Die illustren Philosophen im Disput über eine der großen Fragen der Aufklärung: Sind die Unterschiede zwischen den Menschen naturgegeben, oder werden sie durch Erziehung, Umstände und Zufälle hervorgebracht, wie C. A. Helvetius in seiner Schrift Vom Menschen, seinen geistigen Fähigkeiten und seiner Erziehung behauptet? Enzensberger hat diesen seither immer wieder neu aufflammenden Streit nicht in einem monologischen Traktat, sondern - ganz im Geist Diderots - in einem höchst kurzweiligen Dialog zwischen diesen beiden Gelehrten gefaßt, die sich, könnte man vermuten, in dieser Frage nicht allzu fernstanden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.11.2004
Enzensberger-Dialoge haben gerade Konjunktur, schließlich feiert der Dichter am 11.11. seinen 75. Geburtstag, eine Gelegenheit, Enzensberger-Dialoge aus alten Zeiten hervorzukramen und neu herauszugeben (siehe "Dialoge zwischen Unsterblichen" bei Suhrkamp) . Die kleine Friedenauer Presse verfügt aber über ein druckfrisches neues Philosophengespräch, das die Pädagogik zum Thema hat und das Enzensberger aus unterschiedlichsten Quellen kompiliert hat, wie Rezensent Martin Krumbholz berichtet. Vorrangig beteiligt sind der Verfasser einer Broschüre zum Thema Erziehung im 18. Jahrhundert namens Helvetius sowie Enzensbergers Lieblings-Aufklärer Denis Diderot, der seinerzeit gegen Helvetius Dressurmaßnahmen am Kinde polemisiert hatte. Gegen Helvetius Rationalitätsvorstellungen setze Diderot die Natur, die durchaus nicht gleichbedeutend mit Unvernunft sei, erläutert Krumbholz. Diderots Welt- und Menschenbild sei alles andere als simpel oder eindimensional und insofern sei dieser Expertenstreit "ein rechtes Kleinod", das man in Champagnerlaune genießen sollte.
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