Aus dem Englischen von Hans Freundl, Norbert Juraschitz. Ein Genozid unvorstellbaren Ausmaßes. Nachdem vor einigen Jahren Archive des Politbüros, des KGB und anderer Institutionen des untergegangenen Sowjetreichs für Wissenschaftler geöffnet wurden, konnte Donald Rayfield neue Erkenntnisse über Stalin und seine Henker - Dserschinski, Menschinski, Jagoda, Jeschow, Berija und ihre wichtigsten Komplizen - gewinnen. So entstand das beklemmende Porträt einer Epoche - vom Vorabend der Oktoberrevolution bis zur Exekution Berijas im Dezember 1953 -, in der ein skrupelloses Regime gegen das eigene Volk wütete. Stalin und seine Henker werden mit kurzen, prägnanten Biografien vorgestellt - eine Chronologie des Terrors. Der Autor aber beschreibt nicht nur das brutale wie banale, das ausschweifende wie zwielichtige Leben der Täter, sondern bringt immer wieder auch ausführliche Exkurse zur Geschichte der UdSSR. Dabei werden die Hungersnöte, die Zerschlagung des Bauernstandes, die Ermordung der alten Herrscherschicht, die Schauprozesse, die Enthauptung der Roten Armee (34.000 Offiziere wurden erschossen), die Deportation von Dissidenten und die Ausrottung ethnischer Minderheiten mit einer Fülle konkreten Materials geschildert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2004
Eine schier unermessliche Fülle von Fakten über das bestialische Gesicht des sowjetischen Staates" sieht Rezensent Edward Kanterian in diesem Buch des Historikers Donald Rayfield ausgebreitet. Sehr erhellend findet er etwa die Passagen über die "unheilige Allianz von Dichtern und Mördern", die sich in der Tscheka gebildet hatte, und er zitiert ein recht gruseliges Beispiel tschekistischer Lyrik: " "Es gibt keine größere Freude, keine schönere Musik / als das Krachen gebrochener Leben und Knochen. / . . . Und deshalb will ich auf dein Urteil eine unerschütterliche Sache / schreiben: An die Wand! Feuer!" Ansonsten ist Kanterians Urteil jedoch gespalten. Zwar lobt er Rayfields Ansatz einer "personenbezogenen Analyse", doch erreiche er dabei nie die Tiefe etwa eines Joachim Fests. Auch gleitet Rayfield sein umfangreiches Material allzu oft aus der Hand, moniert der Rezensent, so dass die vielen Anekdoten das Buch zwar lesenswerter machen, aber eben auch etwas "konzeptlos".
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