"Behinderte Paare eröffnen den Opernball"; "Wunder der Natur mit vier Füßen kann gehen wie andere Menschen" - Schlagzeilen - vom Beginn des 21. Jahrhunderts bis zurück ins 16. Jahrhundert. Sie nehmen Bezug auf Berichte von Menschen mit Behinderungen. Sie sprechen die Sensationslust des Publikums an. Eine Beachtung, die bloßstellen kann, aber andererseits werden auch Besonderheiten bewusst dokumentiert. Behinderte Menschen tanzen und wissen sich wie andere selbst weiterzuhelfen. Darstellungen, nicht zuletzt die Werbung, mit behinderten Menschen nehmen zu und lösen sich langsam von der Orientierung am Bizarren. Die biografische Perspektive und ihre Reflexion erscheint als Ausgangspunkt für authentische Reportagen. Damit wird der vom Autor in "Verborgene Behinderungen 25 Porträts bekannter behinderter Persönlichkeiten" (Berlin 2000) begonnene Ansatz in einem problemgeschichtlichen Blickwinkel fortgesetzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.05.2004
Keyvan Dahesch lobt, dass Christian Mürner in diesem Buch Flugblätter, Plakate, Gemälde und Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern aus fünf Jahrhunderten "akribisch ausgewertet" habe. Eingehend, erfährt man, beleuchtet der Autor die hinter vielen reißerischen Schlagzeilen steckenden Ereignisse und "grübelt" über die jeweiligen Absichten der Verfasser: Sollten manche Nachrichten von gelungener Integration zeugen, oder waren sie vielmehr spöttisch gemeint? Eine der Erkenntnisse des Autors nach dem Durchgang durch Medienerzeugnisse seit dem 16. Jahrhundert lautet, wie wir noch erfahren: "Medien gelten als Korrektiv der Macht, was aber nicht zwangsläufig Parteinahme für diskriminierte Menschen bedeutet."
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