Heinrich Bullinger (1504-1575), der mit Zwingli und Calvin zu den Vätern des reformierten Protestantismus zählt, wird in seiner Bedeutung noch immer zu wenig ge-würdigt. Ihm ist es gelungen, als Nachfolger Zwinglis die gefährdete Zürcher Reformation zu konsolidieren; er, der Autor des "Zweiten Helvetischen Bekenntnisses" und anderer Schriften, hat wesentlich zum Zusammenschluss der Deutschschweizer mit der Westschweizer Reformation beigetragen und eine nachhaltige Wirkung in Europa gehabt. Fritz Büssers Buch unternimmt - zum ersten Mal seit 1858 - eine ausführliche Gesamtdarstellung von Bullingers Leben, Werk und Wirkung. Im ersten Band schildert er in knappen Zügen Herkunft, Studien und die Arbeit des "jungen" Bullinger in Kappel und Bremgarten, dann ausführlich dessen Arbeit als "oberster Pfarrer am Großmünster und weiser Leiter der zürcherischen Kirche".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2004
Nicht-Schweizern und Nicht-Theologen wird man erst mal erklären müssen, wer Heinrich Bullinger war: der direkte Nachfolger Huldrych (Ulrich) Zwinglis, der die Reformation der Zürcher Kirche festigte, ein Reformator also der zweiten Generation, aber "nicht der zweiten Garnitur", um es mit den Worten seines Biografen zu sagen, die Rezensentin Caroline Schnyder zitiert. Schnyder berichtet, dass Bullingers Nachlass erst spät gesichtet wurde und nun erstmals eine umfassende Monografie zu Leben und Werk Bullingers vorliege. Der Verfasser habe sich an Bullinger ein Vorbild genommen und seine Darstellung thematisch, nicht chronologisch angeordnet; sie folge den Lebenskreisen des Theologen: Zürich - Schweiz - Europa. Der vorliegende erste Band befasst sich mit Bullingers Kindheit, Studium und seiner Lehrertätigkeit sowie seinem Wirken als Reformator in Zürich; großen Wert lege Büsser auf die Tatsache, dass Bullinger aus eigener - humanistischer - Überzeugung konvertiert und auch später einen eigenen Weg als Prediger und Autor gegangen sei. Dabei berücksichtige Büsser überwiegend nur Selbstzeugnisse des Kirchenmannes, gibt Schnyder zu, wirkungsgeschichtliche Spuren blieben außer Acht beziehungsweise seien dem zweiten Band vorbehalten, der Bullingers Wirken im europäisch-protestantischen Zusammenhang untersucht und schon bald erscheinen soll.
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