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Samuel Pepys
Die geheimen Tagebücher
Klappentext
Herausgegeben von Volker Kriegel und Roger Willemsen. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Georg Deggerich. Mit einem Nachwort von Roger Willemsen und Illustrationen von Beck, F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Greser & Lenz, Nikolaus Heidelbach, Ernst Kahl, Volker Kriegel, Bernd Pfarr, Michael Sowa, Hans Traxler, F. K. Wächter.
Er war ein wetterwendischer Opportunist, ein Frauenjäger der dreistesten Art, ein barscher Vorgesetzter - und ein manischer Tagebuchschreiber. Samuel Pepys (1633 - 1703) legte in seinem Tagebüchern über alles Rechenschaft ab - über seine (manchmal mafiösen) Geschäftsmethoden im Marineamt, seine Ausschweifungen in düstren Kneipen und fremden Betten, seine Ehezwistigkeiten, seine Krankheiten, seine Speisezettel, seine Erniedrigungen, seine Selbstzweifel, seine Verdauungsstörungen. Entstanden ist so ein einzigartiges Dokument, in dem spannendstes zeitgeschichtliches Material, privateste Bemerkungen und absonderliche Ideen eine abenteuerliche, faszinierende und auch hochkomische Melange bilden. In einer privaten Geheimschrift abgefasst, lagerten die zwölf Bände seiner Tagebücher über 100 Jahre ungelesen in einer Bibliothek. Erst 1818 gelang es, die Tagebücher zu entschlüsseln. Volker Kriegel hat dieses gigantische Diamantenfeld mehrfach umgegraben und für den heutigen Leser die spannendsten Stellen herausgesiebt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2004
Ohne Zweifel sind die in einer lange unentziffert gebliebenen Geheimschrift abgefassten Tagebücher des Samuel Pepys ein singulärer Glücksfall. Darin ist mit den Augen dieses Londoner Sekretärs des Flottenamtes vom Leben in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mehr zu erfahren als in allen anderen historischen Dokumenten - jedenfalls, was die private Seite einer Existenz in der Restaurationsepoche angeht. Dieser Auswahlband allerdings, von Volker Kriegel begonnen und nach dessen Tod von Roger Willemsen weitergeführt, macht, wie Werner von Koppenfels bedauert, so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Die Auswahl werde in Willemsens Nachwort nicht vernünftig begründet, der Eindruck von Willkür dränge sich immer wieder auf. Auch der Übersetzer hat, so der Rezensent, alles andere als solide Arbeit geleistet und gerät im Umfeld des 17. Jahrhunderts mit Anachronismen und schlichten Fehlern immer wieder ins Schwimmen. Selbst die neckischen Illustrationen, nach Kriegels Tod von Zeichnern der Neuen Frankfurter Schule ergänzt, verstehen den immer aufrichtigen, aber niemals selbstironischen Pepys grundfalsch. So kommt das Fazit der Rezension nicht überraschend: Entstanden sei "ein Pepys für die Spaßgesellschaft, die sich bekanntlich dadurch definiert, dass sie es so genau gar nicht wissen will".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.08.2004
Toller Mann! Lebte er heute, wäre er "Börsenmakler mit Porsche, Rolex und so weiter", meint Rezensentin Verena Auffermann durchaus bewundernd. Samuel Pepys lebte ein äußerst tatkräftiges Leben im London des 17. Jahrhunderts, erzählt sie: Er reorganisierte die britische Marine und wurde Staatssekretär, er hatte "Lust am Geld", doch im Unterschied zu heutigen Karrieristen begriff er, dass "geistferner Reichtum die reine Ödnis ist", er interessierte sich für die Wissenschaften, Kunst und Kultur. Er liebte seine Frau, war erotischen Eskapaden jedoch nicht abgeneigt, für die er recht deftige Formulierungen fand. Der "Alltagsspezialist mit Sinn für die Anmut dekorativen Lebens beschreibt die Geselligkeit, nachbarschaftliche Gelage auf dem Dachgarten, das 'Büro', die Kleider und das viele Essen und beobachtet das höfische Leben in einer Mischung aus Skepsis und Neugier". Seine Tagebücher, von Georg Deggerich "enorm flüssig" übersetzt, zeichnen ein "amüsantes" und höchst informatives Bild der Londoner Gesellschaft, lobt Auffermann. Als Tagebuchschreiber sei Pepys "so radikal wahrhaftig" wie Rainald Goetz. Doch lese man ihn "mit viel größerem Vergnügen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.07.2004
