Philipp Luidl

Die Schwabacher

Die ungewöhnlichen Wege der Schwabacher Judenlettern
Cover: Die Schwabacher
Maro Verlag, Augsburg 2005
ISBN 9783875124156
Kartoniert, 84 Seiten, 15,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2005

Der Autor, ein Typograph, geht einem spannenden, aber wenig bekannten Kapitel unserer Schriftgeschichte nach, das Rezensent Martin Z. Schröder mit der bei den meisten Zeitungslesern bestimmt nur Achselzucken hervorrufenden Frage einleitet, warum die Deutschen länger als andere Völker die gebrochene Fraktur als Normschrift gedruckt hätten? Und warum heute die Antiqua mit ihren runden Bögen Norm sei? Dahinter verbergen sich, verrät Schröder, weltanschauliche Kämpfe, die vom Mittelalter mit seinen Religionskriegen, die sich unter anderem in Bibelübersetzungen und dem Kampf um eine populäre Schrifttype niederschlugen, bis in die Zeit des Nationalsozialismus reichen. In der Tat habe nämlich Hitler den plötzlichen Umschwung von der gebrochenen Schrift, die noch aus dem Gotischen stammte, zur lateinischen vollzogen; sinnigerweise, wundert sich Schröder, propagierte Hitler die Futura, eine im Bauhaus entstandene Schrift. Um seinen plötzlichen Sinneswandel argumentativ zu untermauern, hätte Hitler die Geschichte von den "Schwabacher Judenlettern" erfunden, eine völlig unhaltbare These, wie Luidl recherchiert habe. Leider springt der Verfasser vom Mittelalter direkt in den Nationalsozialismus, kritisiert Schröder. Die dumpfen nationalsozialistischen Reden findet er eher unerträglich und hätte gern mehr über andere spannende Schriftduelle gehört. So soll Goethe mit seiner Mutter einen Disput über Fraktur und Antiqua geführt haben.
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