Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Italienischen übersetzt von Hellmut Ludwig. Mit einem Nachwort von Lothar Müller und einer Zeittafel von Ralph Jentsch. Curzio Malaparte, 1898 als Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter geboren, war eine der schillerndsten Gestalten seiner Zeit. Ein Pendler zwischen Futurismus und Faschismus, Kommunismus und Katholizismus, Salons und Schlachtfeldern. Aus den Reportagen, die er im Zweiten Weltkrieg von den Fronten für den "Corriere della Sera" schrieb, entstand 1944 der Roman "Kaputt", der in der Nachkriegszeit zu einem enormen Erfolg und gleichzeitig zu einem großen Skandal wurde. "Kaputt" ist eines der großen Antikriegsbücher des 20. Jahrhunderts, ein monströses Panorama über die Welt der Pogrome und Partisanenkämpfe von Finnland bis zum Balkan.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.08.2005
Klaus Harpprecht liest nach einem halben Jahrhundert Curzio Malapartes "Kaputt" aus dem Jahre 1944 wieder. Und? Damals empfand er Grauen, Bewunderung, Ekel und "mäßiges Amüsement"; heute ist davon nichts als Zorn geblieben. Er stampft Malaparte geradezu ein, diesen Snob, diesen Hochstapler, der sich der Bekanntschaft aller gekrönten Häupter seiner Zeit rühmte, ohne dabei hohe Nazischergen auszunehmen; Es wäre ja möglich, räumt er ein, aus all diesem abgeschmackten Zeug, diesem ständigen Wechsel des ästhetisch Sanften mit dem frontschweinlerisch Derben, mit dieser "unbekümmerten Mixtur von Reportage, Essay und Fiktion", die "Kaputt" darstellt, Kunst zu schaffen - natürlich. Statt dessen aber komme bei Malaparte das Erbärmlichste heraus: Kitsch. Und damit stellt dieses sich im Grausigsten gefallende Machwerk nichts anderes dar als eine einzige "Respektlosigkeit vor den Opfern" der Gräueltaten der Nazis: "Grenzen- und ruchlose Verkitschtheit"! Nur zwei Momente der Neuausgabe finden Gnade vor Harpprechts zornfunkelnden Augen: Da ist zum einen Lothar Müllers Nachwort mit seinen "tausend köstlichen Informationen". Und zum anderen gibt es diese eine kluge Einsicht, die Malaparte, wie Harpprecht meint, eher unterläuft denn gelingt: dass nämlich "der Terror des Nazismus seine Wurzel in der Angst hatte".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2005
Trotz Curzio Malapartes weltanschaulicher Ambivalenz und trotz seines eitlen Sensationalismus: "Die Wiederentdeckung", schreibt Maike Albath, "lohnt sich". "Kaputt" erschien zuerst 1952 in deutscher Übersetzung, war aber lange vergriffen, und liegt jetzt ergänzt um ein laut Rezensentin "sehr informatives" Nachwort wieder vor. Malaparte, erfährt man, war ein launischer und elitärer Dandy, der einerseits die Größen des (italienischen) Faschismus publizistisch entlarvte, andererseits bei ihnen ein und aus ging und ein Günstling von Mussolinis Schwiegersohn war. Das vorliegende Buch ist eigentlich eine Verdichtung von Kriegsreportagen, die Malaparte von 1940 bis 1942 für eine Zeitung verfasste; die Prosa ist ebenso kritisch wie drastisch ästhetisierend - ein "schrilles Kriegsgemälde", das sich ganz auf die Wirkung grauenhafter Gegensätze verlässt: So wird ein "stilvolles Diner in den Gemächern des Generalgouverneurs von Polen" mit der Beschreibung eines Pogroms durchsetzt, "die der Held und Ich-Erzähler beim Gänsebraten zum Besten gibt". Fazit: "Malapartes Montagetechnik, seine Neigung zur Kolportage, der kalte Realismus und seine Schockästhetik mögen effekthascherisch sein. Aber sie bringen das Ausmaß der Verheerungen und die monströse Psyche der deutschen Machthaber zum Ausdruck."
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.04.2005
Rätselhafte Neuauflage des schlechten Buchs eines Faschisten, der sich reinwaschen wollte, als der Ausgang des Zweiten Weltkriegs schon absehbar war: Yaak Karsunke charakterisiert das Buch von Curzio Malaparte als "Rechtfertigungsschrift eines Mitläufers" und fragt sich, was den Verlag bewegt hat, es, versehen mit einem "weitgehend apologetischen Nachwort", neu herauszubringen. Es gibt nichts zu entschuldigen, findet Karsunke. Malaparte war einer der ersten, die in Mussolinis Partei eintraten und blieb während dessen Herrschaft ein Günstling der Mächtigen, wenn er auch gelegentlich von ihnen in seine Schranken gewiesen wurde. Und was hier als Roman durchgehen soll, sind zusammengepappte Kriegsreportagen, die sich kaum um Genauigkeit scheren, dafür aber immer ein und dieselbe Hauptfigur haben: Curzio Malaparte, wie er sich provokativ den Nazi-Größen entgegenstellt. Nur, dass zum Zeitpunkt der Niederschrift der Sieg der Achsenmächte schon mit Händen zu greifen war und Malaparte gleichzeitig andere Herrscher hochleben lässt, um sich seine Zukunft zu sichern. Und der Stil? "Imponier-Ästhetizismus", schreibt Karsunke: "Unfähig, wirklich treffende Bilder und Wendungen zu finden, stopft Malaparte seine Sätze mit schmückenden Beiwörtern aus, bis sie den von Nippes überquellenden Salons des späten 19. Jahrhunderts gleichen." Und so spaziert er dann auch hochtrabend durchs Warschauer Ghetto, an seiner Seite einen SS-Mann. Fazit: "Kaputt ist ein eitles, geschwätziges Buch, das den Rassismus und Zynismus seines Verfassers nur unvollkommen mit Klatsch, Anekdoten und detailliert ausgemalten Kriegsgräueln kaschiert."
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








