Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Frau Leites kocht Holunderblütensaft in leere Kornflaschen ein, und die Jugend verblüht am Glascontainer, während auf der Pappelkoppel die Drillmaschine aufsetzt und der Edeka-Laster auf dem Buswendeplatz hupt. In der norddeutschen Provinz wird geliebt, geheiratet, gemordet und gestorben, und fast jeder ist schon mal über 'nen Appelkorn gestolpert. Sei es Tönnes, der zwei Meter hohe Wutausbruch, oder die weitäugige Polizistentochter, die was mit dem Reitlehrer hat.
Svenja Leibers Figuren haben den Landregen im Gemüt. Da verliebt sich Heide Raschpichler in Hans Daleckie, nur weil ihr zu ihm kein passendes Tier einfällt, und die Spätaussiedlerin Greta bewirtet die Landfrauen mit Haribo und Daim, bevor sie dem Großbauern einen Korb gibt. "Büchsenlicht" ist ein Kanon, ein verregnetes Lied aus dem Norden. Hier, wo die Menschen mit Treckerreifenhaut ihre Wurzeln geschlagen haben, drohen andere auf den morastigen Äckern ins Bodenlose zu versinken. Landidyll oder Lebensknast, das müssen Einheimische wie Zugereiste für sich entscheiden - und Jammern gilt nicht.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2005
Mit Befriedigung hat Christoph Bartmann in Svenja Leibers Erzählungsband "Büchsenlicht" Neuigkeiten aus der Dorfhölle vernommen. Gibt's so etwas wirklich noch? Bartmann mochte gar nicht daran glauben, dass in der Postmoderne solche Jagdszenen aus Norddeutschland noch möglich sind. Aber die Autorin hat ihn mit ihrer Erzählkunst davon überzeugt. Uralte, märchenhaft-mythologische ländliche Schrecken hat sie dem Rezensenten ausgemalt, die zuweilen in Brandstiftung und Totschlag kulminieren. Weniger die manifeste Gewalt sei es allerdings, die den Leser gruseln macht, befindet der Rezensent; am wirkungsvollsten kommt der Horror dann zur Geltung, wenn die Autorin die subtilen Schrecken des Landlebens schildert, denn, so Bartmann: "Die Wirklichkeit auf dem Lande ist so schon schlimm genug." Nachdrücklich lobt der Rezensent die Sprache der 30-jährigen, in Berlin ansässigen, jedoch in Lübeck geborenen Debütantin: diese sei "nicht lakonisch, sondern lyrisch. Nicht aussparend, sondern blühend", was Bartmann als eindeutigen Gewinn verbucht.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.07.2005
Friedhelm Rathjen bejubelt eine Meisterleistung der sprachlichen Ausformung von Wirklichkeit: Svenja Leiber, schwärmt er, benutzt Worte und Wendungen, die nicht so recht zu passen scheinen, die sich der Eleganz verweigern, manchmal klotzig und sperrig im Lesefluss liegen, doch genau dadurch das Wesen des Landlebens, dass hier literarisch erschaffen wird, ganz genau ausarbeiten. Sie fängt es, so Rathjen, mit einer "raffiniert ungekünstelten und ungelenken Sprache ein, die so direkt ist wie das Beil, das ein jähzorniger Familienvater in den Küchentisch haut". Oft braucht sie dazu nicht einmal Verben, genügen ihr schroffe "Setzungen", um eine Szenerie zu gestalten und den Leser mitten hinein zu stellen, um ihm dann ihre "scharfe", zielgenaue Prosa zu servieren.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2005
Mit einem Stoßseufzer der Erleichterung beginnt Rainer Moritz seine Rezension: Es gibt sie also noch, die zwischen den Latte-Macchiato-Großstadtromanen deutscher JungautorInnen fast schon verschwundene Literatur aus der deutschen Provinz. Und bei Svenja Leibers Band mit Erzählungen, die Titel wie "Eckeneckepen" oder "Pappelblühen" tragen, handelt es sich seiner Ansicht nach um ein sehr gelungenes Exemplar dieser traditionsreichen Form von "Antiheimatliteratur". Trostlos und finster geht es zu: Der Bräutigam ist besoffen, der Vater prügelt, die Jugend ist zu Tode gelangweilt. Aufs Klischee aber verfällt die Autorin, lobt Moritz, kaum einmal, denn das "Sprachniveau" bleibt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hoch. Kurzum: eine "schmale, eindringliche Erzählsammlung".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005
Die meisten Jungschriftsteller pflegen derzeit die modische Lakonie des Ausdrucks, meist aus Angst, etwas falsch zu machen, meint Rezensent Jan Brandt. Bei Svenja Leiber jedoch sei das anders. Nicht nur, dass ihre Lakonie einen eiskalt erwische, ihre Worte seien wie "Widerhaken", schön und gemein, und ihre Sätze klingen, "als habe jemand gerade eine Weide mit Pflöcken abgesteckt", will heißen "jedes Wort scheint in den Boden gerammt zu sein". Doch da Leibers Geschichten in Norddeutschland spielen, antworte die Form gewissermaßen dem Inhalt. Dort werde eben wenig geredet, was zur "radikalen Verknappung" nötige. Und so kann der Rezensent beim besten Willen "kein Wort zuviel" in diesen "verdichteten", "auf das Wesentliche reduzierten" Geschichten finden. Genauso knapp, so der Rezensent, ist das Leben in der beschriebenen Provinz, denn "die Provinz ist tot" und ihre Bewohner verunsichert und verfremdet. Das titelgebende Büchsenlicht, das in der Jägersprache das Licht bezeichnet, "das ausreicht, einen treffsicheren Schuss anzubringen". Leiber, schließt der Rezensent, schießt und tötet nicht, doch "sie trifft mit ihrer direkten und poetischen Sprache mitten ins Herz".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







