Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Mit 51 Abbildungen und 4 Karten. Kein anderer Deutscher hat die Geschichte Europas zwischen Mittelalter und Moderne stärker geprägt als er. Der Wittenberger Mönch Martin Luther bietet Kaiser, Papst und Kirche die Stirn, will die Universalreform der Christenheit, begründet aber den Protestantismus. Damit treibt er zugleich die Entstehung der Territorialstaaten mächtig voran und verhilft auch einem Verständnis des Individuums zum Durchbruch, das den modernen Menschen wesentlich ausmachen wird. Heinz Schilling stellt diesen welthistorischen Rebell in seine Zeit und zeigt eindrucksvoll das Andere und Fremde an ihm. Er schildert ihn nicht als einsamen Heros, sondern als Akteur in einem gewaltigen Ringen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Heinz Schilling: "Martin Luther" - mehr Infos bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.12.2012
Wichtig erscheint der Kulturhistorikerin und Rezensentin Ulinka Rublack diese Luther-Biografie des Historikers Martin Schilling wegen des Versuchs des Autors, Luther als Mensch seiner Zeit zu begreifen und damit gerade seine komplexe Fremdheit uns gegenüber zu unterstreichen. Schilling zerstört laut Rublack nicht nur so manchen Mythos um den Reformator, sondern zeigt ihn uns auch als großen Wittenberger Netzwerker mit spiritueller Nähe zu Karl V. Für Rublack legt die Lektüre nahe, wie diese Verbindung den Weg zu Pluralismus und Moderne den Weg ebnete, eine diskussionswürdige These, meint die Rezensentin, die die Beurteilungsweise des Autors mitunter als etwas zu rigoros empfindet. Im Ganzen jedoch gefällt ihr das Buch als lebendige, umfassende, quellennahe Einordnung Luthers in seiner Fremdheit uns gegenüber.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.11.2012
Luthervereinnahmung ade!, jubelt Dirk Pilz geringfügig verfrüht mit Blick auf das 500-jährige Jubiläum des Thesenanschlags von 1517. Aber dass der Wittenberger schließlich das Recht auf eine eigene Zeitgenossenschaft erhält, Luther ein Mann seiner Zeit, macht Pilz froh. Zumal den Versuch der wegweisenden Entmonumentalisierung kein Geringerer unternimmt als Heinz Schilling, der laut Pilz womöglich als einziger den Überblick hat, Abstand und die nötigen Detailkenntnisse nicht nur Luther, sondern auch die Umbruchphase der Frühen Neuzeit betreffend und den Kaiser, den Luther in Worms trifft und der ihm näher war als angenommen, wie der Autor dem Rezensenten zu zeigen vermag. Ergebnis ist laut Pilz ein Luther zwischen Gott und Teufel, der uns herzlich fremd ist. Dies Trennen zwischen Luthers Wirken und seiner Wirkungsgeschichte findet er fundamental wichtig, dies Verankern des Mannes in seiner Zeit, der Reformationszeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.10.2012
Inwieweit Martin Luther noch immer ein Quell sowohl widersprüchlicher als auch fruchtbarer Entwicklungen ist, lernt Thomas Kaufmann bei der Lektüre dieser, wie er findet, epochalen Biografie zum Reformator. Dass der Historiker Heinz Schilling den Eislebener in einen derart ausgewogenen historischen Kontext stellt, findet Kaufmann allein schon rekordverdächtig. Hinzukommt für ihn die gleichfalls gerechte Darstellung von Luthers Zeitgenossen, Hutten, Erasmus, Reuchlin etc. sowie das Herausarbeiten von Luthers Anteil am Gang der Neuzeit. Für Kaufmann geht es darum, herauszufinden, ob dem Autor die Balance gelingt zwischen dem Individuellen und dem Epochalen. Laut Rezensent erfüllt der Autor diesen Anspruch mit Bravour, kulminierend für Kaufmann in seiner Darstellung des Wormser Reichstags, der Urszene der Reformation als showdown - Kaiser trifft Reformator. Damit, findet Kaufmann, räumt der Autor nicht nur mit dem protestantischen Mythos auf, er zeigt Luther dem Leser auch unaufdringlich und sprachlich brillant in seiner Modernität. Neue Blicke auf alte Sachverhalte, sinnvertiefende Bilder - das beste nichttheologische Lutherbuch weit und breit, jubelt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012
Bernhard Lang weiß diese voluminöse Biografie über Martin Luther von Heinz Schilling zu schätzen. Er bescheinigt dem Historiker, den deutschen Reformator im Vorblick auf das Lutherjahr 2017 als "selbstbewussten Propheten" zu schildern, der schon früh ein Bewusstsein für seine Mission entwickelte. Schillings Schilderung der Begegnung Luthers mit Karl V. in Worms ist für ihn einer der Höhepunkt des Werks. Er unterstreicht die Sympathie, die der Autor für den Augustinermönch und Übersetzer der Bibel hegt. Dass Schilling für aktuellere kulturwissenschaftliche Ansätze, die Themen wie Körper und Medien akzentuieren, wenig übrig hat, verschweigt Lang nicht. Sein Fazit: eine dem historischen Paradigma verpflichtete, überzeugende Arbeit.

Heinz Schilling
Heinz Schilling ist em. Professor für Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine großen Bände über "Aufbruch und Krise" und "Höfe und Allianzen" sowie "Die neue ... mehr lesen














