Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Aus dem Arabischen von Magda Barakat und Larissa Bender. Wadi al-Ujun, das Tal der Wasserquellen. Nur der Regen, die Karawanen und das Gebet bestimmen den Rhythmus der Oase. Bis eines Tages Fremde die Stille jäh zerreißen, Amerikaner, die nur nach einem trachten: dem Öl unter dem Wüstensand. Voller Schrecken erleben die Dorfbewohner, wie erst die Palmen, dann sie entwurzelt werden.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2004
Ludwig Ammann stellt diesen fünfbändigen Roman, von dem jetzt der 1984 erschienene erste Band in deutscher Übersetzung vorliegt, als das längste Romanwerk der "modernen arabischen Literatur" vor. Es handelt sich dabei um die der offiziellen Geschichtsschreibung widersprechenden "Gegengeschichte" Saudi-Arabiens, das durch die von Amerika forcierte Ölförderung in einen "überstürzten Wandel" getrieben wurde. Dem Autor Abdalrahman Munif hat diese Darstellung den Entzug der saudiarabischen Staatsbürgerschaft eingetragen, weiß der Rezensent zu berichten. Die Übersetzung von Magda Barakat und Larissa Bender lobt er als "wunderbar flüssig" und die Kürzungen, die an den im Original vorkommenden Dialekt-Dialogen vorgenommen wurden, überzeugen ihn als "notwendig". Er preist den "virtuosen Erzählstil", der sich an der mündlichen Rede orientiert und an keiner Stelle die Perspektive der leidenden Menschen verlässt, die der Ölförderung mit ihren massiven ökologischen und sozialen Eingriffen entgegenstanden. Dabei sei Munif keineswegs ein "Nostalgiker", der alle Neuerungen als Teufelswerk darstellt, betont Amman. Der Rezensent findet zwar, dass manches "breiter" dargestellt wird, als dem "Spannungsbogen" gut tut, und er merkt auch an, dass die dargestellten Amerikaner ziemlich "blass" bleiben. Dafür lobt er nachdrücklich die Schilderungen der arabischen Elite und er hat viele beeindruckende, weil "merkwürdige" Charaktere in diesem Roman gefunden. Dieses Buch ist eine Mischung aus "traditionellem Volksroman", der manchen sagenhaften Zug hat, und "litterature engagee", die Missstände anprangert, meint Amman.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2004
Stefan Weidner ist ganz aus dem Häuschen, weil - endlich! - eines der großen Kultbücher der arabischen Welt übersetzt wurde, einer der am häufigsten gestohlenen Titel, preist Weidner den Roman des gerade verstorbenen Autors Abdalrachman Munif an. Man zögert, ihn als saudiarabischen Autor zu bezeichnen, denn für "Salzstädte", 1984 auf arabisch erschienen, wurde Munif, Kind eines Saudi und einer Irakerin, die saudiarabische Staatsbürgerschaft aberkannt. Der Roman schildert die große Wandlung einer archaischen, vormodernen Wüstengesellschaft in eine vom Kapitalismus korrumpierte und veränderte Welt, in der aber nie, lobt Weidner, Schwarzweißmalerei betrieben würde und beispielsweise die Amerikaner, die dort in der Wüste nach Öl bohren und eine ganze Ölindustrie aufziehen, die Hauptschuldigen abgäben. Es sei eine geradezu "verblüffende Leseerfahrung", schwärmt Weidner weiter, diese rasante Entwicklung aus arabischer Sicht zu verfolgen. Nie wirkten Munifs Figuren statisch oder eindimensional, dafür verfüge der Autor über viel zu viel satirische Kraft, so der Rezensent. Nicht zuletzt trage die hervorragende Übersetzung zu diesem großartigen Leseerlebnis bei!
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2003
Obwohl seine fünf Bände der "Salzstädte" in Saudi-Arabien auf dem Index stehen, genießt der Autor beim arabischen Publikum Kultstatus, berichtet Martin Zähringer und weiß von heimlichen Großauflagen. "Salzstädte" sei ein Romanprojekt über das Öl und den damit einhergehenden Strukturwandel in der Region, sozusagen eine Geschichte des Erdöls aus arabischer Sicht und garantiert frei von fundamentalistischen Bestandteilen. Vor allem verbindet der Roman Zähringer zufolge konkretes Wissen - der Autor ist vom Fach, er hat u.a. jahrelang als Opec-Berater gearbeitet - und epische Gestaltungskraft, die den Wandel der Gesellschaft und ihrer sozialen Beziehungen spannend, lebendig und sehr bildhaft einfängt. Der vorliegende Band (wir vermuten, es handelt sich um den ersten von fünfen) befasst sich mit der Gründerzeit, der Ankunft der Amerikaner, der Vertreibung aus dem Paradies, dem Wandel einer Beduinengesellschaft in eine der Lohnarbeit, der Aufweichung der Moral, dem "radikalen Körperschock", der die Veränderung der Lebenswelt am präzisesten erfasst, so Zähringer. Das Einfinden in den arabischen Kosmos werde erleichtert, erklärt der Rezensent, durch ein kommentiertes Personenverzeichnis zu Beginn des Buches. Ein wunderbarer Roman, freut sich der Rezensent, der ungewöhnliche Perspektiven auf Öl, Wüste und uns selber biete.
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19.08.2010: Die argentinische Journalistin Maria Sonia Cristoff bereist Patagonien und berichtet von den Menschen, die es dorthin verschlagen hat, in diese gottverlassenen Landschaften am anderen Ende der Welt. Lesen Sie hier einen Auszug aus: "Patagonische Gespenster". Mehr lesen





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