Aus dem Rumänischen von Mihai Tropa. Mit Andrei Plesu hat Rumänien eine Stimme im Kreis der europäischen Völker. Seine poetischen Beschreibungen, hintergründigen Gedanken, Skizzen und Fragmente spiegeln Land, Menschen und Kultur in "der Ferne" der Verbannung - wie auch die Fotografien von Peter Mercea. Denn in der Verbannung während der Ära Ceausescus wurden diese Aufzeichnungen niedergeschrieben. Und sie sprechen damit zugleich von der Chance der "Dissidenz", von wirklicher Freiheit, der Freiheit auch von den "Knechtschaften der Dissidenz". Für Andrei Plesu muss sich geistige Anstrenung in praktischer Relevanz beweisen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2000
Einleitend erläutert Edward Kanterian die ungewöhnlichen Umstände, die dem Erscheinen dieses Bandes vorausgegangen sind. Denn Plesu wurde einige Monate vor dem Sturz Ceausescus in die Verbannung geschickt - weil er sich mit einem deutschen Verleger getroffen hatte. Dieses dort entstandene Tagebuch ist nun von dem Verleger Ernst Wolfgang Huber zehn Jahre nach seiner Rumänienreise und dem Treffen mit Plesu, veröffentlicht worden. Dass Plesu in seinem Buch keineswegs mit dem Sozialismus und seinen Machthabern abrechnet oder sich zumindest damit auseinandersetzt, mag manchen überraschen, so der Rezensent, erwartet man bei Dissidenten doch gemeinhin eine Reflexion über diese Umstände. Und ebenso überraschend scheint, dass dieses Tagebuch nicht von Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung geprägt ist, sondern von der "Heiterkeit und Melancholie eines Kulturmenschen". Aber gerade dies hat den Rezensenten offenbar besonders beeindruckt. Denn Plesu habe auf diese Weise sich nicht nur von "allen weltlichen Fesseln" befreit, sondern auch von "denen der Dissidenz". Neben Plesus Betrachtungen über Natur, Religion, Literatur, Kunst und Kultur liege die Stärke des Bandes vor allem in der "tiefen philosophischen Reflexion und weit reichenden politischen Bildung" des Autors, die hier deutlich werde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2000
Ein Dokument der Verbannung - aber ein heiteres, wenn man dem Rezensenten mit dem Kürzel "lx." glauben darf, der den Band in einer Kurzkritik bespricht. Plesu, der das Buch vor 1989 geschrieben hat und von 1997 bis 1999 Außenminister Rumäniens war, habe in der dörflichen Verbannung die herben Reize der Landschaft entdeckt, die ihm "Strafe" sein sollte. Dass er in seiner Zwangssituation gerade kein politisches Pamphlet geschrieben hat, wertet der Rezensent als ein Zeichen der Ungebrochenheit durch die politische Unterdrückung.
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