Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Christa Schuenke. In Amerika hat die Zukunft schon begonnen. Das "alte" Europa erlebt Cayce Pollard, die Hauptfigur des Romans, als eine Spiegelwelt: alles ist hier anders, aber auch hier greift schon die Globalisierung. Cayce arbeitet als Coolhunter, im Moment für einen Sportschuhhersteller in London: sie berät bei Firmenlogos und spürt Modetrends an der Basis auf. In jeder freien Minute loggt sie sich ins Internet ein. Seit einiger Zeit tauchen merkwürdige Filmclips im Netz auf, sie faszinieren, sind kult und werden fieberhaft diskutiert. Wie gehören die Schnipsel zusammen? Sind sie Teile eines Films? Was bedeuten Sie? Wer überhaupt macht sie? Und warum?
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005
Eigentlich unternimmt Uwe Pralle in seiner Rezension des neuen Romans von William Gibson nichts Geringeres als einen umfassenden Streifzug durch das Werk des Autors. Und dieses Werk begreift Pralle vor allem als Spiegel seiner Zeit und ihrer Fieberfantasien, von den in die Zukunft greifenden Cyber-Träumen. Zumindest gelte das für die sogenannte "Neuromancer"-Trilogie der Achtziger-Jahre, die die Karriere des Internets in manchem Detail antizipierte. Die drei Romane der Neunziger-Jahre, die mit "Virtuelles Licht" beginnende "Bridge-Trilogie", waren dann, so Pralle, schon näher an der "Anwendungssphäre digitaler Technologien". Mit "Mustererkennung" liegt nun Gibsons erster Gegenwartsroman vor - und der Rezensent behandelt ihn eher kurz am Schluss. Das Internet hat seinen utopischen Charakter verloren - und die Heldin Caye Pollard ist auf der Suche nach den Mustern der Mode von morgen längst wieder ganz altmodisch "leibhaftig" in der globalisierten Welt unterwegs. So wenig Pralle darüber zu sagen hat, begeistert ist er schon von diesem "Abgesang auf die jüngste futuristische Ära", mit dem sich Gibson wiederum als einer der "besten amerikanischen Schriftsteller" erweist.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004
In den Augen des Rezensenten Kolja Mensing ist dieser jüngste Roman des als Erfinder des "Cyperpunks" berühmt gewordenen Schriftstellers William Gibson ein "Abgesang auf das Genre der Science-Fiction-Literatur" - was Mensing bemerkenswert findet, weil Gibson sich bisher vor allem mit recht "treffsicheren Aussagen über die Zukunft" hervorgetan hat. Dieser "etwas spröde Zeit- und Ideenroman" nun, in dessen Mittelpunkt Cayce, eine recht ungewöhnliche Mitarbeiterin der modernen Werbeindustrie, steht, ist in Mensings Augen vor allem deshalb interessant, weil Gibson darin von der "neoromantischen Sehnsucht nach neuen, sinnstiftenden Erlebnissen erzählt". Ihm gelingt es nach Meinung des Rezensenten, mit "pathetischen Erkenntnissen zu spielen, ohne selbst pathetisch zu sein". Daran steckt nach Mensings Meinung genug Potenzial für einen gelungenen Roman. Deswegen ist es seiner Meinung nach verzeihlich, dass der Roman weder "komplexe Charaktere" noch "überraschende psychologische Einsichten" bereit hält - solche Qualitäten erwartet er von Gibson sowieso nicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2004
Seinen neuen Roman hat William Gibson - Urheber des inzwischen Allgemeingut gewordenen Begriffs "Cyberspace" und "Vater des Cyberpunk" - in die Gegenwart verlegt, die nur deshalb so "futuristisch" wirkt, weil sie in "privilegierten" Kreisen spielt, stellt Kai Martin Wiegandt fest. Die Hauptfigur Cayce Pollard, von Beruf Marketingexpertin, soll für einen belgischen Auftraggeber den Schöpfer von experimentellen, ins Netz gestellten Filmclips finden, fasst der Rezensent den Plot zusammen, der ihn irgendwie an Thomas Pynchons "Versteigerung von Nummer 49" erinnert. Dafür muss die Heldin nicht nur kreuz und quer im Internet surfen, sondern auch durch die Welt reisen, erklärt Wiegandt. Ihn beeindruckt Gibsons "außerordentliches Gespür" für starke Bilder. Er hält ihm zugute, dass diese Bilder auch sprachlich überzeugen. Allerdings sieht er bei den Figuren des amerikanischen Autors auch die Gefahr, sich in Klischees zu verlieren. So hat er den komischen Eindruck, dass ihm so mancher Protagonist schon bei anderen Autoren begegnet ist. Trotzdem gefällt ihm der Roman, nicht zuletzt, weil der Autor mit "großer Originalität" sehr "ergiebige Fragen" stellt - zum Beispiel nach der Zeit oder nach Intimität im Internet - und keine Scheu hat, auch Antworten anzubieten, so der eingenommene Rezensent.
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