Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Hermann Scheer
Die Politiker
Klappentext
Es ist ein Alarmzeichen für die Demokratie, wenn Wähler sich von der Politik abwenden und "Politiker" zum Schimpfwort mutiert. Der Vollblutpolitiker Hermann Scheer untersucht in diesem Buch die Handlungsbedingungen der Politik, die Verfassung unserer politischen Institutionen und ihrer Akteure - und die ganz widersprüchlichen Vorstellungen, die wir uns von ihnen machen. Ein längst fälliges Plädoyer für ein neues Politikverständnis - und den Mut zu politischer Mitwirkung.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.12.2003
Die Politikerbeschimpfung, stellt Dieter Rulff eingangs seiner Besprechung fest, habe nun schon seit langem ihren "Stammplatz im Topoi der maulenden Mehrheit". Da sei es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit gewesen, dass einem Betroffenen einmal "der Kragen platzen" und er "zur Selbsthilfe" greifen würde. Dies habe der Bundestagsabgeordnete und Solarenergieexperte Hermann Scheer mit diesem Buch nun, lobt Rulff, "auf eine äußerst intelligente Weise" getan. Nur gehe es, schreibt Rulff, Scheer dabei eben einmal nicht um bloße Selbstbestätigung, "sondern um Veränderung". Dazu werden von Scheer dann nicht zuletzt strukturelle Probleme dargelegt - um zu zeigen, wo es wirklich auf Änderungen ankäme. Der Rezensent gibt vor allem folgende Überlegung Scheers wieder: Da sich kaum eine Berufsgruppe "periodisch solch existenziellen Ängsten ausgesetzt" sehe wie die meisten Politiker, die bei jeder Wahl um ihre Existenz bangen müssten, diene "ein Großteil der Parteiarbeit der Minderung dieser Angst" - zugleich bilde dies dann aber eben auch den Hauptgrund für die Bildung von Seilschaften und eine Übervorsicht im täglichen Handeln.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2003
Mathias Greffrath findet, dass Hermann Scheer tief stapelt: Sein Buch sei "nichts weniger als ein kleines Lehrbuch vom politischen Handeln in den Strukturen, wie sie nun einmal sind". Es komme nämlich, argumentiert Scheer, nach wie vor auf die Parteien und auf das Parlament an - trotz aller Kritik, die auch er nicht zurückhält. Scheer, informiert Greffrath, diagnostiziert eine Krise der parlamentarischen Demokratie, hervorgebracht zum einen durch die "Verdampfung nationaler Geltungsmacht" zu Gunsten der WTO und die "absolutistische" europäische Wirtschaftspolitik der EU-Kommission, zum anderen dadurch, dass die Gesellschaft "ihre Kräfte delegiert" habe- die Basis der parlamentarischen Vertretung in der Gemeinschaft souveräner und politisch handelnder Bürger fehle. Was muss also passieren? Eine "Kulturrevolution" - im Geiste des Grundgesetzes.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Cathrin Kahlweit ist in ihrer ausführlichen Besprechung zwischen einer großen Sympathie für dieses Buch und dessen Autor einerseits und ihrer Einsicht in die Schwächen beider andererseits hin- und hergerissen. So freut sie sich zunächst, dass der SPD-Bundestagsabgeordnete Scheer auch in diesem Buch wieder einmal zeige, dass er "ein wenig anders ist als andere Politiker". Außerdem habe er ein "spannendes Buch" vorgelegt, das "historisch fundiert" und "intelligent strukturiert" sei. Doch im nächsten Satz folgt bereits die erste wichtige Einschränkung: Scheer macht es sich "bisweilen zu einfach", findet Kahlweit. Später folgt eine weitere: Über weite Strecken sei das Buch - mit Blick auf Titel und Thema - zudem eine "Mogelpackung", denn der SPD-Linke und Globalisierungsgegner Scheer arbeite sich weniger an den Politikern als an der Globalisierung und ihren Folgen für Märkte und Gesellschaften ab. Die Politiker selbst verteidige er gegen die von immer mehr Seiten vorgetragene Kritik. Gefallen hat der Rezensentin dabei unter anderem, wie Scheer an einer ganzen Reihe von Beispielen belege, dass hier noch immer die aus einer unseligen Tradition stammende Unterstellung fortlebe, dass Deutschland, wie die Rezensentin Scheer paraphrasiert, "ohne Parteien in besseren Händen wäre und volksnaher regiert würde". Aber Scheer sieht auch bei den Politikern ein Problem, berichtet Kahlweit, er warne sie vor "Selbstentmachtung" und fordere eine "Wiederbelebung der 'Ideale' politischen Handelns" - was die Rezensentin wiederum offenbar nicht so recht zu überzeugen vermochte, schließlich seien Ideale, wie sie schreibt, "nicht dekretierbar".
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