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zuletzt aktualisiert 03.02.2012, 14.00 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hubertus Knabe

Tag der Befreiung?

Das Kriegsende in Ostdeutschland

Cover: Tag der Befreiung?

Propyläen Verlag, Berlin 2005
ISBN-10 3549072457
ISBN-13 9783549072455
Gebunden, 388 Seiten, 24,00 EUR

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Klappentext

Keine Frage, das Ende des verbrecherischen NS-Regimes war für Europa eine Befreiung. Aber die Hälfte Europas - und eben auch die Hälfte Deutschlands - kam vom Regen in die Traufe, eine menschenverachtende Diktatur löste die andere ab. Es ist das große Verdienst von Hubertus Knabe, diese dunkle Seite des Kriegsendes und das damit verbundene Leid der deutschen Bevölkerung mit diesem umfassenden, neue Quellen erschließenden Bericht in Erinnerung zu rufen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.09.2005

Keineswegs einverstanden ist Rezensent Sebastian Ullrich mit Hubertus Knabes in seinem neuen Buch vorgetragener These, der wahre "Tag der Befreiung" sei im Osten Deutschlands nicht der 8. Mai 1945, sondern der 9. November 1989 gewesen. Um diese These zu stützen, schildere der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen "detailliert und eindringlich" das brutale Vorgehen der Roten Armee bei ihrem Vormarsch, die miserable Behandlung deutscher Kriegsgefangener und die Schikane von Bürgern durch Militärverwaltung und Geheimpolizei in der Sowjetischen Besatzungszone. Ullrich streitet dieses rücksichtslose Verhalten nicht ab, wendet sich aber gegen Knabes Art und Weise, die Gewalttätigkeiten der Rotarmisten und das deutsche Leid bei Kriegsende von den vorausgegangenen Untaten zu entkoppeln. Unangenehm erscheint ihm auch Knabes bisweilen "missionarischer Tonfall", den er mit dessen Behauptung erklärt, die sowjetischen Verbrechen in Ostdeutschland stellten einen blinden Fleck in unserem Geschichtsbild dar. Demgegenüber hebt Ullrich hervor, dass von einer Verdrängung des durch die Rote Armee und die sowjetische Geheimpolizei verursachten Leids heute nicht mehr ernsthaft die Rede sein könne.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2005

Nicht einverstanden ist Klaus-Dietmar Henke mit diesem Buch von Hubertus Knabe. Darin stelle der wissenschaftlichen Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im zentralen Stasi-Untersuchungsgefängnis mit Blick auf das brachiale Vorgehen Stalins in Ostdeutschland den 8. Mai 1945 als einen Tag der Befreiung in Frage. Henke hält dem Autor nicht nur seinen "überlebten Jargon des Historikerstreits", sondern auch seine "monothematisch Fixierung" auf die Gewalt der Roten Armee vor. Knabe begnüge sich mit einer analysefreien Aneinanderreihung von sowjetischen Gewalttaten. Die Vorerfahrung, "wie Deutschland den Osten ausplünderte, ausmordete und über 30 Millionen Bürger aus ihrer Heimat vertreiben wollte", bleibe ebenso ausgeblendet wie die Tatsache, dass Hitler von den Westalliierten und der Sowjetunion nur gemeinsam zu besiegen war. Der "intellektuellen Genügsamkeit" des Autors entspreche die "handwerkliche Sorglosigkeit". So ignoriere er entgegenstehende Forschungsmeinungen, belege Zahlen nicht reichlich, nehme Forschungserträge zum Thema nicht auf. Daneben findet Henke zahlreiche Fehler und auch viel Halbwissen. Knabes Buch erweise auch dem Andenken der Opfer des Kommunismus keinen guten Dienst, resümiert der Rezensent: "Die vordergründige Politisierung ihres Leidens beschädigt ihre Würde".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.05.2005

Malte Oberschelp urteilt zwiespältig über das Buch von Hubertus Knabe: Einerseits hat es historische Erkenntnisse zu bieten und ist auf dem neuesten Stand der Forschung, andererseits könnte es der radikalen Rechten Argumentationsfutter liefern, wenn es um die Beurteilung des 8. Mais 1945 geht. Knabe ist eben nicht nur Historiker, der bravourös die stalinistische Willkür im Ostdeutschland der Nachkriegszeit nachzeichnet, die ostdeutschen Lager als "Teil des stalinistischen Gulag" beschreibt und den angeblichen Vorgang der "Entnazifizierung" als staatlichen Terror entlarvt, dem eher zufällig auch Nazis zum Opfer fielen, urteilt Oberschelp, er ist dabei leider auch Ideologe und kann sich nicht verkneifen, den "Vorwurf der Relativierung" durch seine Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Stalinismus geradezu herauszufordern.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.04.2005

So begrüßenswert Christoph Kleßmann es auch findet, wenn Hubertus Knabe das Thema des Vorgehens der Roten Armee bei Kriegsende in Ostdeutschland nicht den Rechtsradikalen überlassen will, so erscheint ihm die Darstellung des Autors dennoch problematisch. Er vermisst in diesem Buch eine "sorgfältige historische Interpretation" der Ereignisse, die auch kausale Zusammenhänge in den Blick nimmt. Knabes Darstellung, Ostdeutschland sei bei Kriegsende keineswegs befreit worden, weil das Nazi-Regime durch die SED-Diktatur ersetzt worden sei, kritisiert der Rezensent als "sehr verkürzte Sicht" und er findet, dass der Autor damit den historischen Ereignissen "nicht gerecht" wird. Kleßmann räumt ein, dass das Buch eine "wahrhaft beklemmende Lektüre" darstellt und man über die Schrecken der Eroberung, die Massenvergewaltigungen, die willkürlichen Militärtribunale und anderes "so geballt" bisher nichts gelesen hat. Er hebt auch den "nüchternen und gut lesbaren" Stil Knabes sowie seine genauen Recherchen hervor. Was ihn dagegen sehr stört, ist die "politisch-moralische Anklage" die das gesamte Buch "grundiert" und die "Widersprüche und Ambivalenzen" nicht zulässt. Der Autor verzichte auf "Differenzierungen", was gerade bei diesem "sensiblen historischen Gegenstand" schädlich sei, klagt der Rezensent an, der mehr "Behutsamkeit", einen "kritischeren Umgang" mit den Quellen wie Zeitzeugenaussagen und Opferzahlen und vor allem eine "sorgfältigere Kontextualisierung" einfordert. Diese Darstellung moniert er als "allzu einseitig" und für ihn fügt sie sich auf problematische Weise in die Debatte um den ohnehin "schwierigen" wiewohl "notwendigen Diskurs über die Deutschen als Opfer", die in letzter Zeit wiederholt "nicht ohne falsche Zungenschläge" ins "öffentliche Interesse" gerückt ist.

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