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Klappentext
Aus dem Französischen von Bertold Galli, Enrico Heinemann und Ursel Schäfer. Terroranschläge, Guerillakriege, offene Feindseligkeit: Täglich zeigt die wachsende Kluft zwischen der islamischen Welt und "dem Westen" neue erschreckende Auswirkungen. Anderthalb Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges droht somit ein weiterer, noch gefährlicherer Ost-West-Konflikt. Gilles Kepel analysiert die gefährliche Lage in drei Schritten. Beginnend mit dem Palästina-Konflikt, erweitert er den Fokus auf den gesamten Mittleren Osten und schließlich auf die Grundfrage: Wie sieht eine neue Weltordnung aus, die die islamischen Länder zu echten Partnern werden lässt? Müssen wir im Westen auf Vorrechte verzichten, Macht abgeben, Wohlstand teilen?
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.12.2004
Als dramatisch beschreibt der französische Politologe Gilles Kepel den Mitte der neunziger Jahre von militanten Islamisten vorgenommenen Strategiewechsel. Während zuvor noch der Nahe und Mittlere Osten als Schauplatz der ideologischen Kämpfe und gerade Europa als Zone der Gottlosen begriffen wurde, mit der man sich im Zustand des Vertragsfriedens befindet, ist der Kampf nun ausgeweitet. Den Unterstützern der antiislamistischen Regimes des Ostens soll auf deren eigenem Gebiet der Kampf angesagt werden, von New York bis Kreuzberg. Fatal ist die Reaktion vor allem der USA, die den Islamismus mit den Mitteln des Kalten Kriegs besiegen wollen, nämlich einer Militarisierung bis zur Totrüstung. Das, so Kepels Prognose, wird nicht funktionieren. Der Rezensent Eberhard Seidel lobt die "Brillanz" der Analysen Kepels und stellt einschränkend nur fest, dass er für "die aktuelle Bekämpfung weltweit operierender radikalislamistischer Terroristen" auch keine Rezepte hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2004
Wirklich neu findet Alexandra Senfft die Thesen Gilles Kepels zur Entstehung des islamischen Terrorismus zwar nicht, aber trotzdem feiert sie den französischen Politik-Professor als einen Meister der verdichtenden und übersichtlichen Darstellung komplexer Zusammenhänge. Aus dem Wirrwar an Ursachen, die dazu führten, dass der militante Islamismus mittlerweile zu einem "integralen Bestandteil des Westens" geworden ist, isoliert Kepel folgende Protagonisten: "Amerikanische Neokonservative, israelische Besatzungspolitiker, reaktionäre arabische Herrscher und international agierende, militante Islamisten." Alle sind in einem "unheilvollen Zusammenspiel" miteinander verbunden, wovon aber gerade die Amerikaner nichts wissen möchten: Statt die unangenehme Tatsache zu akzeptieren, dass man sich Terrorzellen wie al-Qaida im Kalten Krieg selbst heranzüchtete, macht man durch den Krieg gegen sein eigenes Geschöpf die Sache nur noch schlimmer: Die Terrorgruppen radikalisieren sich immer weiter und verlieren völlig den letztlich mäßigenden Kontakt zum Islam als Religion. Es drohen Radikalisierung und Chaos, wie Kepel in Anlehnung an seine bekannte These vom "Niedergang des Islamismus" prophezeit. Die Lösung sieht der Autor in der Modernisierung des Islam, zum Beispiel durch Integration moderner Muslime in die westlichen Demokratien. Ein richtiger Gedanke, doch wann der Terror für den Westen tatsächlich ein Ende hat, scheint noch nicht absehbar, wie Senfft abschließend befindet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004
Angesichts der derzeitigen Flut an Aufklärungsliteratur über den Islam betont der Rezensent Balthasar Haussmann, dass Gilles Kepel ein Autor ist, "dem man trauen darf", nicht zuletzt aufgrund seiner jahrzehntelangen (und daher unopportunistischen) Beschäftigung mit der arabischen Welt. In diesem Buch, das Haussmann ein "Kompendium des derzeit verfügbaren Wissens" nennt, unterwerfe Kepel die von ihm vor dem 11. September 2001 vertretene These eines abnehmenden Islamismus einer kritischen Prüfung, zumal angesichts der zwischenzeitlichen Ereignisse im Irak. Kepels Argumentationslinie, die "Realpolitik" der Neunziger sei von einer "kämpferisch-moralische Politik" abgelöst worden, was zu einer "dialektischen Zuspitzung" zwischen den USA und der arabischen Welt geführt habe, findet unser Rezensent zwar nicht neu, jedoch "ausgesprochen differenziert vorgetragen". Bezeichnend dafür sei die Tatsache, dass Kepel sich pauschale Schuldzuweisungen verbiete, deswegen jedoch keinesfalls dem Skeptizismus verfalle. Im Gegenteil, so der Rezensent, Kepel habe "klare politische Vorstellungen": "Schuldig wird die Politik, wenn sie die Radikalisierung weiter betreibt." Zur Kernfrage nach der Zukunft merke Kepel an, dass nicht "die Lautesten" entscheidend seien, sondern "der breite Unterstrom". Und entscheidend für die "innerislamische Entwicklung" sei laut Kepel die Rolle der europäischen Moslems.
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