision des berühmten falschen Lebens" aufzeichnen, wie sie sich - daher der Titel des Romans - als Straßen-"Kino" in seiner Geburtsstadt Hamburg vor seinen Augen alltäglich entrollt. Aber seine "enthusiastische Paranoia" geht ins Leere; Hildebrandt fühlte während der Lektüre gar den Wunsch, "die Sätze in Klartext umzuwandeln", wie es weiland Karl Kraus mit Maximilian Hardens Texten tat. Dass der Rezensent über den Inhalt des Romans mehr nicht mitzuteilen hat, spricht wohl für sich.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2005
Rezensent Stephan Maus ärgert sich darüber, nicht auf sein Gefühl gehört und den neuen Roman von Hermann Kant nach den ersten Seiten "auf den Weg aller grauenhaften Rezensionsexemplare" geschickt zu haben. Dabei findet er die Idee, auf der das Buch basiert, gar nicht mal so schlecht. Ein alter Mann, mit "stark biografischen Anlehnungen" an den Autor, legt sich in die Hamburger Fußgängerzone und beobachtet die Gesellschaft. Doch heraus kommt, so wütet der Rezensent, keine "haarkleine Anatomie" deutschen Fußgängerzonenlebens, sondern eine mit "öligen Banalitäten einbalsamierte Laberschwarte". In den Augen des Kritikers hat Kant es einfach nicht geschafft, seinen Protagonisten über das Wesentliche nachsinnen zu lassen. Stattdessen plaudere er über alles so "unverbindlich" los, dass die "Beliebigkeit" der Sätze die "zulässige Euronorm" überschreite. Kapitalismuskritik hätte sich Maus noch gefallen lassen, aber ein Buch voller "fader" Insider-Witzchen, die nicht einmal "Kleinkunstbühnenreife" haben, ist für ihn "nicht zum Aushalten".
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