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Klappentext
Aus dem Französischen von Peter Burri. Herausgegeben von Claude Leroy. 1912 macht in Paris ein neuer, 25jähriger Dichter von sich reden: Mit seinem langen Poem "Ostern", das für einen existentiellen Wendepunkt in seinem jungen Leben steht, begründet der damals schon weitgereiste Blaise Cendrars aus La Chaux-de-Fonds seinen frühen Ruhm. 1913 publizierte er zusammen mit der Künstlerin Sonia Delaunay das legendäre Gedicht "Die Prosa von der Transsibirischen Eisenbahn", ein zwei Meter langes Leporello, auf dem Wort und Malerei eine bisher noch nie gesehene Symbiose eingehen. Bis 1924 folgen von Cendrars dann immer wieder Gedichtzyklen, mit denen er sich seinen festen Platz in der Geschichte der französischen Moderne erschreibt. Wie sein Zeitgenosse Guillaume Apollinaire bricht Cendrars radikal mit den Traditionen des 19. Jahrhunderts und gibt dem Aufbruch des frühen 20. Jahrhunderts eine eigene, unverstellte und subjektive Sprache. Denn Cendrars gehörte nie einer "Schule" an, sondern ging eigenständige Wege: im Schreiben wie auch im Leben.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2004
Zwei Aspekte greift Rezensent Georg Sütterlin in dieser Blaise-Cendrars-Gesamtausgabe des Lenos-Verlages auf. Zunächst die Präsentation, die er sich etwas weniger sparsam gewünscht hätte. Nicht nur dass auf Illustrationen verzichtet werde, einige Werke werden auch ihrer poetologisch wichtigen Darreichungsform beraubt, wie die als zwei Meter langes Leporello erschienene "Prosa von der Transsibirischen Eisenbahn", die eine Einheit von Text und der Malerei von Sonia Delaunay bildet. In der vorliegenden Ausgabe ist die "Prosa" nur Text, und das obwohl sie bereits als Faksimile bei Lenos erschienen war, wie der Rezensent irritiert bemerkt. Was Peter Burris Übertragung ins Deutsche angeht, so kommt sie im Vergleich mit der älteren Fassung von Hannelise Hinderberger und Jürgen Schroeder gut weg. Burri, der "wortgenauer" arbeite und sich enger ans Original halte (was auch zuweilen eine gewisse Ungelenkheit zur Folge habe) gelinge insgesamt ein geschmeidigerer Text. Lobende Erwähnung findet auch Burris kenntnisreicher Kommentar, der die Cendrars-Forschung gewinnbringend verarbeitet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2004
Für Blaise Cendrars war der Expressionismus kein theoretisches Statement, sondern eine Wirkungsästhetik - so zumindest lautet das Fazit des literaturhistorischen Rückblicks, den der Rezensent Joseph Hanimann einschiebt, um sein Vergnügen an den Gedichten des Franzosen zu erklären, die hier gesammelt vorliegen. Sein erstes habe er 1912 geschrieben, das lyrische Ich irrt durch New York und - ja, "Großstadtgetöse, Straßenschluchten, Dächergewirr, Dampfsirenengeheul", das alles ist vorhanden, aber da ist noch mehr: Das "alte" Europa. "Die Moderne der Poesie", schreibt Hanimann," hat in Frankreich am Vorabend von Dada nicht gegen das Alte, sondern mit ihm und schrill aus ihm heraustönend begonnen", nur leider sei davon in der Übersetzung Peter Burris, der dieses Alte als skurrile Einlage missversteht, nicht viel übrig geblieben. Andere, spätere Gedichte seien dagegen tadellos übertragen, schränkt der Rezensent seine Kritik ein. Und außerdem ist da noch "die Prosa von der transsibirischen Eisenbahn und der kleinen Jehanne von Frankreich", eine "zwei Meter langen Schrift- und Bildmusterbahn" und ein, so Hanimann genießerisch, "Feuerwerk aus kinetisch stampfender wie aus traumhaft vorbeischwebender Bildverdichtung", mit dem Cendrars jenseits aller Theorie das Beste aus den Möglichkeiten der expressionistischen Idee gemacht hat - was auch in der Übersetzung verlustfrei zu erleben sei, weshalb der Rezensent auch nicht traurig über das Fehlen der französischen Originale ist. Zumal ihn ein ausführlicher Anmerkungsapparat nebst Einführung, Nachwort und Paralleltexten Cendrars reichlich entschädigt haben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.06.2004
Lob auf der ganzen Linie. Nicht nur vom Mann Blaise Cendrars zeigt sich Hans-Jürgen Heinrichs beeindruckt, nein, auch seine Gesammelten Gedichte ("Ich bin der Andere") charmieren ihn. Der Schriftsteller, der sich heimisch auch und vor allem in Hafenbars fühlte und gesteigerten Wert legte auf das Tempo und die raue Exaltiertheit seines Lebensstils, sei, "wie seine Figuren, verliebt in Metamorphosen" - "ein sensibler, von der Sprache verzauberter Jongleur, der den Rhythmen, Vibrationen und Modulationen der Wortfolgen und Sätze lauscht". Kongenial habe sich der Übersetzer Peter Burri des "teils wilden, teils streng strukturierten Duktus des lyrischen, lyrisch-prosaischen und erzählenden Sprechens" Cendrars' angenommen. Auch der Kommentar von Claude Leroy hat Heinrichs "mit jeweils einer präzisen Bestimmung und Zuordnung der einzelnen Gedichtbände sowie fundierten Anmerkungen zu Namen und Begriffen" Freude bereitet. Und, last but not least, dankt der Rezensent dem Lenos Verlag für die "Kontinuität", mit der er sich "in den letzten Jahren dem Gesamtwerk Cendrars' gewidmet hat".
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