Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Ernst Jünger, Gerhard Nebel
Ernst Jünger / Gerhard Nebel: Briefe (1938 - 1974)
Klappentext
Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort von Ulrich Fröschle und Michael Neumann. Der Briefwechsel zwischen Jünger und Nebel begann 1938, als sich Nebel wegen seines "Versuchs über Jünger" an den schon berühmten Autor wandte. Rund 300 Zeugnisse dieser Beziehung, die nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der gemeinsamen Pariser Zeit eine Freundschaft wurde, sind in diesem Buch abgedruckt. Behandelt werden in den Briefen die gemeinsamen Bekannten aus Paris, dann aber auch die politische und geistige Lage der Zeit. Der Briefwechsel geht ein auf den 20. Juli 1944, die Kollektivschuldfrage und die Vertreibungen der Deutschen, auf Ernst Jüngers Friedensschrift, aber auch auf Fragen des Romans im Zuge der Entstehung von "Heliopolis". Jüngers Wertschätzung für den acht Jahre jüngeren Philosophen, Altphilologen und Autor kommt deutlich zum Ausdruck. Die Briefe sind Teil jener Debatten der Nachkriegsjahre mit ihrer intellektuellen Brisanz, sie beleuchten aber auch die konservative Kritik am Nationalsozialismus schon während der NS-Zeit.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2004
"Welch ein Buch" staunt Rezensent Bernhard Gajek: gut 450 Seiten davon enthalten Briefe, Karten, Telegramme, Todes- und Heiratsanzeigen, übertrumpft von 500 Seiten Kommentar, der Werk und Biografie der beiden Briefschreiber an entscheidenden Punkten neu erschließt. Die Bekanntschaft Ernst Jüngers mit dem Kölner Deutsch-, Latein- und Griechischlehrer Nebel geht auf das Jahr 1938 zurück, erläutert Gajek, als Nebel dem bewunderten Autor seinen Aufsatz über dessen "Abenteuerliches Herz" schickte. Die Bewunderung schmeichelte Jünger, meint Gajek, doch versuchte er auch zu "versachlichen", man schrieb sich Briefe, tauschte Ideen und Gedanken aus, hielt auch während des Krieges Verbindung. Als Nebel allerdings, berichtet Gajek, Jüngers erstes Buch nach 1945, "Heliopolis", zu kritisieren wagte, gab es eine Missstimmung, die zu einer jahrelangen Unterbrechung der Korrespondenz führte. 1960 versöhnten sich die beiden, allerdings, meint Gajek, wären die Briefe seither auch konventioneller geworden. Der Kommentar, der überwiegend auf Archivmaterial beruhe, leiste Wesentliches, lobt der Rezensent, diese dreißig Jahre währende Epoche im Leben der beiden Schriftsteller zu erhellen.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.03.2004
Leider erhält der Leser von Sebastian Kleinschmidt keine detaillierten Angaben darüber, wer Gerhard Nebel war: Briefpartner von Ernst Jünger, soviel ist klar, ein Altphilologe und Philosoph, der für Kleinschmidt der ideale Jünger-Leser und ein Bewunderer von dessen "metaphysischer Phantasie, Natur- und Götterverehrung" war. Nebel, der Jünger in seiner marxistischen Phase zunächst abgelehnt hatte, konvertierte zu einem glühenden Verehrer, dessen Verehrung allerdings "nichts Subalternes" hatte, wie Kleinschmidt schreibt, und der sich über einige Schriften Jüngers durchaus kritisch geäußert hat. Nebel verfasste mehrere Aufsätze über Jünger, einer davon gab laut Kleinschmidt den Anlass für die insgesamt drei Jahrzehnte währende Korrespondenz zwischen den beiden Männern, die in den 50er Jahren aus nicht näher bekannten Gründen unterbrochen war. Im Vergleich mit anderen Jünger-Briefwechseln kommt Kleinschmidt zu dem Schluss, dass der mit Nebel der gehaltvollste war. Jünger schätzte Nebel, merkt der Rezensent an, nicht weil er ihn so bewunderte, sondern weil er selbst ein kluger Kopf war. Die beiden Herausgeber hätten im übrigen Brief für Brief einen (450 Seiten langen!) Kommentar erstellt, der Einblick in die persönlichen, literarischen und zeitgeschichtlichen Zusammenhänge gewährt.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2003
Wenig kann Rezensent Rolf Vollmann mit diesem Briefwechsel anfangen, und eingestreute Impressionen von Vollmanns Lektüreerlebnisse ("immer diese verquälten und leidigen Briefe") klingen nacht echter Tortur. So richtig weiß er nicht, wen all dies hier noch etwas angehen soll, außer "ein paar Letzte", doch die "sollen das unter sich ausmachen", findet der geplagte Rezensent. Von dem mit gravitischer Gründlichkeit ausgearbeiteten Kommentar fühlt er sich auch nicht angesprochen. Und selbst noch Nachwort und Literaturverzeichnis lösen akute Fluchtreflexe bei Vollmann aus.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








