Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar. Bruno Cadogan, Doktorand in New York, forscht über Borges und folglich auch den Tango. Für ihn ist Buenos Aires ein bloßes Gespinst aus Literatur und Nostalgie - bis zu dem Tag, als er von einer Kennerin den Hinweis auf Julio Martel erhält, den »besten Tangosänger, noch besser als Gardel«. Den muß er hören, da muß er hin. Kaum angekommen in der von Unruhen geschüttelten Metropole, wird er in eine private Pension geschleust und landet in einer langen Nacht der Tangos und Milongas. Martel aber, von dem es keine Plattenaufnahmen gibt, scheint unauffindbar.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2005
Walter Haubrich sagt es kurz und knapp: ein guter Roman, zugleich eine spannende Einführung in die jüngere Geschichte Argentiniens und die Geheimnisse der labyrinthischen Stadt Buenos Aires. Ein amerikanischer Doktorand folgt den Spuren eines legendären Tangosängers, der unvermittelt an Straßenecken auftaucht und singt, schöner als jeder andere. Die Orte sind jedoch nicht zufällig, sondern Schauplätze von Ereignissen, die das Land in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten prägten - "düstere" Ereignisse zumeist. Und doch, so Haubrich, gelingt es Martinez, eine Geschichte zu schreiben, die man mit Freude liest.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.11.2005
Jürgen Berger gibt dem 1934 geborenen Tomas Eloy Martinez einen guten Rat, der allerdings zu spät kommt: Der argentinische Autor hätte sich mal entscheiden sollen, ob er nun als Romancier oder als Fremdenführer tätig werden wolle. Sein Buch um den sagenumwobenen "Tangosänger" Martel jedenfalls ist für Berger weder das eine noch das andere geworden, und da nützt es auch nichts, dass der Held, Bruno Cadogan, in einem Haus wohnt, in dem einst auch Borges seinen Schreibtisch aufgestellt hatte, dass im Keller ein Bibliothekar haust, dessen Zettelwirtschaft über Umberto Ecos Figur des Jorge von Burgos ihrerseits auf den argentinischen Artifex verweist, ja, nicht einmal die ausgewiesene labyrinthische Struktur der Erzählungen, der Stadt und der Wege des mystischen Sängers schaffen Abhilfe: "wie Fremdkörper" empfand der Rezensent sowohl das Borges-Thema als auch die zeitgeschichtlichen Bezüge auf Argentiniens Geschichte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.07.2005
Man kann Tomas Eloy Martinez' literarische Artistik "bravourös" nennen, meint Eberhard Falcke. Wie der Autor triviale Populärmythen, den Tango und die Schattenseiten der argentinischen Geschichte im "Tangosänger" miteinander verschmilzt - das nötigt Falcke Respekt ab. Es sei Martinez wieder ein "vielschichtiger, ambitionierter Roman" gelungen. Die Geschichte dreht sich um einen schwerkranken, dunkel legendären Tangosänger, eine Gegenfigur zum legendären Tangostrahlemann Carlos Gardel. Der Gegen-Gardel taucht stets an jenen Orten auf, aus dem Dunkel der Nacht, an denen die "düstere Gegengeschichte" Argentiniens, sei's der Völkermord an den Indios, sei's das Walten der Militärjunta, ihre Höhepunkte erlebt hat. Gestört haben das Lesevergnügen des Rezensenten lediglich die aufdringlichen Borges-Bezüge: diese seien "ein etwas schlapper Literatenhut". Aber Falcke bleibt gnädig; er rechnet diese intertextuelle Überambitioniertheit Martinez' Geschäftstüchtigkeit zu. Immerhin ist auch Borges ein durchaus populärer Mythos, der zum Verkaufserfolg nicht minder als der Tango beizutragen vermag.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2005
Etwas Überraschendes werden Buenos-Aires-Kenner in Tomas Eloy Martinez' aktuellem Buch nicht finden, warnt Rezensent Leopold Federmair. Der Roman, in dessen Mittelpunkt der Tangosänger Julio Martel steht, komme eher wie ein "fiktional verbrämtes Buch" für Touristen daher. Ursache dafür ist nach Ansicht des Rezenten, dass es Martinez nicht um seine Figuren gehe: Diese dienen eher dazu, die "vorgefasste Idee eines Buenos-Aires-Romans zu illustrieren" und würden dementsprechend "lieblos" behandelt. So erfahre der Leser beispielsweise über den Protagonisten, der tatsächlich in Argentinien lebte, nicht mehr, als dass er Tangosänger war. Andere Figuren ließe Martinez einfach "verschwinden oder sterben". Und auch wenn das Buch "leicht lesbar" und mitunter sogar "vergnüglich" sei, so fehle ihm doch jeder "existenzielle Bezug". Der Leser jedenfalls dürfe sich - so meint der Kritiker - von diesem Roman nicht mehr erwarten als das "Aha des Wiedererkennens" mancher Orte und Personen.
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