Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Gilles Kepel

Die neuen Kreuzzüge

Die arabische Welt und die Zukunft des Westens

Cover: Die neuen Kreuzzüge

Piper Verlag, München 2004
ISBN-10 3492046436
ISBN-13 9783492046435
Gebunden, 368 Seiten, 22,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Französischen von Bertold Galli, Enrico Heinemann und Ursel Schäfer. Terroranschläge, Guerillakriege, offene Feindseligkeit: Täglich zeigt die wachsende Kluft zwischen der islamischen Welt und "dem Westen" neue erschreckende Auswirkungen. Anderthalb Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges droht somit ein weiterer, noch gefährlicherer Ost-West-Konflikt. Gilles Kepel analysiert die gefährliche Lage in drei Schritten. Beginnend mit dem Palästina-Konflikt, erweitert er den Fokus auf den gesamten Mittleren Osten und schließlich auf die Grundfrage: Wie sieht eine neue Weltordnung aus, die die islamischen Länder zu echten Partnern werden lässt? Müssen wir im Westen auf Vorrechte verzichten, Macht abgeben, Wohlstand teilen?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.12.2004

Als dramatisch beschreibt der französische Politologe Gilles Kepel den Mitte der neunziger Jahre von militanten Islamisten vorgenommenen Strategiewechsel. Während zuvor noch der Nahe und Mittlere Osten als Schauplatz der ideologischen Kämpfe  und gerade Europa als Zone der Gottlosen begriffen wurde, mit der man sich im Zustand des Vertragsfriedens befindet, ist der Kampf nun ausgeweitet. Den Unterstützern der antiislamistischen Regimes des Ostens soll auf deren eigenem Gebiet der Kampf angesagt werden, von New York bis Kreuzberg. Fatal ist die Reaktion vor allem der USA, die den Islamismus mit den Mitteln des Kalten Kriegs besiegen wollen, nämlich einer Militarisierung bis zur Totrüstung. Das, so Kepels Prognose, wird nicht funktionieren. Der Rezensent Eberhard Seidel lobt die "Brillanz" der Analysen Kepels und stellt einschränkend nur fest, dass er für "die aktuelle Bekämpfung weltweit operierender radikalislamistischer Terroristen" auch keine Rezepte hat.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2004

Wirklich neu findet Alexandra Senfft die Thesen Gilles Kepels zur Entstehung des islamischen Terrorismus zwar nicht, aber trotzdem feiert sie den  französischen Politik-Professor als einen Meister der verdichtenden und übersichtlichen Darstellung komplexer Zusammenhänge. Aus dem Wirrwar an Ursachen, die dazu führten, dass der militante Islamismus mittlerweile zu einem "integralen Bestandteil des Westens" geworden ist, isoliert Kepel folgende Protagonisten: "Amerikanische Neokonservative, israelische Besatzungspolitiker, reaktionäre arabische Herrscher und international agierende, militante Islamisten." Alle sind in einem "unheilvollen Zusammenspiel" miteinander verbunden, wovon aber gerade die Amerikaner nichts wissen möchten: Statt die unangenehme Tatsache zu akzeptieren, dass man sich Terrorzellen wie al-Qaida im Kalten Krieg selbst heranzüchtete, macht man durch den Krieg gegen sein eigenes Geschöpf die Sache nur noch schlimmer: Die Terrorgruppen radikalisieren sich immer weiter und verlieren völlig den letztlich mäßigenden Kontakt zum Islam als Religion. Es drohen Radikalisierung und Chaos, wie Kepel in Anlehnung an seine bekannte These vom "Niedergang des Islamismus" prophezeit. Die Lösung sieht der Autor in der Modernisierung des Islam, zum Beispiel durch Integration moderner Muslime in die westlichen Demokratien. Ein richtiger Gedanke, doch wann der Terror für den Westen tatsächlich ein Ende hat, scheint noch nicht absehbar, wie Senfft abschließend befindet.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Angesichts der derzeitigen Flut an Aufklärungsliteratur über den Islam betont der Rezensent Balthasar Haussmann, dass Gilles Kepel ein Autor ist, "dem man trauen darf", nicht zuletzt aufgrund seiner jahrzehntelangen (und daher unopportunistischen) Beschäftigung mit der arabischen Welt. In diesem Buch, das Haussmann ein "Kompendium des derzeit verfügbaren Wissens" nennt, unterwerfe Kepel die von ihm vor dem 11. September 2001 vertretene These eines abnehmenden Islamismus einer kritischen Prüfung, zumal angesichts der zwischenzeitlichen Ereignisse im Irak. Kepels Argumentationslinie, die "Realpolitik" der Neunziger sei von einer "kämpferisch-moralische Politik" abgelöst worden, was zu einer "dialektischen Zuspitzung" zwischen den USA und der arabischen Welt geführt habe, findet unser Rezensent zwar nicht neu, jedoch "ausgesprochen differenziert vorgetragen". Bezeichnend dafür sei die Tatsache, dass Kepel sich pauschale Schuldzuweisungen verbiete, deswegen jedoch keinesfalls dem Skeptizismus verfalle. Im Gegenteil, so der Rezensent, Kepel habe "klare politische Vorstellungen": "Schuldig wird die Politik, wenn sie die Radikalisierung weiter betreibt." Zur Kernfrage nach der Zukunft merke Kepel an, dass nicht "die Lautesten" entscheidend seien, sondern "der breite Unterstrom". Und entscheidend für die "innerislamische Entwicklung" sei laut Kepel die Rolle der europäischen Moslems.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren