Bücher der Saison
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Klappentext
Deutschland braucht dringend grundlegende Reformen - doch wohin diese Reformen eigentlich führen sollen, das scheint selbst vielen Politikern nicht recht klar zu sein. Paul Nolte analysiert die Schieflagen und Sackgassen, in die wir in den letzten Jahrzehnten hineingesteuert sind, und plädiert für eine neue Bürgergesellschaft, in der Individualismus, Initiative und Verantwortung nicht im Gegensatz zu einer solidarischen Gemeinschaft stehen. Seine Thesen über die Zumutungen, die wir uns alle in diesem Reformprozess gefallen lassen müssen, sorgen für Zündstoff in einer scheinbar ausgelaugten Debatte. Gegen die ängstliche Verteidigung von Besitzständen ebenso wie gegen die Leichtigkeit der Spaßgesellschaft artikuliert sich hier die wache intellektuelle Stimme einer Generation Reform.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2004
Gute Noten vergibt Rezensent Arnulf Baring an diese Essays, die alle um "den beklagenswerten Zustand Deutschlands und die Benennung seiner Defizite" kreisen. Zwar findet er den Titel des Bandes insofern verwirrend, als es aus seiner Sicht nicht um Reformen, sondern "eher eine Gegenreformation" geht. Auch kann der Rezensent bisher keine Generation erkennen, die sich entschlossen für eine fundamentale Erneuerung dieser Republik einsetzen würde. Ansonsten hat er nur Lob für Paul Nolte und sein Buch, dessen Texte er für "Vorstudien für eine grundlegende Analyse der gegenwärtigen deutschen Irrgärten" hält. Noltes sozialwissenschaftlich geschulter Blick erfasse präzise die wesentlichen Zusammenhänge. Besonders einverstanden ist er mit der Forderung des Bremer Historikers nach einer neuen Bürgergesellschaft. Eindrucksvoll findet er auch das "Verblassen, ja Verschwinden" des deutschen Konservatismus beklagt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.05.2004
Relativ angetan zeigt sich Rezensent Alexander Kluy von Paul Noltes "Generation Reform", auch wenn ihm der Titel wegen des gegenwärtig inflationären Gebrauchs von Ausdrücken wie Generation, Reform, Innovation recht unglücklich scheint. Deutschland werde beherrscht von Zögern und Zaudern, von einer Mentalität sozialer und monetärer Rundumversorgung, von ausgeprägtem Anspruchsdenken und hedonistischen Zukunftsverweigerung, rekapituliert Kluy die Diagnose, um die Noltes Aufsätze kreisen. Nolte plädiere dagegen für einen Abschied von märchenhaft gewordenen Illusionen und für einen System- und Denkwechsel, kurz: für mehr Innovation, mehr Investitionen, mehr Risiko. Mit zahlreichen Thesen treffe Nolte dabei ins Schwarze. Weniger überzeugt haben Kluy indes Passagen, in denen es um die praktische Umsetzung von Noltes Thesen geht. Hier verwirrten sich dessen Argumentationslinien zusehends. Der Schlusstext, eine "wertkonservative Feier einer religiös motivierten Gesellschaft", mutet Kluy gar "merkwürdig" an.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.04.2004
Tobias Dürr ist von dem "Mut" und dem "beträchtlichen Selbstbewusstsein", mit dem der Autor Paul Nolte einmal mehr eine neue Generation ausruft, schon mal ziemlich beeindruckt. Hier "traut sich einer was", stellt er anerkennend fest. Nolte ruft in seinem Buch nämlich nach der bereits verblassten "Generation Berlin" oder "Generation Golf" nun eine "Generation Reform" auf den Plan, erklärt der Rezensent interessiert. Er findet die Bestandsaufnahme Noltes, dass nämlich die "alten Denkmuster und Paradigmen" der letzten Jahrhunderte den tief greifenden Veränderungen der Gesellschaft längst nicht mehr gerecht werden, sehr überzeugend. Und so besteht für ihn kein Zweifel, dass Nolte mit seinem Buch die "Krise der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft" auf "scharfsinnige" Weise und dabei "eindringlich und mit so viel historischer Tiefendimension" erfasst hat wie kaum ein anderer. Damit, so Dürr emphatisch, ist Nolte "prädestiniert" zum "intellektuellen Fähnleinführer" der von ihm beschriebenen "Generation Reform", und es bliebe zu wünschen, dass die notwendigen Veränderungen nun tatsächlich in die Tat umgesetzt werden.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004
"Interessant" ist Paul Nolte ja, gesteht Ulrike Herrmann. Denn er wage es, Deutschland als das zu bezeichnen, was es schon längst sei: eine Klassengesellschaft. Aber mit dem Ton, mit dem Nolte sein Programm der Umerziehung der Unterschichten vorträgt, ist die Rezensentin nicht einverstanden. Es strotze vor "Selbstzufriedenheit", solches Denken sei schlicht "elitär". Und wenn Nolte, der eben noch über das Totschlagsargument des Sozialneids geklagt habe, über seine Feindbilder herziehe, scheue er seinerseits keineswegs die "Klischee-Bratpfanne". Außerdem wirkt sich nach Ansicht Hermanns der essayistische Stil der einzelnen Texte nachteilig aus, wenn sie wie hier in einem Buch zusammengefasst sind. Oft bleibe "unklar", wie die Einzelbeobachtungen zusammenhängen sollen. Argumente und Klagen wiederholen sich im Laufe der Lektüre, kritisiert die Rezensentin, und so werde nur Noltes "Schreibbaukasten" deutlich.
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