Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2004
Kristina Maidt-Zinke findet in diesen Erzählungen mehr als nur die Tristesse von "Dänen-Szenen" und die "Grundstimmung zwischen lakonischem Humor und unheilbarer Depression". Naja Marie Aidts schaffe es mit wenigen Strichen, Milieus und Figuren prägnant zu zeichnen, wie etwa den übergewichtigen Andre Jean Hansen, der trotz seiner Körperfülle kein Sitzfleisch habe und schlichtweg "süchtig nach Umzügen" sei: Die neue Wohnung ist für ihn ein Paradies, für seine Freundin aber ein Albtraum, und so ist sie es, die den nächsten Umzug beschließt. "Ein kleines Drama unter normal Verrückten", so die Rezensentin, "leise und unspektakulär, aber von beklemmender Eindringlichkeit." Gut gefallen hat der Rezensentin, wie hinter Aidts "knapper, lässiger Alltagssprache" tiefe Abgründe sichtbar werden, skurrile "zwischenmenschliche Kommunikationsstörungen", die laut Rezensentin in nordischen Ländern gepflegt werden, wie ein "kostbares Kulturgut".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2003
Sehr couragiert findet Martin Halter die Initiative eines Kleinverlages wie der Achilla Presse in Hamburg, nun schon zum zweiten Mal einen Erzählband einer jungen dänischen Autorin zu veröffentlichen, der nichts Aufsehenerregendes an sich hat, sondern eher eine Art stiller und recht unzugänglicher Prosa darstellt. Halter hat dennoch Zugang dazu gefunden, allerdings entziehen sich Aidts subtile Beobachtungen der fragilen Existenzen ihrer Figuren den gängigen Wahrnehmungsmustern und schnellen Zuschreibungen, warnt er. Ihre Sprache ist schlicht, innig, kraftvoll, lobt Halter Aidts Schreibweise, mit der sie "die feinen Haarrisse" im Beziehungsgefüge von Familien, Paaren, verliebten Jugendlichen aufspürt, kleine Risse im Getriebe, die sich in null Komma nichts zu Brüchen auswachsen und in richtige Katastrophen umschlagen können. Aidts Welt ist eine melancholische Welt, hält Halter fest, jedoch zärtlich beschrieben; nur einmal gebe die Autorin dem Verlangen nach, ihre Klage moralisierend aufzulösen.
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