Die Beschäftigung mit der Theoriengeschichte eröffnet - im Spannungsfeld von gestern und heute, von alt und neu, von Tradition und Fortschritt - einen sehr anregenden Zugang zur Volkswirtschaftslehre. Sie stärkt darüber hinaus das Bewusstsein für Entwicklungen und gewährt vor allem Orientierung. An dogmenhistorischen Positionen werden u.a. vorgestellt: Der "Aspekt der Ökonomik" in der Antike und im Mittelalter, Merkantilismus, Physiokratismus, Klassischer Liberalismus, Sozialismus, Historismus, Grenznutzenlehre, neoklassische Lehren (einschließlich Welfare Economics und Neue Institutionenökonomik), Keynesianismus, Neoliberalismus und Evolutorische Wirtschaftstheorie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2004
Rezensent Gerd Habermann lobt zunächst, dass Gerhard Kolb sich mit diesem Band wieder in die heute sehr vernachlässigte Geschichte der Volkswirtschaft vorgewagt habe. Insgesamt aber fällt sein Urteil über dieses Buch jedoch "gespalten" aus. Plausibel und lobenswert findet er die von Kolb vorgenommene Gliederung für die ältere Geschichte. Was Kolb jedoch häufig unterlässt, so Habermann, ist eine Beurteilung der jeweiligen Lehrmeinung vom derzeitigen Wissen aus. Und als besonders schmerzlich müsse man die Lücken im zwanzigsten Jahrhundert empfinden: Die Wiener Schule der Wirtschaftswissenschaft etwa werde nur in ihrer ersten Generation (Carl Menger, Friedrich von Wieser, Eugen von Böhm-Bawerk) vorgestellt. Und die Darstellung im zwanzigsten Jahrhundert löse sich bei Kolb dann außerdem auch noch fast gänzlich von den wirtschaftshistorischen Ereignissen. Auf das Experiment mit zentraler Planwirtschaft und die Gründe seines Scheiterns etwa wird gar nicht eingegangen, so der betrübte Rezensent.
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