Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Französischen von Horst Brühmann. Seit den Ereignissen des 11. September haben die "Schurkenstaaten" eine ungeahnte Bedeutung angenommen. Wir leben im Zeitalter der "Schurkenstaaten". Dieser Begriff eröffnet grundlegende politische Fragen wie die nach staatlicher Souveränität, aber auch nach den politischen Möglichkeiten und Grenzen der Vereinten Nationen, ja nach der Demokratie als solcher. "Was geschieht", so fragt Derrida, "mit den Begriffen der 'Politik', des 'Kriegs' und des 'Terrorismus', wenn das alte Gespenst der staatlichen Souveränität seine Glaubwürdigkeit verliert?" Zwischen Globalisierung und staatlicher Souveränität, dem Recht der Macht und der Macht des Rechts, "Schurkenstaaten" und nationalen wie internationalen demokratischen Organisationen steht die Demokratie als solche auf dem Spiel.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2003
Noch nie wurde ein Buch des französischen Philosophen so unmittelbar politisch wahrgenommen, berichtet Sonja Asal und verweist auf den politischen Kontext der Auseinandersetzungen um den Irakkrieg, die den zwei im Sommer 2002 gehaltenen Vorträgen Jacques Derridas ungewohnte Beachtung im politisch-publizistischen Bereich gewährten. Zumal Derridas "Volte", so Asal, die USA als ersten Schurkenstaat zu bezeichnen, natürlich für Aufregung sorgen musste. Doch Aufregung beiseite - Derrida führe im Grunde seine in "Gesetzeskraft" begonnene Reflexion über das Verhältnis von Gewalt und Gerechtigkeit fort und übertrage das ganze in den Antagonismus der Begriffe Demokratie und Souveränität, erklärt Asal. Denn der Demokratie sei immer auch "eine undemokratische Möglichkeit inhärent", d.h. zu ihrer Verteidigung müsse sie sich auch einschränken, oder anders ausgedrückt: der Gebrauch von Macht schließt auch den Missbrauch von Macht ein. Derrida genügt diese Feststellung nicht, stellt Asal fest, er denke mithilfe von Platon und Aristoteles über die Demokratie als Regierungsform der Zukunft nach, bei der Souveränität nicht einem einzelnen, sondern dem Volk zukommt. Noch nie habe man die politischen Implikationen von Derridas Methode der Dekonstruktion deutlicher formuliert lesen können, schreibt die Rezensentin angetan.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2003
Das Wort 'Schurke' kann liebevoll gemeint sein, aber auch einen wirklich miesen Typen bezeichnen, sinniert Uwe Justus Wenzel, ein eher changierender Begriff also. Wer oder was aber ein Schurkenstaat ist, wüssten wir dank der Sicherheitsberater der amerikanischen Regierung genau, führt Wenzel fort: nämlich wer oder was immer von den Vereinigten Staaten als solcher bezeichnet würde. Der französische Philosoph Jacques Derrida geht da - schurkischer Weise, witzelt Wenzel - noch weiter: alle Staaten seien Schurkenstaaten, weil es eigentlich keine souveräne Macht, keine souveräne Demokratie ohne Machtmissbrauch geben könne. Dem Verfasser geht es dabei nicht, hält Wenzel fest, um eindeutigen Machtmissbrauch, sondern um den zweideutigen Gebrauch von Macht - und um die Verteidigung der Vernunft. Werde heute das Ende souveräner Staatlichkeit behauptet, so läge darin doch auch eine Chance, erläutert Wenzel Derridas hintersinnige Überlegungen zur Souveränität, denn vielleicht gebe es ja auch eine Chance für eine nicht mehr souveräne Souveränität? Eine Souveränität, die auch Kompromisse aushandeln und zulassen sollte. Derrida gibt sich bescheiden, sagt Wenzel, doch man solle sich davor hüten, seiner Gedankenspielerei den Ernst abzuerkennen, warnt er.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003
