Tobias Hülswitt

Ich kann dir eine Wunde schminken

Roman
Cover: Ich kann dir eine Wunde schminken
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2004
ISBN 9783462033786
Kartoniert, 190 Seiten, 8,90 EUR

Klappentext

Hendrik Nühus schmeißt sein Studium, stapelt bei einem vietnamesischen Obsthändler Kisten und erzählt in der Literaturshow 'Urst Übelst' melancholische Witze. Zwar gehen ihm seine Mitstreiter Pamela Anders, Carmen Amen und Jan D-Day auf die Nerven, aber er hat ja seine große Liebe Laura, die ihn nach einem Auftritt ansprach und nun Teil seines Lebens sein will. Zur gleichen Zeit startet der Comedian Max Dopper eine neue TV-Show. Er überrascht mit Witzen über den Krieg und wirbt Hendrik als Gagschreiber ab. Ehe er sich versieht, ist er 'Comedy Content Director', sammelt Geld auf dem Konto und Überstunden im Büro, verliert allmählich den Überblick - und komplett die Nerven, als er eines Tages erkennen muss, dass er betrogen wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.06.2004

Der Autor hat sich nicht wirklich etwas getraut, bedauert der Rezensent. Und zwar hat er sich seines Erachtens nicht wirklich getraut, das Jungliteraten-Milieu mitsamt "Windelprosa, Schnulleralarm, Ich-und-meine-Welt-Literatur" hinter sich zu lassen. Doch Ansätze sind vorhanden, "ein Anfang" immerhin ist gemacht, hebt Bartels hervor: Hülswitt hat sich einen größeren Stoff und ein heikles Thema gesucht, das Medienmilieu, das darzustellen und literarisch umzuformen nun eigentlich besonders schwierig sei, wie Bartels meint. Doch gerade dieser Teil seines Romans, in dem es ums Fernsehen und ums Gagschreiben geht, sei gelungen, lobt der Rezensent. Dass sich Hülswitt jeder biederen Medienkritik enthält, findet ebenfalls die Anerkennung des Rezensenten. Ein Problem sieht Bartels allerdings in der Gegenwelt zum Medienmilieu, nämlich das echte Leben, das der Autor mittels eines Eifersuchtsdramas zu erzeugen oder füllen sucht: hier herrschten wieder die Irrungen und Wirrungen der Noch-Zwanziger, die Bartels wieder an jene "Windel-Ödnis" gemahnen, derer er sich doch entledigen wollte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2004

Viel fällt Kai Martin Wiegandt nicht ein zu Tobias Hülswitts neuem Roman, aber für einen ziemlich heftigen Verriss reicht's allemal. Vor allem scheint er sich gelangweilt zu haben: ein paar sympathisch-schlichte Figuren und die böse Entertainment-Industrie, na toll! "Und was von dieser Geschichte zu erkennen ist", schreibt Wiegand, "geht leicht in einem Witz- und Anekdotenfeuerwerk unter", das leider nicht witzig sei, bis auf wenige Ausnahmen. Also schnell zum Fazit: Eine "kurzatmige Gagparade, die den Unterhaltungsbetrieb nachzuäffen versucht, aber selber keinen Standpunkt außerhalb dieses Betriebs findet."
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