Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.06.2004
Ralf Berhorst ist mit dieser "fragmentarischen Quasi-Biografie", die sich vor allem Stefan Zweigs Salzburger Jahren widmet, ganz zufrieden, auch wenn er einige Kritikpunkte anzumerken hat. Zunächst findet es der Rezensent ganz sympathisch, dass diese Lebensbeschreibung nicht bei der Genealogie der Zweig-Familie ansetzt, sondern seinen "topographischen" Ausgangspunkt in der Salzburg-Zeit Zweigs hat. Allerdings irritiert es Berhorst ein wenig, dass die Leser dann mit der Beschreibung von Zweigs Leben im brasilianischen Exil bis zu seinem Suizid ohne weitere Einführung in das "letzte Lebensdrittel gestoßen werden. Die "Stärken" des Buches sieht der Rezensent ohne Frage in den "stadtgeschichtlichen Details", die nicht zuletzt deutlich machen, wie schwer sich Salzburg in seiner Aufarbeitung seines Verhältnisses zu dem Schriftstellers tat, der nicht erst seit 1933 unter dem in Österreich herrschenden Antisemitismus zu leiden hatte. Was Berhorst ebenfalls gut gefällt ist die betont "unakademische" Herangehensweise des Autors, der auf Fußnoten und Quellenbelege verzichtet. Weniger überzeugend erscheint Berhorst die durchgehende Verwendung des Präsens, die, wie er kritisiert, "zu Lasten der historischen Perspektivierung" geht. Auch dass die Fakten von Zweigs Leben mitunter "allzu episch" ausgebreitet werden, findet er etwas schade, abschließend aber lobt er dennoch das Buch als "lohnende Lektüre".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2003
Der Titel verdankt sich einer Charakterisierung Stefan Zweigs durch seinen Freund Romain Rolland, der ihn einmal als "Le Salzbourgeois volant" bezeichnet hat, gibt Stephan Templ Auskunft über eine Zuschreibung, die man nicht so ohne weiteres mit dem schwierigen Charakter des österreichischen Schriftstellers in Verbindung gebracht hätte. Der Verfasser habe sehr gründlich recherchiert, lobt Templ, weshalb die Biografie Zweigs, der 1934 nach London emigrierte und sich 1942 in Brasilien das Leben nahm, auch weniger literaturwissenschaftlich als zeit- und lebensgeschichtlich orientiert sei. Kerschbaumer hatte Zugang zu Briefen, die bislang nicht veröffentlicht waren, erwähnt der Rezensent. Dadurch habe der Autor auch erstmals die Tragweite der Geschehnisse für Zweig erfassen können, die ihn erst in Deutschland zum geschmähten Autor und anschließend in Österreich zur persona non grata machten. Der akribischen Recherche Kerschbaumers sei es außerdem zu verdanken, so Templ, dass die Öffentlichkeit bei dieser Gelegenheit erführe, dass die Universität Wien Stefan Zweig seine 1941 aberkannte Ehrendoktorwürde nie wieder zuerteilt hat.
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