Bücherschau der Woche
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Klappentext
Herausgegeben und neu übersetzt von Elisabeth Edl. Mit Nachwort, Zeittafel, Anmerkungen. "Rot und Schwarz", einer der größten Romane der Weltliteratur, erzählt die Geschichte von Sorel, dem Emporkömmling aus der Provinz, der nach Geld und Macht strebt und nach anfänglichem Erfolg den Untergang in einer von Geld und sozialer Hierarchie bestimmten Welt erleben muss. "Das beste Werk von Stendhal" (Johann Wolfgang von Goethe) ist mit einem überaus reichen Anhang nun neu zu entdecken.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.07.2004
Martin Zingg hält gleich mehrere Lobreden: als großartig preist er Stendhals Roman "Rot und schwarz" aus dem Jahr 1830, der heute zur Weltliteratur zählt und dessen gesellschaftskritische Haltung zu seiner Zeit nicht verstanden wurde. Mindestens ebenso großartig findet Zingg die Neuübersetzung des Romans von Elisabeth Edl, die "bis in die Tiefen und Untiefen des Satzbaus hinein" sich dem Duktus des Originals weitestgehend angenähert hat. Zudem habe sie die nötige Distanz gewahrt, jubelt Zingg weiter, dem Text als Übersetzung seine Fremdheit belassen und Stendhals viele verschiedene Tonlagen freigelegt: Stendhal sei kein durchgehend guter Stilist gewesen, auch dem habe Edl Rechnung getragen und nichts geglättet. Darüber hinaus, setzt Zingg sein Loblied auf die Übersetzerin fort, liefere Edl einen hervorragenden Kommentar zum historischen Hintergrund des Romans, der die nachnapoleonische Gesellschaft unter die Lupe nimmt, gehe auf die zeitgenössische Rezeption und Stendhals Selbstkritik zu dem Roman ein. Kurzum: unbedingt eine Neuentdeckung wert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.06.2004
Keinen Zweifel lässt Andreas Isenschmid daran, dass er Stendhals "Rot und Schwarz" zu den ganz großen Büchern des 19. Jahrhunderts zählt. Dass weder Flaubert noch Claude Simon das so sehen wollten, das spreche eher für die entschiedene Eigenart dieses Buches als für deren Literaturverständnis. Mit großer Entschlossenheit verzichtet Stendhal, so Isenschmid, auf alle introspektive Psychologie, die spätere Werke des Jahrhunderts auszeichnen sollte. Stattdessen sei er im Grunde ein Autor von "Laborprotokollen". Entsprechend der Entwurf seines Helden, an dem alles "Kalkül und Künstlichkeit" ist, das perfekte Objekt für die Liebes- und politischen Experimente, die Stendhal mit ihm im Sinn habe. Ganz außer sich vor Begeisterung ist der Rezensent über diese neue Übersetzung, die diesen Roman nun "endlich und wirklich in Deutsch" zugänglich mache. Bei allen Stichproben, die Isenschmid zum Vergleich mit früheren Übersetzungen vorgenommen hat, hat sich die neue Übertragung von Elisabeth Edl als überlegen erwiesen, das heißt: als "knaper, treffender, rhythmussicherer". Ebenso überzeugend findet der Rezensent das Nachwort der Übersetzerin und die Anmerkungen, die "genau, einfallsreich und gebildet" seien. Eine ganz uneingeschränkte Lobeshymne.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2004
Stefan Zweifel bejubelt diese neue Übersetzung von Stendhals Roman "Rot und Schwarz" von Elisabeth Edl als "meisterliche Übertragung" eines "Meisterwerks". Neben den hilfreichen Erläuterungen und Kommentaren begeistert den Rezensenten besonders die "gnadenlose" Genauigkeit der Übersetzung. Dass dabei mitunter sieben mal das gleiche Wort auf einer Seite auftaucht, findet er vollkommen angemessen, schließlich, betont Zweifel, hat der französische Autor es genau so geschrieben. Der Roman, in dem es um den Aufstieg Jan Sorels geht, der nur im "Spiegel der Gesellschaft" Zufriedenheit findet, bildet eine ganze Epoche ab, ist dabei aber auch "zeitlos", schwärmt Zweifel. Er preist die "unerreicht brutale Ökonomie von Liebe und Hass", die Stendhal in seinem Roman entfaltet und die, wie er findet, bis in die "Syntax" ausformuliert ist. Er vergleicht verschiedene Übersetzungen des Romans und gibt Edls Version uneingeschränkt den Vorrang, weil sie die Vorlage weder "verbessert" noch "ausdeutscht", sondern ihre Fassung so eng wie möglich an das Original angelehnt ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004
Einfach alles findet Rezensent Gustav Seibt an diesem Roman "genialisch", zu allererst aber den Titel, der für ihn gleichsam das Ganze anklingen lässt beziehungsweise vorwegnimmt, nämlich dass die Welt "in zwei Teile zerfällt" und somit von vornherein zum Kampfschauplatz bestimmt ist. Seibt geht es vor allem darum, in Stendhals Roman herauszustreichen, was seiner Meinung nach bislang zu kurz gekommen ist: das politische Porträt der modernen Welt, die aus der französischen Revolution hervorgegangen ist. Stendhals Diagnose laute folgendermaßen: Revolution steht nicht am Anfang der gesellschaftlichen Erneuerung, sondern stellt schlichtweg das "Prinzip der Gesellschaft nach dem Ende der Tradition" dar. Und die treibende Kraft dabei, so der Rezensent, ist das Geld, nach dem das gesamte Romanpersonal in einem fort trachtet. Was die vorliegende Neuausgabe von Elisabeth Edl angeht, hat Seibt nur Gutes zu berichten: Ihr Nachwort ist "hilfreich", und der Kommentar "besticht" durch Zitate aus dem von Stendhal selbst annotierten "Buccini-Exemplar". An der Übersetzung allerdings hat Seibt schon eher etwas auszusetzen, was er jedoch gleich mit Stendhals stilistischer Eigentümlichkeit entschuldigt. Denn Stendhal schreibe "al fresco", in "leidenschaftlicher Bewegtheit", was den Übersetzer vor die schwierige Frage stelle, was hier zu übersetzen sei: das Wort oder der Ton. Edl hält sich an den Text und "opfert" nach Ansicht des Rezensenten den "sound", der beispielsweise bei Otto Flake, in seiner weitaus freieren Übersetzung, aufs Frischeste erhalten bleibt. Und doch, so Seibt, gibt es Dinge, die erst durch Edls gewissenhafte Präzision ins Auge stechen, und das macht diese Übersetzung wichtig.
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