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Klappentext
Das neue Buch von Ernst Tugendhat unternimmt es, die Methoden der analytischen Philosophie auf anthropologische Grundfragen anzuwenden. Was bedeutet es, sich "ich"-sagend zu sich zu verhalten? Wie unterscheidet sich der Selbstbezug derMenschen von der rudimentären Egozentrizität anderer Tiere? Im Blick auf solche Fragen erörtert der Autor Phänomene wie Egoismus und Altruismus, das Bewusstsein der Sterblichkeit, Sichwichtignehmen und die Möglichkeit der Selbstrelativierung sowie das Bedürfnis nach Religion und Mystik.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Ernst Tugendhat bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003
Etwas ratlos bleibt Bettina Engels vor diesem Werk des Tübinger Emeritus. Der erste Teil, findet sie angetan, ist auf der üblichen Höhe Tugendhatscher Diskursivität über die "Sprachförmigkeit und Ethik des Humanen". Aber der zweite Teil scheint ihr weniger gelungen mit seiner Prämisse, die Angst vor dem Tod sei ein "biologischer Mechanismus", und der Ausführung, die der Mystik in ihrem Versprechen auf Einssein mit dem "Numinosen" eine Rechtfertigung verschaffe. Bettina Engels Kritik setzt da ein, wo die emanzipierende Kraft der Sprachtheorie Tugendhats für sie aufhört, nämlich in der Festschreibung der Sprache als vereinzelnder Kraft, als Isolation vom Anderen. Dies hat der Autor, so findet Engels, hier mehr noch als zuvor betont. Hier möchte sie nicht mitgehen und schlägt der Sprache ein größeres Potenzial zur Erlösung des Subjekts "von seiner Einsamkeit" zu, als Tugendhat es offenbar zulassen möchte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003
So ganz sicher ist sich Uwe Justus Wenzel nicht, ob Ernst Tugendhats Studie nun ein philosophiegeschichtliches oder ein religionsgeschichtliches Ereignis darstellt. Für beachtenswert hält er sie allemal. Ausgehend vom Gedanken des Sich-selbst-Zurücknehmens entwirft Tugendhat ein eigenes Modell der Mystik, mit Versatzstücken aus Taoismus und Buddhismus. Wenzel kritisiert, dass der Autor beim Entwurf einer für alle zugänglichen Religion auf der Basis dieser Mystik die jüdisch-christliche Religion "gröblich" zurichtet, ja dass er die jüdisch-christlichen Wurzeln der Mystik ausblendet. Angenehm überrascht ist er aber dann doch, dass die Seinsfrage auf diesem unerwartetem Wege wieder in die philosophische Diskussion zurückkehrt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Anregend befremdet scheint Rezensent Martin Bauer von Ernst Tugendhats neuem Werk, in dem der Philosoph der Grundfrage par excellence nachgeht: der Frage nach dem Menschen. Kants Formulierung dieser Frage - Was ist der Mensch? - stelle Tugendhat deren metaphysikkritische Variante entgegen: Wie sollen wir uns als Menschen verstehen? Entscheidend daran, so der Rezensent, ist der Übergang vom "was" zum "wie". Entgegen der landläufigen und "gewöhnlich unbefragten Hintergrundannahme", Anthropologie könne nur als "historische Anthropologie" betrieben werde, vertrete Tugendhat die "unorthodoxe" Überzeugung, dass es "vernünftiger Erkenntnisse" bedarf, um die anthropologische Frage zu beantworten. Aus der Diagnose einer tiefen menschlichen Zwiespältigkeit zwischen egozentrischem "Ich-Sager" und gesellschaftlich begründeter Rücknahme eben dieser Egozentrik erwachse Tugendhats anthropologisches Konzept der "Sammlung", das den Menschen in einem "Unverlierbaren" beheimate. Damit, merkt ein verblüffter Bauer an, ist der Weg offen zu einer "Wiederentdeckung der Transzendenz", etwa der Mystik, als einziger Möglichkeit ebendieser Sammlung, und demnach des Menschseins. Dieses Buch wird "heftige Kontroversen" auslösen, "Geister spalten und Gemüter erhitzen", prophezeit der Rezensent, und daher kann es nur eins sein: "wirklich gute Philosophie".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003
Ernst Tugendhat, Thomas Meyer zufolge eine der "wenigen unverwechselbaren Stimmen in der deutschen Philosophie der letzten drei Jahrzehnte", zudem eine der verständlichsten, hat ein neues Buch geschrieben, in dem es um den Zusammenhang von Vernunft - dem Streben nach dem Guten - und Selbstbezug geht. Letzteres - von Tugendhat "Egozentrizität" genannt - braucht es für ersteres, so der Grundgedanke. Aber warum? Weil es, so vollzieht es Meyer gerafft nach, eines Ichs bedarf, um die in der Sprache, im Gespräch mit anderen vollzogene Fähigkeit zur Rationalität zu verwirklichen, wobei dieses Ich bei Tugendhat "ein völlig unprätentiöses Phänomen (ist), dem es gelingt, seine Meinungen, Wünsche, Absichten und Gefühle durch die Fähigkeit zu objektivieren, prädikativ über sich selbst zu sprechen". Unter anderem über seine "Freiheit", die wiederum die Voraussetzung für ein "Sichausrichtenkönnen auf Gutes" sei. Das Ich praktiziere einen Ausgleich zwischen "Vielheit und Zerstreuung" auf der einen Seite und "Sammlung" auf der anderen - "auf diese Weise kann eine Einheit des menschlichen Lebens gedacht werden" und man kann seine Handlung auf das Gute ausrichten, erklärt Meyer. Und dieser Zusammenhang zwischen Ich, Freiheit und Ausrichtung auf das Gute könne sich innerhalb von Mystik und Religion, "den traditionellen Antworten auf der Suche nach Einheit" nicht entfalten. Für Meyer steckt in Tugendhats Buch "ein philosophischer Trost, wie er ernsthafter und furchtloser nicht sein könnte".
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