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Klappentext
Aus dem Albanischen und mit einem Nachwort von Joachim Röhm. Mark-Alem, Sohn einer albanischen Grossbürgersfamilie, wird als Bediensteter in den Palast der Träume berufen. Durch seine Augen lernen wir jenes "Laboratorium des Schlimmsten" kennen, ein Schreckenslabyrinth, in dem ein Staat aus den Träumen seiner Bewohner den Fortgang der staatlichen Zukunft abliest. "Denn ein Traum, der wie ein herumfliegender Funke zufällig im Gehirn eines bestimmten unter vielen Millionen schlafender Menschen gelandet ist, kann dazu taugen, Unheil vom Staat und von unserem allgewaltigen Gebieter abzuwenden." Und so befiehlt die Macht jedem einzelnen, die Tiefen seines Geistes offenzulegen, in der Versicherung, es sei zum Wohle des Volkes.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2003
Aus Uwe Stolzmanns Besprechung von Ismail Kadares im Albanien der siebziger Jahre geschriebenen "Palast der Träume" spricht einiges an Unbehagen. Er bemängelt, dass der Autor im Vergleich zu "Brücke" in diesem Buch seine "poetische Kraft" verloren habe, die Sprache etwas "flach" geraten sei und auch die "Satzlogik manchmal klappere". Außerdem kommt ihm die Schilderung des "ganz normalen Wahnwitz des modernen Staates" schon von Borges und Kafka her bekannt vor. Das von Verlag und Übersetzer proklamierte Regimekritische des Romans nimmt Stolzmann Kadare in einer allerdings etwas undurchsichtigen Argumentation außerdem nicht ganz ab, sei ihm doch der Autor zu bewusst unpolitisch. Trotzdem sei das Ganze auch "unterhaltsame Prosa mit Ausbrüchen lustvoller Anarchie, effektvoll, manchmal leise furchterregend". Einverstanden ist er damit aber trotzdem nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003
Als "grandiose Traumdeutung des Stalinismus" und eisige Parabel des totalitären albanischen Hodscha-Regime hat Rezensent Dirk Schümer diesen Roman gelesen. Seiner Ansicht nach darf man den Erzähler und seine Hauptfigur gleichsetzen: ein Karrierist des Regimes, der die Unterdrückung beweint, gleichzeitig jedoch an die Spitze des Systems gerät. Auch Ismail Kadare war einst ein Protege Hodschas, mit dem Mitte der siebziger Jahre geschriebenen "Palast der Träume" verscherzte es sich der Autor jedoch mit dem Diktator. Er musste "Selbstkritik üben", schreibt Schümer. Vor einer Vorverurteilung Kadares warnt unser Rezensent dann auch, angesichts dieses "gnadenlosen Romans". Irgendwann werde man ihn als gültige Beschreibung der unseligen Hodscha-Epoche lesen. Die Geschichte handelt, lesen wir, von einer imaginären Großbehörde des osmanischen Reiches, die mit gewaltiger Bürokratie die Träume der Untertanen sichtet, auswertet, deutet und archiviert. Ihre Kraft bezieht die finstere Parabel für den Rezensenten durch eine "Mischung aus mythischem Erzählen, Tagesaktualität und literarischer Moderne". Hinzu kommt für Schümer ein Zug ins "verzweifelt Humoristische", ins Surreale, in eine "durchgeknallte Piranesi-Welt", etwa bei der Schilderung der "abgedrehten Träume, die korrekt erfasst und ausgedeutet" werden müssen. Als weitere Ebene des von ihm hochgelobten Buches beschreibt der Rezensent die "der stets präsenten blutigen Balkan-Epen", die er als prophetisch empfindet. Die Neuübersetzung findet Schümer "angemessen kühl".
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