Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Colum McCann

Hungerstreik

Zwei Seestücke

Cover: Hungerstreik

Marebuchverlag, Hamburg 2004
ISBN-10 3936384177
ISBN-13 9783936384178
Gebunden, 115 Seiten, 18,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Irischen von Dirk van Gunsteren. Colum McCann wollte seine Geschichte mit dem Meer schreiben, doch das Blatt vor ihm blieb weiß, so oft er es auch versuchte. Bis er eines Tages begriff, dass er sie bereits geschrieben hatte. Der Schlüssel zu der Geschichte, die er nie aufschreiben konnte, liegt in einer anderen Geschichte verborgen. Dieses Buch erzählt sie beide.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2005

Als Meisterstück über die Fronten hinter der Front, Leben und Überleben zwischen Feindbildern und Friedensfantasien lobt Rezensentin Alexandra Kedves dieses "private Kammerspiel über einen Halbstarken und seine Mama im Wohnwagen". In dieser autobiografischen "Meeresnovelle" des in New York lebenden irischen Autors, die den Informationen der Rezensentin zufolge 1981 vor dem Hintergrund des eskalierenden nordirischen Bürgerkrieges spielt, gebe es kein Seemannsgarn und keine Sentimentalitäten, sondern "nur den harten Sound einer harten Zeit". Schnörkellos, streng und klug protokolliere McCann das Leben seiner Protagonisten. Nur an ganz wenigen Stelle bemängelt die Rezensentin das Einschleichen eines weichen, gar verweichlichten Tones: "da, wo der genuine Erzähler McCann sich selber erklärt" und zu diesem Zweck sogar im Saint-Exupery-Zitatenfundus kramt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.12.2004

Mit einem vorweihnachtlichen "Geschenk der Schlichtheit" wurde Sebastian Handke bedacht: Colum McCanns"zwei Seestücke", die eigentlich keine zwei sind. Denn das neue Bändchen aus der Marebibliothek besteht nur aus der Novelle "Hungerstreik" und einer dazugehörigen Einführung. Das Seestück mit Einführung handelt von einem irischen Jungen, der es Anfang der 80er Jahre seinem in Belfast inhaftierten Onkel gleichtut und in den Hungerstreik tritt. In der abgeschiedenen und rauen westirischen Idylle, wohin er aus Sicherheitsgründen von seiner Mutter gebracht wurde, imaginiert sich der verwirrte Junge als Freiheitskämpfer für den irischen Freistaat. Der Autor habe mit "Hungerstreik" eine Geschichte vom Erwachsenwerden verknüpft "mit einer Schilderung von den Auswirkungen, die politischer Fanatismus selbst aus der Ferne noch auf das Leben eines Menschen haben kann". Die asketische Art und Weise, wie McCann das bewerkstelligt hat, verdient den vollen Respekt des Kritikers. Mit bewundernswerter Präzision schreibe der Autor so einfach wie effektiv - "mehr kann man mit weniger nicht machen".

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Yaak Karsunke hat einen kleinen Text gelesen, in dem große Kunst aufgehoben ist: Mit einer scheinbar ganz einfachen erzählerischen Anordnung und nur fünf Figuren erzählt Colum McCann von politischem Extremismus und was er mit den Menschen macht - und das ganz ohne Didaktik, so unser Rezensent. Ein 13-jähriger nordirischer Junge, der seinen Onkel bewundert, der wegen IRA-Aktivitäten im Gefängnis sitzt, die Mutter des Jungen, zwei alte litauische Emigranten - das und weniger als hundert Seiten genügen, so Karsunke, um eine komplexe Wirklichkeit zu entwerfen. Natürlich nur, wenn man das kompositorische Geschick und das sprachliche Vermögen von McCann hat, der das Stück selber mit einem kurzen Essay einleitet. Es lohnt sich, auch diesen Text zu lesen, meint Karsunke, aber man sollte sich unbedingt zuerst den "Hungerstreik" vornehmen: "eine Geschichte, die ohne jeden Vorspruch auskommt".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Das andere Ende der LeinePatricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine
Aus dem Englischen von Gisela Rau. Dies ist eigentlich kein Buch über Hundeerziehung, sondern eines über ...

Buch: Sozialistische GesetzlichkeitMichael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit
Dieses Buch bietet eine erste Gesamtdarstellung der Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechtslehre in der DDR. ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren