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Alexander von Humboldt
Ansichten der Natur
Klappentext
Humboldts Lieblingsbuch und zugleich sein bisher erfolgreichstes: Mit den 1808 erstmals erschienenen "Ansichten der Natur" liefert Humboldt den Beweis, dass sinnliche Erfahrung der Natur und wissenschaftliche Erkenntnis kein Widerspruch sein muss. Sein Überblick der Natur im großen reicht von den Steppen und Wüsten über die Wasserfälle des Orinoco und den Bau der Vulkane bis hin zum nächtlichen Tierleben im Urwald.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.09.2004
Hanns Zischler sieht Hans Magnus Enzensberger und seine Mitarbeiter von der Anderen Bibliothek entschlossen ausschreiten wie einst Alexander von Humboldt, unerschrocken Kurs nehmend auf die Ideale der Bildung und voller Vertrauen, dass es ihn noch gibt, dass er nur schlummert und erweckt werden kann - jener "höhere Leser", wie ihn Rudolf Borchardt beschrieb: "Die Welt geht in ihn ein, indes er in die Welt aufgeht." Denn eines solchen bedürfe es zur Lektüre des "hoch zerklüfteten Werkes", dem Ergebnis von Humboldts so hehrer wie maßloser Ambition, die "ganze materielle Welt" nebst jeder wichtigen Idee, "die irgendwo aufglimmt", in einem großen Werk darzustellen, "das zugleich in lebendiger Sprache anregt und das Gemüth ergötzt". Das Wissen der Welt, das Humboldt mit Hilfe von Mitarbeitern in ganz Europa kompilierte und, befeuert vom sozialen Ideal der wissenschaftlichen Bildung im Deutschland der Restauration, in 61 Vorträgen unter das interessierte Volk brachte. Warum aber soll man Humboldt heute lesen? Weil er, so Zischler, Vertreter einer naturwissenschaftlichen Prosa ist, wie sie nicht mehr existiert: einer Sprache, die dazu einlädt, "die Welt aus ihren Entwürfen zu begreifen". Zischler, voller Bewunderung für den Mut, das Monumentalwerk in seiner ursprünglichen und vollständigen Form wieder zugänglich zu machen, freut sich zudem über die Beigabe des "Physikalischen Atlas zum Kosmos" von Heinrich Berghaus, der auch seinerzeit zur Mitherausgabe eingeplant war und im besonderen Maße die wissenschaftliche Innovation des Autors akzentuiere.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2004
Alexander von Humboldts "Kosmos" stand zwar im 19. Jahrhundert ebenso im Bücherschrank des Bildungsbürgers wie Gustav Schwabs "Sagen des klassischen Altertums", behauptet Magnus Schlette, aber dennoch habe er als "nur" Forscher immer im Schatten der großen deutschen Dichter und Denker gestanden. Dabei hat Goethe den Weltreisenden sehr geschätzt, hat Schlette in Erfahrung gebracht, denn beide hätten der Empirie gegenüber der Spekulation den Vorzug gegeben. Außerdem lesen sich Humboldts Reisebeschreibungen mindestens ebenso spannend wie Alexandre Dumas' oder Louis Stevensons Abenteuerromane. Alexander von Humboldt war der Typus des Universalgelehrten, erklärt Schlette, er war Zoologe, Botaniker, Astrononom, Geologe, Ethnologe, Sprachforscher, Geograph - alles in einem. Schlette weist darauf hin, dass Forschung damals noch vollen körperlichen Einsatz bedeutete. Erstaunlich sei der "Furor des Messens", äußert Schlette verwundert, mit dem Humboldt auf die Welt losgegangen sei: offensichtlich hatte er seine Reisebegleiter damit genervt, dass er jede Meeresströmung, jeden Windstoß, jeden Niederschlag genauer be- und nachrechnete als die Seeleute etwa. Leider mäandern auch diese Messungen und ihre Auswertungen durch den Text beziehungsweise Fußnotenapparat, schreibt Schlette. Andererseits symbolisiere ihr Stellenwert, den sie für Humboldt ganz offensichtlich gehabt hätten, auch deutlich, dass der Forscher an der Schwelle von einer ästhetisch inspirierten Naturphilosophie zur modernen Naturwissenschaft stand und diesen Übergang in einer Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften forciert vorantrieb.
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