Antiamerikanismus hat im modernen Deutschland eine lange, wenn auch keineswegs bruchlose Tradition. Das durchaus ambivalente Verhältnis zu Amerika erfüllt in sehr unterschiedlicher Weise eine wichtige Funktion bei der Frage nach der eigenen deutschen Identität. Christian Schwaabe verknüpft in seiner Untersuchung diese beiden Dimensionen als zwei Seiten derselben Medaille: Die deutschen Amerikabilder sind Spiegelungen des eigenen Selbstbildes. Dabei markiert das Jahr 1945 eine fundamentale Wende. Der Antiamerikanismus vor 1945, zumal in Weimar, ist ein rechter, radikal antiwestlicher. Nach 1945, mit dem apokalyptischen Scheitern des deutschen Gegenentwurfs eines martialischen Heldentums, wird Amerika in vielerlei Hinsicht zum Katalysator der bundesdeutschen Verwestlichung. Neben der lebensweltlichen "Amerikanisierung" kommt es spätestens mit 1968 und dem Vietnamkrieg zu einem neuen, nun "linken" Antiamerikanismus. Jetzt stehen die USA, in bemerkenswerter Verkehrung der alten Rollen, für Militarismus und Imperialismus. Sie stehen damit auch für die eigene deutsche Vergangenheit, von der sich die zivilen, postheroischen Bundesbürger gründlich gelöst haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2004
Werner Fink ist skeptisch: Wenn der Antiamerikanismus, historisch gesehen, eine Reaktion gegen Moderne und "Verwestlichung" war, wie passt dann die Amerikafeindlichkeit der Linken in dieselbe Kategorie? Denn so lautet eine These von Christian Schwaabe: rechter Antiamerikanismus seit dem Kaiserreich, linker seit 1968, unterbrochen nach 1945 von einer Phase des positiven deutschen Amerikabildes. Leider ist damit, so Fink, "wenig an begrifflicher Klarheit gewonnen" - die Begriffskeule, mit der sich gegenwärtig so harte Schläge austeilen lassen, bleibe auch am Ende der Lektüre intakt. Aber immerhin, beeilt sich der Rezensent hinzuzufügen: eine anregende Geschichte sich wandelnder Amerika-Bilder im deutschen Bewusstsein habe Schwaabe dennoch geschrieben.
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