Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Keine Frage, das Ende des verbrecherischen NS-Regimes war für Europa eine Befreiung. Aber die Hälfte Europas - und eben auch die Hälfte Deutschlands - kam vom Regen in die Traufe, eine menschenverachtende Diktatur löste die andere ab. Es ist das große Verdienst von Hubertus Knabe, diese dunkle Seite des Kriegsendes und das damit verbundene Leid der deutschen Bevölkerung mit diesem umfassenden, neue Quellen erschließenden Bericht in Erinnerung zu rufen.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.09.2005
Keineswegs einverstanden ist Rezensent Sebastian Ullrich mit Hubertus Knabes in seinem neuen Buch vorgetragener These, der wahre "Tag der Befreiung" sei im Osten Deutschlands nicht der 8. Mai 1945, sondern der 9. November 1989 gewesen. Um diese These zu stützen, schildere der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen "detailliert und eindringlich" das brutale Vorgehen der Roten Armee bei ihrem Vormarsch, die miserable Behandlung deutscher Kriegsgefangener und die Schikane von Bürgern durch Militärverwaltung und Geheimpolizei in der Sowjetischen Besatzungszone. Ullrich streitet dieses rücksichtslose Verhalten nicht ab, wendet sich aber gegen Knabes Art und Weise, die Gewalttätigkeiten der Rotarmisten und das deutsche Leid bei Kriegsende von den vorausgegangenen Untaten zu entkoppeln. Unangenehm erscheint ihm auch Knabes bisweilen "missionarischer Tonfall", den er mit dessen Behauptung erklärt, die sowjetischen Verbrechen in Ostdeutschland stellten einen blinden Fleck in unserem Geschichtsbild dar. Demgegenüber hebt Ullrich hervor, dass von einer Verdrängung des durch die Rote Armee und die sowjetische Geheimpolizei verursachten Leids heute nicht mehr ernsthaft die Rede sein könne.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2005
Nicht einverstanden ist Klaus-Dietmar Henke mit diesem Buch von Hubertus Knabe. Darin stelle der wissenschaftlichen Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im zentralen Stasi-Untersuchungsgefängnis mit Blick auf das brachiale Vorgehen Stalins in Ostdeutschland den 8. Mai 1945 als einen Tag der Befreiung in Frage. Henke hält dem Autor nicht nur seinen "überlebten Jargon des Historikerstreits", sondern auch seine "monothematisch Fixierung" auf die Gewalt der Roten Armee vor. Knabe begnüge sich mit einer analysefreien Aneinanderreihung von sowjetischen Gewalttaten. Die Vorerfahrung, "wie Deutschland den Osten ausplünderte, ausmordete und über 30 Millionen Bürger aus ihrer Heimat vertreiben wollte", bleibe ebenso ausgeblendet wie die Tatsache, dass Hitler von den Westalliierten und der Sowjetunion nur gemeinsam zu besiegen war. Der "intellektuellen Genügsamkeit" des Autors entspreche die "handwerkliche Sorglosigkeit". So ignoriere er entgegenstehende Forschungsmeinungen, belege Zahlen nicht reichlich, nehme Forschungserträge zum Thema nicht auf. Daneben findet Henke zahlreiche Fehler und auch viel Halbwissen. Knabes Buch erweise auch dem Andenken der Opfer des Kommunismus keinen guten Dienst, resümiert der Rezensent: "Die vordergründige Politisierung ihres Leidens beschädigt ihre Würde".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.05.2005
Malte Oberschelp urteilt zwiespältig über das Buch von Hubertus Knabe: Einerseits hat es historische Erkenntnisse zu bieten und ist auf dem neuesten Stand der Forschung, andererseits könnte es der radikalen Rechten Argumentationsfutter liefern, wenn es um die Beurteilung des 8. Mais 1945 geht. Knabe ist eben nicht nur Historiker, der bravourös die stalinistische Willkür im Ostdeutschland der Nachkriegszeit nachzeichnet, die ostdeutschen Lager als "Teil des stalinistischen Gulag" beschreibt und den angeblichen Vorgang der "Entnazifizierung" als staatlichen Terror entlarvt, dem eher zufällig auch Nazis zum Opfer fielen, urteilt Oberschelp, er ist dabei leider auch Ideologe und kann sich nicht verkneifen, den "Vorwurf der Relativierung" durch seine Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Stalinismus geradezu herauszufordern.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.04.2005
So begrüßenswert Christoph Kleßmann es auch findet, wenn Hubertus Knabe das Thema des Vorgehens der Roten Armee bei Kriegsende in Ostdeutschland nicht den Rechtsradikalen überlassen will, so erscheint ihm die Darstellung des Autors dennoch problematisch. Er vermisst in diesem Buch eine "sorgfältige historische Interpretation" der Ereignisse, die auch kausale Zusammenhänge in den Blick nimmt. Knabes Darstellung, Ostdeutschland sei bei Kriegsende keineswegs befreit worden, weil das Nazi-Regime durch die SED-Diktatur ersetzt worden sei, kritisiert der Rezensent als "sehr verkürzte Sicht" und er findet, dass der Autor damit den historischen Ereignissen "nicht gerecht" wird. Kleßmann räumt ein, dass das Buch eine "wahrhaft beklemmende Lektüre" darstellt und man über die Schrecken der Eroberung, die Massenvergewaltigungen, die willkürlichen Militärtribunale und anderes "so geballt" bisher nichts gelesen hat. Er hebt auch den "nüchternen und gut lesbaren" Stil Knabes sowie seine genauen Recherchen hervor. Was ihn dagegen sehr stört, ist die "politisch-moralische Anklage" die das gesamte Buch "grundiert" und die "Widersprüche und Ambivalenzen" nicht zulässt. Der Autor verzichte auf "Differenzierungen", was gerade bei diesem "sensiblen historischen Gegenstand" schädlich sei, klagt der Rezensent an, der mehr "Behutsamkeit", einen "kritischeren Umgang" mit den Quellen wie Zeitzeugenaussagen und Opferzahlen und vor allem eine "sorgfältigere Kontextualisierung" einfordert. Diese Darstellung moniert er als "allzu einseitig" und für ihn fügt sie sich auf problematische Weise in die Debatte um den ohnehin "schwierigen" wiewohl "notwendigen Diskurs über die Deutschen als Opfer", die in letzter Zeit wiederholt "nicht ohne falsche Zungenschläge" ins "öffentliche Interesse" gerückt ist.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Bücher von Lesern empfohlen
Alma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...
Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...
Archiv: Bücherschauen
Das Gegenglück, der Geist
09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Christopher Isherwood: Löwen und Schatten
08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen
Miljenko Jergovic: Freelander
01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen
Alain Mabanckou: Black Bazar
25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen


Folgen Sie uns auf Twitter