Hannelore Schlaffer findet die Tagebücher von Samuel Pepys aus den Jahren 1660-1669 schlichtweg "cool". Dabei will Schlaffer Pepys' "Coolness" verstanden wissen als Gelassenheit eines Menschen, der sich "ganz in der Hand hat". Dies zeige sich zum Beispiel an seiner Notiz über den "großen Brand von London 1666", die neben dem großen Feuer auch ein bekömmliches Mittagessen verzeichnet. Dass Pepys häufig als "lustiger Kauz" gesehen werde, der in seinen Tagebüchern sein "Leben als Komödie" stilisiert, gefällt Rezensentin Schlaffer gar nicht. Sie rühmt Pepys lieber wegen seines "biografischen Ernstes" und der in den Notizen enthaltenen "historischen Informationen". Und lobt die vorliegende, von Volker Kriegel besorgte Auswahl aus den Tagebüchern, deren englische Ausgabe 3000 Seiten in neun Bänden umfasst. Auch wenn die einbändige Auswahl nur eine "Blütenlese" daraus ziehen könne, so sei Kriegels "Auge für die Details" bemerkenswert. Rezensentin Schlaffer zieht den Vergleich zu anderen Ausgaben und befindet, dass sie in Sachen "Plastizität" klar "gewonnen" habe. Denn die Details - wie zum Bespiel die Schilderung eines Barbierbesuchs- sind Schlaffer nach das Entscheidende, hier liege nämlich der "poetische Gott" dieser Tagebücher. Auch das Nachwort der Ausgabe, geschrieben von Roger Willemsen, hat Rezensentin Schlaffer gefallen. Sie lobt es als klug abgewägt zwischen "Einfühlung und historischer Information".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.07.2004
Nicolai Kubus ist ganz hingerissen von dieser "enorm reizvollen" Ausgabe der Tagebücher von Samuel Pepys. An drei Punkten macht er diesen Reiz fest. Zum Einen gefällt Kubus die subjektive Auswahl der Eintragungen mit Schwerpunkt auf den detaillierten Schilderungen aus dem "gar nicht so alltäglichen" Alltag des Samuel Pepys, außerdem die "schlanke, geschmeidige" Übersetzung von Georg Deggerich, und nicht zuletzt die "schöne" Ausstattung mit Illustrationen aus dem "Kreativpool" der Neuen Frankfurter Schule. Aber auch inhaltlich ist der Rezensent begeistert. Ob der "atemlose wie genaue" Bericht über den großen Brand des Jahres 1666 oder den Einzelheiten des täglichen Lebens: immer sind es die Aufzeichnungen eines "ungemein" interessierten Bürgers, jubelt Kubus.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2004
Das von Samuel Pepys hinterhältigerweise in Geheimschrift verfasste (und etwa 3100 Seiten lange!) Tagebuch ist, so der mit "upj" zeichnende Rezensent, seit 1983 komplett entziffert und jetzt als Auswahlband dem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Hier wird Pepys in seiner ganzen "schillernden Vielfalt" sichtbar, mitsamt seiner erquicklichen Neigung zu großer Detailfreude, sei es in der Schilderung von "Verdauungsstörungen" oder von offiziellen "Gängen nach Westminster", oder auch von dem letzten der zahlreich besichtigten Rockzipfel, freut sich der Rezensent. Erfrischend findet er auch, dass es Pepys dabei nicht um "Zeitzeugenschaft" ging, sondern um das Erlebte selbst, ob schön oder ärgerlich. Dies mache aus Pepys Tagebuch "so etwas wie einen Rohdiamanten der Individualgeschichte".
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