Bücherschau der Woche
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Klappentext
Die Bilder des hingerichteten Diktators Nicolae Ceausêscu gingen im Dezember 1989 um die Welt. Bevor er durch einen blutigen Aufstand gestürzt wurde, stand er über 20 Jahre lang an der Spitze des rumänischen Staates. Geschickt hatte er sich auf der weltpolitischen Bühne bewegt und war auch bei westlichen Staatsmännern lange Zeit ein gefragter Gesprächspartner. Angehörige der nationalen Minderheiten wie die Rumäniendeutschen waren dabei oft ein Faustpfand im machtpolitischen Kalkül. Zeitweilig verschaffte er sich die Unterstützung der Bevölkerung durch ein großangelegtes Wohnungsbauprogramm. Seine Machtposition sicherte die Geheimpolizei Securitate mit allen Mitteln ab. Um den "Conducator" entwickelte sich im Laufe der Zeit ein absurder Personenkult. Seine Familie lebte im Luxus, während die Bevölkerung ab den 80er Jahren fror und hungerte. Thomas Kunze hat Zeitzeugenberichte sowie aufschlussreiches Archiv- und Bildmaterial zutage gefördert und zeichnet die Lebensgeschichte des Diktators auf fesselnde Weise nach.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2001
Unterhaltsam und umfassend ist sie schon die Biografie Ceausescus, meint zumindest der Rezensent Edward Kanterian, aber sie "präsentiert kaum Neues". Nach Meinung des Rezensenten liegt dies nicht zuletzt daran, dass der Autor keine wirklichen Archivrecherchen unternommen habe, sondern sich eher auf Gerüchte und politische Witze verlasse. Der Ansatz des Autors, die offizielle Hagiografie mit den Tatsachen zu kontrastieren, sei zwar interessant, so Kanterian, werde aber nicht konsequent durchgehalten. Zudem vermisst Kanterian eine "systematische Einbettung in den Stand der politischen Forschung über den Ostblock". Weniger Unterhaltungs- dafür aber mehr Informationswert wäre dem Rezensenten offenbar lieber gewesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2000
Als deutscher Gastlehrer lebt der Autor, Historiker und Publizist aus Leipzig, seit 1995 in Rumänien, schreibt Annemarie Weber, derzeit in Deutschland lebenden Redakteurin der "Hermannstädter Zeitung" (Rumänien). Kunzes Biografie des "roten Vampirs" gesteht sie zu, immerhin die "bisher umfassendste Lebensbeschreibung des ehemaligen kommunistischen Diktators" zu sein. Aber sie hat Einwände, und die betreffen vor allem seine durch DDR-Erfahrung, wie sie meint, geprägte "all zu große Milde in der Einschätzung zeitgeschichtlicher Zusammenhänge". Ihre Beispiele reichen von Kunzes Begründung, warum Chruschtschow schon dem Vorgänger Ceausescus einen relativ unabhängigen nationalistischen Kurs erlaubte (er "hatte andere Probleme") bis zur "erstaunlichen" Uninformiertheit, was die deutsche Minderheit in Rumänien betrifft. Zwar hebt sie hervor, dass Kunze den Verdacht ausräumt, Helmut Schmidt habe 1978 die damaligen "Kopfgeldzahlungen" für Auswanderer durch die Bundesrepublik ausgehandelt. Aber dann wirft sie ihm wieder vor, Ceausescu "unverdientes Lob" für sein Wohnungsbauprogramm zu zollen. Für die schnell verfallenden Wohnsilos, die damals entstanden, sind halbe Städte und ganze Dörfer zerstört worden, betont sie dagegen und findet, dass bei Kunze auch die Darstellung der "Volksrevolte vom Dezember 1989" all zu sehr "an der Oberfläche" bleibt. Auch wenn Weber dem Autor bescheinigt, ihm sei eine "plausible Darstellung des Kommunismus in Rumänien" gelungen, so wiegen ihre kritischen Einwände der Rezensentin doch recht schwer.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2000
Rezensent Hans Pleschinski beginnt seine Besprechung mit der Erinnerung daran, wie sehr der damalige rumänische Staatschef vom Westen aufgrund seiner von Moskau unabhängigen Außenpolitik gehätschelt wurde und dass er sogar einmal als Kandidat für den Friedensnobelpreis galt. Die "detailgenaue" Biografie Ceausescus zeigt jetzt, wie ungeheuerlich das aus heutiger Sicht ist. Pleschinski schreitet mit dem Autor die Lebensstationen des Mannes ab, der als Bauernjunge und Schusterlehrling schließlich vom "ideologischen Fanatiker zum Diktator" wurde. Immer wieder tauchen in der Besprechung Worte wie "gespenstisch" oder "unfassbar" auf, wenn die Verhältnisse in Rumänien unter der Herrschaft des Ehepaars Ceausescus (Ehefrau Elena war keinen Deut besser als er) beschrieben werden. Immer wieder betont Kunze, so der Rezensent, wie erschreckend wenig Widerstand dem Herrscherpaar selbst von Intellektuellen entgegengesetzt wurde. Im Nachwort, so Pleschinski, wird ebenso "schlicht wie gültig" ausgesprochen: 'Der Nährboden einer Diktatur sind Opportunismus, Kollaboration, Angst und Kleinmut.' Ob die gewiss historisch tief liegenden Ursachen für die Dominanz solcher Gefühle und Verhaltensweisen in diesem Buch analysiert sind, bleibt leider unklar.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2000
Ein glatter Verriss. Vom Verlag großspurig angekündigt als die erste wirklich recherchierte Ceausescu-Biografie, enttäuscht dieses Buch den Rezensenten William Totok nachhaltig. Totok bemängelt die ungeprüfte Übernahme dubioser Informationen, die teilweise aus dem Kreis übergelaufener Ex-Securitate-Mitarbeiter stammen. Zwei seriöse Werke zur Geschichte Rumäniens vermisst er dagegen in der Literaturliste, auch das vorhandene Archivmaterial sei unzureichend genutzt. Auf die Idee, einstige Mitarbeiter Ceausescus zu interviewen, sei der Autor leider auch nicht gekommen. Diese Biografie sei ein rundum "unkritisches Spiegelbild der Gerüchte und Anekdoten" über den einst mächtigsten Mann Rumäniens und damit Teil der Politfolklore, die mit immer unglaublicheren Geschichten aus der Vergangenheit aufwartet. Für Totok ein unseriöses und nicht ernst zu nehmendes Unterfangen.
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