Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Mit 300 Abbildungen. Am 18. März 2004 wird Christa Wolf, die diese strengen Maßstäbe an sich und ihr Schreiben anlegt, 75 Jahre alt. Diese Bildbiografie über die bedeutendste deutschsprachige Autorin der Gegenwart zeigt einen Menschen, der sich im Literarischen und Politischen weder in der DDR noch später in der Bundesrepublik zu Zugeständnissen bereit gefunden hat. Anhand autobiografischer Texte aus den Essays und Briefen und von Faksimiles ihrer Manuskripte und anhand von ca. 300 Fotos - viele stammen aus ihrer privaten Sammlung - wird Christa Wolfs Leben über die Jahre hinweg und von Werk zu Werk nachvollziehbar. Den Abschluss bildet eine ausführliche Chronologie ihrer Lebensstationen und ihrer Publikationen. Christa Wolfs jüngstes Werk "Ein Tag im Jahr" wurde im Herbst 2003 von Lesern und Kritik mit großer Begeisterung aufgenommen. Wie nie zuvor gibt sie darin Auskunft über sich und ihr Leben.
Rezension Perlentaucher
Auf Seite 49 stößt der Leser auf eine "Vollmacht", gegeben vom Werkdirektor Schneider auf dem Briefpapier "VEB Waggonbau Ammendorf" vom 2.6.1960: "Ich erteile hiermit die Genehmigung, dass die Genossin Christa Wolf und der Genosse Gerhard Wolf in sämtliche Betriebsunterlagen, d.h. Pläne, Produktionsprotokolle und andere für sie interessante Unterlagen Einsicht nehmen können." Die Einsichten, die Christa Wolf auf ihrem Bitterfelder Weg gewann, verhalfen ihr und einer inzwischen weltweiten Öffentlichkeit zum "Geteilten Himmel". Ein paar Seiten später sieht man Christa Wolf mit den Angehörigen ihrer Brigade in Ammendorf während der Dreharbeiten zur Verfilmung des Romans diskutieren. Über den "Bitterfelder Weg" schrieb Christa Wolf 1990: "Die Bitterfelder Konferenz von 1964 wird heute eigentlich nur lächerlich gemacht. Sie war auch zum größten Teil komisch und lächerlich. Darüber könnte man eine Komödie schreiben. Aber manche Künstler haben etwas daraus gemacht...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2004
Heinz Ludwig Arnold gesteht, selten einen biografischen Bildband mit so viel "Aura" durchgeblättert zu haben: "aber Aura nicht als distanzierender Schein, sondern als sympathetisches Angebot". Hier gelinge es tatsächlich, einen Lebensweg anschaulich zu machen, einen Weg, den Christa Wolf als Mensch und Schriftstellerin zurückgelegt hat, und der sich im Rückblick in Phasen unterteilt, die der Herausgeber sehr treffend durch Zitate aus ihrem Werk überschrieben habe. Privates und Offizielles, Familie und Kollege - und immer wieder blickt man, so Arnold, "in die ausdrucksvollen Augen von Christa Wolf selbst: neugierig, skeptisch, freundlich, voller Empathie und Offenheit."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2004
Eine "schlichte Bildbiografie" ist Peter Böthig mit diesem Band gelungen, lobt die Rezensentin Beatrix Langner. Denn Christa Wolfs Leben in Bildern hat ihr gleich in mehrerlei Hinsicht gefallen: im weichen, weil fließenden "Altern", das sich in der Folge der Schwarzweißfotos vollzieht, und in der von Zitaten aus "Briefen, Reden, Gesprächen, handschriftlichen Faksimiles" gestifteten "Kohärenz", in der Balance zwischen "der Einsamkeit der Selbstauseinandersetzung und dem Lebenselixier der Kommunikation", um die auch Wolf seit jeher bemüht sei. Aus dieser Fotochronik, die die Schriftstellerin oft mit anderen, bekannten oder unbekannten Menschen zeigt, so die Rezensentin, ist mehr geworden als ein Gruppenbild mit Dame, nämlich "das Porträt der Schriftstellerin als Gruppenbild".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004
Ein wenig wundert es Verena Auffermann schon, dass Christa Wolf, die eher als öffentlichkeitsscheu und spröde gilt, Stück für Stück das eigene Leben, die eigene Biografie preisgibt. Der neue und aufwändig gestaltete Bildband hat sowohl offiziellen wie privaten Charakter, erkennt Auffermann. Neben Babyfotos, Bildern von Konfirmation, Abitur, von der Bitterfelder Konferenz (Wolf neben Ulbricht) oder der großen Demonstration im November 1989 auf dem Alexanderplatz stehen Aufnahmen mit dem Verlobten, als Studentin, im Erholungsheim, Szenen einer privaten Biografie ebenso wie eines von Vorträgen und Lesereisen ausgefüllten Arbeitslebens. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, die nun zu Lebzeiten schon in Klassikergewässer steuert, bemerkt Auffermann, aber dennoch keine Genussgeschichte, stellt sie auch fest. Das liegt daran, vermutet Auffermann, dass sich Wolf immer gequält hat: als Mutter ebenso wie als Schriftstellerin und Staatsbürgerin. Und so wird aus einem alles in allem erfolgreichen Schriftstellerleben doch kein Triumphzug, sondern das Abbild einer "Geschichte in der Klemme", wie Auffermann schreibt.
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