Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Michèle Desbordes Erzählung "Die Bitte" wurde in Frankreich nicht nur für den "Prix Goncourt" 2000 nominiert, sondern erhielt kurz danach auch den "Prix France Télevision" und den Prix "Jean Giono". Erzählt wird eine einfache Geschichte. Ein berühmter italienischer Renaissance-Maler und Architekt verläßt am Ende seines Lebens Italien und reist - wie Leonardo da Vinci - zusamen mit einigen Schülern über die Alpen nach Frankreich. Er ist vom König engeladen worden und soll ein Schloß bauen. Am Ziel angekommen, gibt man ihm eine Dienerin, die für die Fremden aus Italien sorgt. Die wortlose, aber um so intensivere Beziehung zwischen dieser einfache, rätselhaften Frau, die den Haushalt führt, und dem Meister, ihrem Herrn, der sich neben seinen Bauplänen mit anatomischen Zeichnungen beschäftigt, steht im Mittelpunkt der Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2000
Nicht heftig, sondern eher ermattet durch die Lektüre verreißt Martin Krumbholz die in der Zeit der Renaissance angesiedelte Erzählung der Französin Michèle Desbordes. Realistische Details, gut recherchiert, ergeben dennoch nur einen "pittoresken Rahmen", in dem sich laut Krumbholz die namenlos bleibenden Protagonisten ohne Dynamik und ausgeprägtes Profil bewegen. Gerade die karg gebaute Geschichte steht für Krumbholz in sonderbaren Gegensatz zu der Wortflut, die sich über den Leser ergießt und die ihn in der Anhäufung und Aneinanderreihung von Kommata und Personalpronomen schlicht genervt hat. Ein Beispiel beredter "Gelehrsamkeit" der Autorin, einer hauptberuflichen Universitätsbibliothekarin, das die Phantasie des Lesers und Rezensenten mit Missachtung straft.
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