Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Ungarischen von Susanna Großmann-Vendrey. "Im Grunde fangen alle Geschichten damit an, dass ich in Budapest geboren bin" - so beginnt Janos Batky - Doktor der Philosophie - mit besonderem Interesse für die englischen Mystiker des 17. Jahrhunderts und überhaupt sehr in alles Englische verliebt, seine außerordentlich "gespensterhafte Geschichte voller unerklärlicher Abenteuer". Die wiederum beginnt mit einer Abendgesellschaft in London, auf der ihm Owen Pendragon, der derzeitige Earl of Gwynned, vorgestellt wird, über den man sich allerlei Wundersames erzählt - so unter anderem, dass er auf seinem walisischen Schloss in einem geheimen Labor Versuche mit merkwürdigen Tieren betreibe, um, getreu dem Pendragonschen Familienmotto "Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches", dem ewigen Leben auf die Spur zu kommen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2005
Rezensentin Verena Auffermann freut sich über die Schmökerqualitäten dieses Erstlings des 1945 von den Nazis ermordeten ungarischen Schriftstellers, obwohl sie die "schwärmerische Ehrfurcht", die György Poszler in seinem Nachwort an den Tag legt, doch etwas übertrieben findet. Doch gelungen ist das "kolportagehafte Spukmärchen" ihrer Meinung nach. Man merkt dem Autor an, dass er viel Zeit in Bibliotheken verbracht hat und aus Versatzstücken anderer Bücher etwas neues geschaffen hat. Auffermanns Meinung nach ist Antal Szerb "ein ungarischer Umberto Eco, nur romantischer". Allzu "große Ansprüche an Form und Stil" sollte man zwar nicht haben, aber unterhaltsam ist diese Lektüre auf jeden Fall.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2005
Wirkliche Begeisterung für diesen wiederentdeckten Roman des 1945 von den Nazis umgebrachten ungarischen Schriftstellers Antal Szerb kommt bei Rezensent Hans Christian Kosler nicht auf. Zunächst einmal geht Kosler mit der bei ungarischen Autoren angeblich verbreiteten Unart ins Gericht, ihre Kollegen über den grünen Klee zu loben. Er nennt da etwa Imre Kertesz, der Gyula Krudy mit keinem Geringeren als Proust verglich. Im Blick auf Szerb hält Kosler allerdings fest, dass nicht jeder ungarische Schriftsteller, der als Genie gehandelt wird, auch wirklich eines sei. Genial findet er dessen Roman "Die Pendragon-Legende" jedenfalls eher nicht, auch wenn er ihn als "postmodernen Roman avant la lettre" bezeichnet, da Szerb darin mit Elementen des englischen Schauer- und Kriminalromans spiele. Szerb ist nach Einschätzung Koslers kein "genuiner Erzähler". Entsprechend schwer falle es ihm, den Leser in puncto Spannung bei der Stange zu halten. "Der salopp dahinplaudernde Ich-Erzähler, unschwer als ein Alter Ego des Autors zu erkennen", kritisiert Kosler sodann, "gefällt sich als geistreicher Schwadroneur, der den Leser mit Leben aus zweiter Hand versorgt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2004
Lange verstorbene ungarische Schriftsteller erfreuen sich derzeit hoher Beliebtheit, vor allem bei den Verlagen, die keine Honorare mehr zahlen müssen und die sich die Übersetzungen aus den Fördertöpfen für "kleine Sprachen" finanzieren lassn können, bemerkt Rezensent Kolja Mensing spitz zu Beginn seiner Besprechung. Ihm will es recht sein, bringt diese "subventionierten Wiederentdeckung" doch ganz wunderbare Werke von Dezsö Kosztolanyi, Sandor Marai oder eben Antal Szerb hervor. Im Falle des vorliegenden Romans "Die Pendragon-Legende" ist der Rezensent jedoch reichlich enttäuscht. Weder hat er hier die elegante Figurenzeichnung noch die "berückende Mischung aus bürgerlichem Selbstzweifel, italienischer Landschaft und alteuropäischer Melancholie" gefunden, die Szerbs "Reise im Mondlicht" auszeichnete. Stattdessen vermischen sich in dieser Schauergeschichte einige verbürgte Fakten um die Rosenkreuzer mit allerlei Spuk und einer tragischen Liebesgeschichte zu einer esoterischen Räuberpistole, winkt der enttäuschteRezensent ab.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.12.2004
Gerrit Bartels weiß nicht so recht. Einerseits findet er "Die Pendragon-Legende" "schön leicht und flüssig" und mit jeder Menge Witz erzählt. Andererseits kommt die Erzählung nicht so richtig zu sich selbst. "Detektiv-, Grusel-, Liebes- und Kolportageroman" - mit allen Genres wird gespielt, doch keines wird tatsächlich genutzt, ganz so, meint Bartels, als habe der Autor seinen eigenen Talenten nicht getraut. So bleibe von der Geschichte des Philologen Janos Batky, der eine Vorliebe für abseitige Interessensgebiete pflegt und deshalb in seinem Element ist, als er das Familiengeheimnis der englischen Adelsclans der Pendragons lüften soll, das "Gefühl einer irrlichternden Unernsthaftigkeit". Fazit: eine "intellektuelle Spielerei", aber auch ein " sehnsüchtig-nostalgischer" Roman.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004
Antal Szerbs eleganter, oft wunderbar komischer, im Kern nostalgischer und antimodernistischer Roman hat Ulrich Baron nicht richtig glücklich, aber auch nicht unglücklich gemacht. "Die Pendragon-Legende", so Baron, handelt von dem Privatgelehrten Janos Batky, der Bekanntschaft mit den geheimnisvollen Mitgliedern der Familie Pendragon macht. Owen Pendragon, Earl of Gwynnedd, experimentiere auf seinem Waliser Stammsitz mit dem Querzahnmolch Axolotl und glaube an die Auferstehung des Fleisches. Ehe er sich versieht, stecke Batky mitten in einer Verschwörung, in deren Zentrum ein Milliardenvermögen und dessen schöne, skrupellose Erbin stehen. Szerb habe dieses Buch bereits 1934 geschrieben, zuvor aber auch eine Literaturgeschichte herausgegeben. Ist er nun Schriftsteller oder Wissenschaftler, fragt sich der Kritiker, der keine Antwort zu geben vermag. Unentschieden scheint auch das Buch "Die Pendragon-Legende", das Elemente der Kriminal- und Gespenstergeschichte, des Liebes- und Kolportageromans beinhaltet, insofern als es ein Doppelspiel zwischen Nostalgie und Ironie treibe. Die Geister von Ironie, Satire und Klischee drohen alles im Roman in Salongewäsch zu verwandeln, moniert Ulrich Baron, der den Roman dennoch mit einigem Vergnügen gelesen hat. Szerb, mutmaßt der Rezensent, ist ein Autor, der sich in seinem Roman selbst nicht richtig zu Hause fühlt.
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