Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Irischen von Dirk van Gunsteren. Colum McCann wollte seine Geschichte mit dem Meer schreiben, doch das Blatt vor ihm blieb weiß, so oft er es auch versuchte. Bis er eines Tages begriff, dass er sie bereits geschrieben hatte. Der Schlüssel zu der Geschichte, die er nie aufschreiben konnte, liegt in einer anderen Geschichte verborgen. Dieses Buch erzählt sie beide.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2005
Als Meisterstück über die Fronten hinter der Front, Leben und Überleben zwischen Feindbildern und Friedensfantasien lobt Rezensentin Alexandra Kedves dieses "private Kammerspiel über einen Halbstarken und seine Mama im Wohnwagen". In dieser autobiografischen "Meeresnovelle" des in New York lebenden irischen Autors, die den Informationen der Rezensentin zufolge 1981 vor dem Hintergrund des eskalierenden nordirischen Bürgerkrieges spielt, gebe es kein Seemannsgarn und keine Sentimentalitäten, sondern "nur den harten Sound einer harten Zeit". Schnörkellos, streng und klug protokolliere McCann das Leben seiner Protagonisten. Nur an ganz wenigen Stelle bemängelt die Rezensentin das Einschleichen eines weichen, gar verweichlichten Tones: "da, wo der genuine Erzähler McCann sich selber erklärt" und zu diesem Zweck sogar im Saint-Exupery-Zitatenfundus kramt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.12.2004
Mit einem vorweihnachtlichen "Geschenk der Schlichtheit" wurde Sebastian Handke bedacht: Colum McCanns"zwei Seestücke", die eigentlich keine zwei sind. Denn das neue Bändchen aus der Marebibliothek besteht nur aus der Novelle "Hungerstreik" und einer dazugehörigen Einführung. Das Seestück mit Einführung handelt von einem irischen Jungen, der es Anfang der 80er Jahre seinem in Belfast inhaftierten Onkel gleichtut und in den Hungerstreik tritt. In der abgeschiedenen und rauen westirischen Idylle, wohin er aus Sicherheitsgründen von seiner Mutter gebracht wurde, imaginiert sich der verwirrte Junge als Freiheitskämpfer für den irischen Freistaat. Der Autor habe mit "Hungerstreik" eine Geschichte vom Erwachsenwerden verknüpft "mit einer Schilderung von den Auswirkungen, die politischer Fanatismus selbst aus der Ferne noch auf das Leben eines Menschen haben kann". Die asketische Art und Weise, wie McCann das bewerkstelligt hat, verdient den vollen Respekt des Kritikers. Mit bewundernswerter Präzision schreibe der Autor so einfach wie effektiv - "mehr kann man mit weniger nicht machen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004
Yaak Karsunke hat einen kleinen Text gelesen, in dem große Kunst aufgehoben ist: Mit einer scheinbar ganz einfachen erzählerischen Anordnung und nur fünf Figuren erzählt Colum McCann von politischem Extremismus und was er mit den Menschen macht - und das ganz ohne Didaktik, so unser Rezensent. Ein 13-jähriger nordirischer Junge, der seinen Onkel bewundert, der wegen IRA-Aktivitäten im Gefängnis sitzt, die Mutter des Jungen, zwei alte litauische Emigranten - das und weniger als hundert Seiten genügen, so Karsunke, um eine komplexe Wirklichkeit zu entwerfen. Natürlich nur, wenn man das kompositorische Geschick und das sprachliche Vermögen von McCann hat, der das Stück selber mit einem kurzen Essay einleitet. Es lohnt sich, auch diesen Text zu lesen, meint Karsunke, aber man sollte sich unbedingt zuerst den "Hungerstreik" vornehmen: "eine Geschichte, die ohne jeden Vorspruch auskommt".
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