Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Tankred Dorst

Der schöne Ort

Erzählung

Cover: Der schöne Ort

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN-10 3518416359
ISBN-13 9783518416358
Gebunden, 105 Seiten, 16,80 EUR

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Klappentext

Ein kleines Mädchen, Lilly, bricht nach Spanien auf, um ihren Vater zu suchen, der, so meint sie, dort König ist. In ihrem kindlichen Wahn begeht sie ein Verbrechen. Robins schöner Ort liegt anderswo, er springt mit seiner Freundin vom Hochhaus,während Bissmeier, bisher ein erfolgreicher Jurist, sich von allen Bindungen lossagt und ein Attentat plant, als Warnung vor der kommenden Finsternis der Welt. Und Lisa, die immer nur die Romane anderer vom Tonband ins reine schreibt, schlüpft in ein fremdes Leben und öffnet damit dem Verhängnis die Tür.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2004

Tankred Dorst macht es seinen Lesern nicht leicht, findet Martin Krumbholz, weil er harte, fast filmische Schnitte und viele Leerstellen setze, so dass die Übergänge äußerst schroff wirkten und das Konkretionsvermögen der Leser auf die Probe gestellt würde. Wer aber nicht nur an einer glatten Geschichte interessiert sei, der wird bei Dorst fündig, meint Krumbholz. Die Erzählung führt die unterschiedlichsten Handlungsstränge zusammen, doch je auffälliger oder seltsamer die berichteten Begebenheiten seien, desto kleiner werden sie gehalten oder in einen märchenhaften Kontext gebannt - für Krumbholz ein seltsamer Kontrast beziehungsweise eine "Übung in Lakonie". "Der schöne Ort" ist äußerst vielgestaltig, erklärt der Rezensent, er sei und bleibe eine Projektion, die sofort zerfalle, wenn sie sich festsetze. Was aber für den einzelnen sein schöner Ort ist, fällt individuell sehr verschieden aus: für die einen ist es schon die schöne Wohnung der Freundin, für andere der ständige Ausbruchsversuch. Dorsts Figuren sind auf Glückssuche, merkt Krumbholz an, doch sei kein Glück der Welt von Dauer, da der Mensch, das wolle uns Dorst sagen, gar nicht in der Lage sei, das Glück dauerhaft zu genießen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2004

Der Titel verheißt Sehnsucht und Enttäuschung zugleich, interpretiert Thomas Wild in Kenntnis der Erzählung, die seines Erachtens wie ein Episodenfilm aufgebaut ist und ihn an Robert Altmans "Short Cuts" erinnert. Obwohl die Szenen schnell wechselten und unterschiedliche Stimmen redeten, staunt Wild, weiß der Leser immer sofort, wer spricht. Durch den häufigen Gebrauch der wörtlichen Rede bekäme der Text außerdem etwas erstaunlich Leichtes, obwohl in den verschiedenen Handlungssträngen höchst unterschiedliche Lebensentwürfe präsentiert und auf die Spitze getrieben würden. "Der schöne Ort" steht für die Phantasie des ganz Anderen, des Glücks, des Aufstands gegen beengende Lebensumstände, festgezurrte Lebenssituationen, erklärt Wild, doch häufig seien es Missverständnisse oder eine Portion Naivität, welche die Menschen den heiß ersehnten "schönen Ort" ansteuern lassen -Ankunft nicht inbegriffen. Für Thomas Wild haben Tankred Dorst und seine Lebensgefährtin Ursula Ehler ein Buch über unsere Zeit geschrieben, das "mit aller Zartheit und Härte", formuliert Wild, der Lebensangst vieler Menschen Ausdruck verleiht.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2004

Diese Erzählung, in der Tankred Dorst verschiedene scheiternde Lebensentwürfe miteinander verknüpft - jeder Protagonist hat eine "eigene Glücksuchergeschichte und ein eigenes Verhängnis" -, bringt den Rezensenten Arnd Rühle ins Schwärmen. Die verschiedenen Geschichten, die der Autor streift "vereinen sich zu einer vielstimmigen Klage über ein Dasein, das seinen Sinn nicht preisgibt". Rühle bringt ein paar Beispiele, um diesen speziellen Seinszustand und das Gefühl, das Dorsts Geschichten ausmacht, zu illustrieren. Er ist begeistert von Dorsts Beobachtungsgabe, die er in seiner Erzählung elegant verdichtet. Nach Meinung des Rezensenten ist dieses Buch nicht weniger als die "hochkonzentrierte Lebenserfahrung eines weltmeisterlichen Menschenbeobachters". Ihm gelingt er, etwas Allgemeingültiges, was über die subjektive Erfahrung hinausgeht, zu destillieren: "Und alle zusammen verbinden sich zu einem faszinierenden Bericht vom Zustand unseres Gemeinwesens; Angst machend und komisch, dämonisch und herzbewegend."

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