Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2004
Recht wohlwollend bespricht Wolfgang Schneider sowohl Karl May im Allgemeinen, den "Schatz im Silbersee" im Besonderen und schließlich den Sprecher dieser 1991 entstandenen Lesung von Gert Westphal. Das exzentrische Personal des Buches geben Westphal ein "ideales Drehbuch für sein manchmal polterndes Sprechtheater" ab. Old Shatterhand werde von ihm mit einem "sonoren Organ" ausgestattet, während Winnetou einen "honigmilden Tonfall" bekommt oder ein tumber Farmer gesprochen wird, als hätte er einen "sperrigen Bissen" zwischen den Zähnen. Am besten gefällt Schneider aber Westphals "Paraderolle", die Tante Droll mit ihrer "sächselnden Fistelstimme", wo Westphal "quietschend und piepsend zum Äußersten" geht. "Löblich" findet der Rezensent außerdem, dass diese Hörbuchversion auf der historisch-kritischen Ausgabe aufbaut, die etwa Karl Mays christlichen Grundlagen wieder ihren prominenten Platz einräumt. Schneider hat den "oft unterschätzten Autor" mit Gewinn wieder gehört und besonders die Szenen zwischen den Abenteuern als lesenswert entdeckt, die er als Kind eher überblättert hatte.
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