Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck und Hans Günter Holl. Der Westen richtet sich neu aus. Europa und die USA beobachten sich mit Misstrauen, Großbritannien sucht nach einer Sonderrolle, und noch ist überhaupt nicht absehbar, ob und wie die Europäische Union nach der Osterweiterung funktionieren wird. Und trotzdem beansprucht dieser Westen, weltweit an der Lösung politischer Konflikte mitzuwirken. Zu Recht - meint Timothy Garton Ash. Wie kein anderer ist er mit der politischen Situation in ganz Europa und in den USA vertraut. Er hat mit Bush, Blair und Schröder diskutiert, aber auch mit Bürgern aus verschiedenen westlichen Staaten, die nicht zuletzt als Wähler die weitere Entwicklung mitbestimmen werden. Ihre Sache wird es sein, dass Europa und die USA wieder einen Weg zu einer gemeinsamen Politik finden. Denn die freien Bürger des Westens sind geradezu moralisch verpflichtet, auch die Interessen jener Menschen zu vertreten, die in Unfreiheit leben. Timothy Garton Ashs neues Buch ist viel mehr als eine politische Bestandsaufnahme: es ist ein leidenschaftliches Plädoyer, die Krise als Chance zu nutzen - für eine wirklich freie Welt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2004
Angesiedelt zwischen "gutem Journalismus" und "politisch intervenierender Zeitgeschichte" sei Timothy Garton Ashs Buch über Europa, Amerika und die Krise, befindet Rezensent Herfried Münkler. Garton Ash nehme die langen Linien der europäischen Geschichte in den Blick und halte dabei den Gegensatz zwischen Frankreich und England als prägend für die europäische Geschichte der letzten tausend Jahre. Auch in jüngster Zeit liege darin das eigentliche Problem Europas. Mittlerweile habe sich die Aversion der Engländer auf ganz Europa ausgeweitet, so wie sich die Aversion der Franzosen gegen England inzwischen auf Amerika übertragen habe. Für Münkler denkbar schlechte Voraussetzungen dafür, "den europäischen Integrationskurs voranzutreiben". Wie er weiter berichtet, definiert der englisch-französische Gegensatz für Garton Ash die Rolle Deutschlands in Europa: Es habe die Position des Ausgleichenden und Balancierenden zu spielen. Im Blick auf die USA konstatiere Garton Ash einen Bedeutungsverlust Europas. Vor allem in wirtschaftlicher, aber auch in politischer Hinsicht werde der pazifische Raum für die USA an Bedeutung gewinnen, prognostiziere Garton Ash, wobei er freilich überzeugt sei, dass das alte Bündnis zwischen Westeuropäern und den Vereinigten Staaten auch in Zukunft eine Chance haben könne. Den letzten Teil des Buches, der die Chance der Krise auslotet, findet Münkler "erheblich schwächer und unpräziser" als den ersten Teil, der sich mit der Krise selbst beschäftigt. "Was man am Schluss zu lesen bekommt", so der Rezensent, "sind Garton Ashs politische Weihnachtswünsche. Die sind zwar durchaus lobenswert, aber überaus langweilig, weil sie von den meisten Lesern vermutlich geteilt werden."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Timothy Garton Ash versteht es "hervorragend zu schreiben und zu argumentieren", lobt Heinrich August Winkler in seiner eingehenden Besprechung dieses Buchs über die Krise im Verhältnis zwischen Europa und Amerika und den daraus erwachsenden Chancen. Der Autor konstatiert, dass der jüngste Irakkrieg eine "tiefe" Spaltung zwischen Amerika und Europa verursacht, gleichzeitig aber auch innerhalb Europas zu Differenzen geführt hat, fasst der Rezensent zusammen. Insbesondere die "extreme Sprunghaftigkeit" in der Haltung Deutschlands gegenüber Amerika findet Garton Ash "beunruhigend", erklärt Winkler, aber auch Amerika muss sich Kritik gefallen lassen, indem er die Umweltpolitik und die Umgehensweise mit den Entwicklungsländern in seinem Buch scharf angreift, so der Rezensent weiter. Hat ihn die Analyse der Krise durch den Autor noch überzeugt, bemängelt er den zweiten Teil des Buches, der sich mit den Chancen dieser Krise für den Westen befasst, als weit "schwächer". Hier scheint ihm der Begriff "Westen", wie Garton Ash ihn verwendet, "eigentümlich konturlos", und er vermerkt eine "Abneigung des Autors, den Westen historisch und geografisch genauer einzugrenzen", was Winkler zwar "politisch" nachvollziehbar, "intellektuell" aber nicht überzeugend findet. Insgesamt ist der Band dennoch eine "brillante Leistung", weil er insbesondere das Verhältnis zwischen Europa und Amerika seit dem 11. September verständlich macht, lobt der Rezensent. Er ist davon überzeugt, dass Garton Ash damit einer weiteren "Entfremdung" zwischen Amerika und Europa "entgegenwirken" kann und bekräftigt, dass das Buch "zur rechten Zeit" erscheint.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2004
Martin Hartmann bespricht dieses Buch von Timothy Garten Ash zusammen mit Jeremy Rifkins "Der europäische Traum. Die Vision einer leisen Supermacht" - als zwei Beiträge zu dem "Riss", der zunehmend durch die transatlantischen Beziehungen gehe. An beiden Büchern hat der Rezensent viel auszusetzen, doch Ash kommt immerhin um einiges besser weg. Während Rifkin eine holzschnittartige Gegenüberstellung von Schwächen der USA und Stärken Europas betreibe, gehe es Ash hier immerhin um den Kampf gegen "vereinfachende Generalisierungen" - und die Suche nach Gemeinsamkeiten. Doch am Ende wiederhole Ash im Grunde nur, auf anderer Ebene, was Hartmann auch an Rifkin missfällt. Wie diesem bescheinigt der Rezensent auch Ash zwar durchaus ein Gespür für die "Fallen des Nationalismus, in die auch ein vermeintlich postnationales Denken hineinlaufen kann". Beide Bücher würden dann aber doch in eine solche gehen: Während Rifkin "Europa" empfehle, sich der ganzen Welt als Modell aufzudrängen, empfehle Ash im Grunde nichts anderes - nur empfehle er es eben "dem Westen".
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