Fast zerbricht der Held in Petra Morsbachs neuem Roman am Zwiespalt zwischen den Anforderungen seines Amtes als Priester und den eigenen Bedürfnissen. Er ist die respektierte moralische Instanz seines Dorfes, in dem mit Inbrunst gelebt und gestorben wird. Aber auch in dieser Gemeinde bricht das 21. Jahrhundert an, und nicht nur fromme oder eigenwillige Kirchgänger sind seine Klientel, sondern auch hybride Unternehmer, sächsische Lehrlinge, missionarische Atheisten und komplizierte Mitbrüder. Er sucht Gott, ringt mit den eigenen und den Unzulänglichkeiten der Kirche, flüchtet in virtuelle Liebschaften, sorgt sich um Quartalskatholiken, Gottverlassene, Weltentrückte, und erfährt zuletzt eine unerwartete Befreiung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 11.11.2004
Petra Morsbach, die in ihren Büchern schon hinter die Kulissen eines Reiterhofs und eines Opernhauses geschaut hat, beleuchtet in ihrem neuen Roman die Welt des katholischen Priesters Isidor Rattenhuber, teilt Eberhard Falcke mit. Zunächst begrüßt er es, dass die Autorin sich eines Standes annimmt, dessen Vertreter in der Literatur zumeist nur als Nebenfiguren und kaum je als "Sympathieträger" erscheinen. Morsbach umgeht in der Schilderung des Alltags des Priesters "Typisierung und Klischees" und beschreibt wenn nicht auf "brillant hochfliegende Art", so doch sehr "solide, eindringlich und einnehmend" die Lebenswelt Rattenhubers, lobt der Rezensent angetan. Die Autorin werfe einen Blick "hinter die zeremonielle Pracht", so Falcke, der betont, dass dies, auch wenn Morsbach in Rattenhuber keine "Ausnahmefigur" schildert und ihn weder als Kinderschänder oder als heimlichen Homosexuellen noch als einen unter übermächtigen Glaubenszweifeln Leidenden zeichnet, richtig "interessant" ist. Der Rezensent hebt das Talent der Autorin hervor, sich in die "verschiedensten Lebenswelten" hineinzudenken und zu -fühlen und er bescheinigt ihr, auch in ihrem jüngsten Buch "als narrative Metaseelsorgerin" kenntnisreich und einfühlsam "gute Arbeit geleistet" zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2004
Hans Christian Kosler vermisst das "nötige Maß an Dramaturgie" in Petra Morsbachs Roman. Die Geschichte um den Pfarrer Isidor Rattenhuber, der sich vom stotternden Dorfdepp aus Niederbayern zur Priesterweihe hocharbeitet und dann mit den Anfechtungen des Pfarrerlebens zu kämpfen hat, ist Rezensent Kosler schlichtweg zu ausführlich. Die breite Ausführung aller "Wehwehchen der Gemeindemitglieder", so beklagt Kostler, sei der "Orientierung" des Lesers abträglich und lasse den Roman "auf der Stelle" treten. Auch wenn Petra Morsbach mitunter zu "drastischen Mitteln" greife, um die Versuchungen eines "Provinzgeistlichen" zu zeigen, - letztlich findet Kosler den Roman "behäbig".
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