Davos im Frühjahr 1929: Ernst Cassirer, philosophischer Repräsentant liberaler Weimarer Kultur, trifft auf Martin Heidegger. Im Hintergrund mit dabei ist Rudolf Carnap, Mitglied des Wiener Kreises: Drei Philosophen, die sich noch auf gemeinsame Grundfragen beziehen, doch schon verschiedene Wege einschlagen und damit divergierende Traditionen der modernen Philosophie begründen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2004
Jürgen Kaube überschlägt sich fast vor Jubel: Michael Friedmans Studie über Heidegger, Carnap und Cassirer könne glatt "ein Hauptstudium dieses Fachs ersetzen". Ausgangspunkt von Friedmans Studie ist der Davoser Ferienkurs von 1929, bei dem es zum legendären Disput zwischen Heidegger und Cassirer kam, aber auch, was weniger bekannt ist, zum Gespräch zwischen Heidegger und Carnap. Gerade aus letzterem Detail schlage Friedman - so findet Rezensent Kaube - "Funken". Anhand dieser Auseinandersetzung werde nämlich einprägsam die "historische Bruchstelle" rekonstruiert, an der sich die philosophische Tradition spaltet in analytisch orientierte anglo-amerikanische Philosophie und hermeneutisch geprägte Kontinental-Philosophie. Friedman - dessen Leistung nach Kaube "gar nicht hoch genug" zu schätzen sei - mache deutlich, wo das Problem liegt: Im Verhältnis der Philosophie zu den "exakten Wissenschaften". So stellte beispielweise Carnap in einer Schrift Heideggers Satz "Das Nichts nichtet" unter Sinnlosigkeitsverdacht, weil dieser als metaphysischer "Scheinsatz" nicht wissenschaftlich beweisbar sei; Heidegger wiederum formulierte im Aufsatz "Was heißt denken?" den geharnischten Satz: "Die Wissenschaft denkt nicht." Kaube lobt, wie "minutiös" Friedman den Denkweg der drei Philosophen skizziert habe. So könne der Leser "beim Denken" zusehen. Und mehr als das, meint Kaube, "kann man von einem philosophischen Buch über Philosophen nicht erwarten."
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