Rezensent Joseph Hanimann hält Jaques Derridas Essays "Schurken" für sein "seit Jahren wohl bestes Buch". Derrida gehe es darin um die Frage nach der Legitimität von Interventionen wie zuletzt im Irak, um den Begriff des "Schurken" und um die Frage nach den Bedingungen von Demokratie. Derridas Antwort auf diese Fragen ist nach Auffassung des Rezensenten "umfassend, grundsätzlich, klar", auch wenn er eingestehen muss, dass "sehr sorgfältig" übersetzte Text dem Leser "manche Strapazen" abverlange. Das freilich trifft auch auf Hanimanns Besprechung zu, die sich vor allem durch eine gewisse Umständlichkeit auszeichnet. Derridas Ansicht etwa über die aporetische Struktur der Demokratie ("Heteronomie und Autonomie, unteilbare und teilbare, nämlich teilhabbare Souveränität, ein leerer Name, ein leeres Nomen, ein verzweifelter oder verzweifelnder Messianismus"), kommentiert der Rezensent mit den Worten: "Mit einer so unmittelbaren politischen Implikation sind wir Derridas Philosophie der spurhaft wesensfremden Nicht-Gegenwart alles Seins noch selten begegnet."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003
Derridas Rede von den USA als Schurkenstaat, erklärt Thomas Assheuer, ist natürlich vor allem ein rhetorischer Aufhänger. Worauf er wirklich hinauswolle: Der westliche Liberalismus gefährdet seine eigene Substanz in dem Augenblick, das er sie zu erhalten vorgebe - die Einschränkung von Freiheit im Namen der Freiheit. Demokratie habe sich selber "autoimmunisiert" und fordere für sich unbedingte Souveränität, "denn Demokratie ist auf Macht angewiesen, und diese will ungeteilt herrschen" - so fallen Macht und Recht in eins. Aus diesem geschlossenen Kreis, dem wir seit der Antike verhaftet sind, wolle Derrida ausbrechen, indem er die Geschlossenheit der gedanklichen Figuren, mit denen Dinge aus sich selbst heraus begründet werden, aufbreche - mit dem Werkzeug der Dekonstruktion gegen den alten, selbstverständlich gewordenen "Glauben an Macht und Souveränität" - um den geschlossenen Kreis für den Anderen zu öffnen. "Man ahnt", schreibt Assheuer, "worauf Derrida hinauswill. Er zielt auf das 'Un-Mögliche', auf eine Kernspaltung im abendländischen Denken. Der Anspruch der Souveränität soll von der Idee des Unbedingten abgetrennt, Macht und Recht sollen entkoppelt und der Monotheismus der Moderne von seiner Selbstverhärtung, seiner Autoimmunität befreit werden." Wie aber lasse sich in Handeln übersetzen, was die gegenwärtigen Voraussetzungen politischen Handelns in Frage stellt? Derrida hoffe auf die UN, "in denen staatliche Souveränität nicht länger mit kollektiver Verantwortung kollidiert", und träume von einer immer "kommenden Aufklärung", zu der man gelange, indem man auf alle Voraussetzungen des westlichen Denkens verzichte und sich vom "Anfänglichen" und "Unberechenbaren" leiten lasse. Vage, aber so reiche Formulierungen, findet Assheuer.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Bücher von Lesern empfohlen
Shahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren
Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Ein iranischer Schriftsteller ist es leid, immer nur düstere Romane ...
Javier Marias: Dein Gesicht morgen
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. "Wollte Gott, dass niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, ...
Archiv: Bücherschauen
Das wäre ja der Tod
19.03.2010: Die FAZ schwärmt vom lakonischen Witz in Tom Drurys Roman "Der Tod des Vandalismus", dem sie mit Begeisterung zu den skurrilsten Orten der amerikanischen Provinz folgt. Die Sagen der Säufer, Zocker und Loser lässt sich die FR von Clemens Meyer erzählen. Großes Lob vergibt die SZ an Andreas Schäfers Roman "Wir vier". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Francois Walter: Katastrophen
15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen
Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst
11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen
Necla Kelek: Himmelsreise
08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen


Folgen Sie uns auf Twitter


